Der Architekt Massimiliano Fuksas hat das Nationalarchiv von Frankreich und das Einkaufszentrum My Zeil in Frankfurt entworfen. In unserem Stil-Fragebogen verrät er, warum er schon sein ganzes Leben gegen Style ankämpft.
Massimiliano Fuksas, 1944 in Rom geboren, arbeitet seit 30 Jahren mit seiner Frau zusammen, der Architektin Doriana Mandrelli. Zu seinen jungsten Projekten gehoren der 137 Meter hohe „Twin Tower“ in Wien und das Nationalarchiv von Frankreich in Pierrefitte-sur-Seine. Auch das Einkaufszentrum My Zeil in Frankfurt hat er entworfen.
Was essen Sie zum Fruhstuck?
Croissant und Cappuccino. Wir fruhstucken unter der Woche nicht zu Hause, sondern gehen, wie in Italien ublich, ins Caf , egal ob wir in Rom sind oder in Paris.
Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?
Ich habe noch nie etwas fur mich gekauft. Das macht alles meine Frau Doriana. Und das ist auch besser so, obwohl ich immer nur ein schwarzes T-Shirt, eine schwarze Hose, eine schwarze Jacke oder einen schwarzen Mantel trage. Am liebsten von Giorgio Armani, der ein guter Freund von mir ist, oder von Issey Miyake.
Hebt es Ihre Stimmung, wenn Sie einkaufen?
Nein. Ich glaube, Männern macht es im allgemeinen viel weniger Freude, einkaufen zu gehen.
Was ist das älteste Kleidungsstuck in Ihrem Schrank?
- Produktdesigner Stefan Diez: „Ich trage Schmuck, bis ich ihn verliere“
- Nico Rosberg: „Der wichtigste Schmuck ist mein Ehering“
- Jasmin Wagner: „Ich bin ein analoges Mädchen“
Meine Großmutter, die aus Straßburg stammte, hat mich gelehrt, nichts wegzuwerfen. Darum hängen in meinem Schrank mehr als 20 Mäntel, von denen ich mich nicht trennen mag. Irgendwann sagt Doriana dann zu mir, der Mantel wird ja immer kleiner, und sie kauft mir einen neuen, den ich zu den anderen hänge.
Was war Ihre großte Modesunde?
Ich begehe keine Modesunden.
Tragen Sie zu Hause Jogginghosen?
Nein.
Haben Sie Stil-Vorbilder?
Ja und nein. Ich unterscheide zwischen Stil und Style. Ich habe Stil, aber keinen Style. Mein ganzes Leben kämpfe ich schon gegen Style an. Style ist etwas sehr Oberflächliches und schrecklich uninteressant.
Haben Sie jemals ein Kleidungs- oder Mobelstuck selbst gemacht?
Entworfen habe ich schon viele Mobelstucke, aber fast nur am Schreibtisch, nicht an der Werkbank.
Besitzen Sie ein komplettes Service?
Ja. Meine Frau und ich haben ein Service mitsamt Besteck fur Alessi entworfen, „Colombina“, und das haben wir auch zu Hause. Allerdings nicht alle Teile, das wäre uns zu viel.
Mit welchem selbst zubereiteten Essen konnten Sie schon Freunde beeindrucken?
Ich helfe meist nur in der Kuche. Besonders gut sind meine Steaks, das ist meine Spezialität.
Welche Zeitungen und Magazine lesen Sie?
„Le Monde“, „Financial Times“, „New York Times“ und, das mussen Sie mir glauben, die „Frankfurter Allgemeine“. Ihre Zeitung schätze ich sehr – vor allem das Feuilleton. Ich spreche zwar nicht mehr so gut Deutsch, aber lesen kann ich es.
Welche Websites und Blogs lesen Sie?
Die Seiten der „New York Times“ und der F.A.Z.
Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?
Heute. Gestern. Eigentlich jeden Tag. Ich schreibe gerne und gratuliere Freunden am liebsten personlich.
Welches Buch hat Sie am meisten beeindruckt?
Es klingt banal: Dante Alighieris „Gottliche Komodie“.
Ihre Lieblingsvornamen?
Elisa, der Name meiner ersten Tochter und meiner Großmutter. Unsere jungere Tochter heißt Lavinia. Auch Maximilian/Massimiliano mag ich. Mein zweiter Vorname ist ubrigens Vytautas, mein Vater war Litauer.
Ihr Lieblingsfilm?
Alle Filme von Stanley Kubrick und Alfred Hitchcock.
Fuhlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?
In unser Haus in der Toskana bei Siena fahre ich noch. Doch ich fahre nicht mehr gern. Fruher war das anders: Als ich junger war, fuhr ich schnell – und sehr verruckt.
Tragen Sie eine Uhr?
Ja, aber ich trage sie nicht gerne, weil ich sie nicht mag.
Tragen Sie Schmuck?
Niemals. Nur meinen Ehering.
Haben Sie einen Lieblingsduft?
Ich mag leichte Dufte, von Armani und Hermes.
Was ist Ihr großtes Talent?
Mein großtes Talent ist es, kein Talent zu haben.
Was ist Ihre großte Schwäche?
Mich regt Ungerechtigkeit auf. Bei Bildern von den Fluchtlingen vor Sizilien kommen mir die Tränen. Ich verstehe einfach nicht, warum wir nicht mehr fur diese armen Menschen tun.
Womit kann man Ihnen eine Freude machen?
Nicht unbedingt mit Geschenken. Mich freut es, wenn jemand etwas Intelligentes zu mir sagt.
Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?
Jedenfalls nicht das Wetter. Das ist eher britisch. Italiener und Deutsche reden gerne uber Politik. Wir glauben ja, wir konnten die Welt verändern. Und daruber reden wir dann auch gerne.
Sind Sie abergläubisch?
Eigentlich nicht. Aber Vorsicht kann nicht schaden. Ich habe zudem eine fast merkwurdige Vorliebe fur die Zahl 17, uberhaupt fur ungerade Zahlen. Gerade Zahlen sind mir suspekt, was naturlich ein wenig dumm ist.
Wo haben Sie Ihren schonsten Urlaub verbracht?
Mein ganzes Leben ist Urlaub. Ich arbeite jeden Tag, und ich habe auch jeden Tag Urlaub, da gibt es keinen Unterschied, egal ob ich in Paris, Rom oder in der Toskana bin.
Was trinken Sie zum Abendessen?
Rotwein. Aus der Toskana und aus Bordeaux. Und meine Frau Champagner, was mancher versnobt finden konnte.
