Wirtschaft

Die Pleite von Puerto Rico analysiert

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Die Karibikinsel Puerto Rico ist pleite. Das erinnert schwer an Griechenland – aber Puerto Rico kann auf wenig Hilfe aus Washington hoffen.

Wenige Länder, so schreibt die Ökonomin Anne Krueger, schaffen es, die Staatsschulden auf einem beherrschbaren Niveau zu halten, wenn ihre Volkswirtschaft stagniert. Unmöglich muss es für ein Land sein, dessen Wirtschaft seit einer Dekade schrumpft. Das ist der Fall auf der Karibikinsel Puerto Rico. Das Ergebnis wird jetzt sichtbar. Das weitgehend autonom regierte Land, das zum Territorium der Vereinigten Staaten gehört, bricht gerade unter der Schuldenlast von 72 Milliarden Dollar zusammen.

Am 3. August zahlte die Regierung eine Summe von 58 Millionen Dollar nicht zurück, die überwiegend von Bürgern der Insel gehalten wird. Doch auf dem Spiel stehen auch Renten vieler Amerikaner, die für ihre Altersversorgung auf Anleihen aus Puerto Rico gesetzt haben. Selbst Hedgefonds sind schwer besorgt, zumindest jene, die als Investoren einsprangen, als Puerto Rico auf den klassischen Kapitalmärkten keine Geldgeber mehr fand.

Nicht, dass der Offenbarungseid eine Überraschung gewesen wäre. Der Gouverneur der Insel, García Padilla, hatte schon länger angekündigt, dass Puerto Rico der Zahlungsunfähigkeit gefährlich nahe kommen und den Teufelskreis der Schulden durch eine Einstellung der Zahlungen durchbrechen werde – mangels Alternativen. Die Ratingagenturen werten die Nichtzahlung als Zahlungsausfall und degradieren Puerto Rico damit auf die niedrigste Bewertungsstufe. Puerto Rico war jedoch schon vorher von den Kapitalmärkten weitgehend abgeschnitten, wie Krueger in ihrem Bericht für die Regierung des Landes schrieb. Die ehemals führende Mitarbeiterin von Weltbank und Internationalem Währungsfonds hatte die wirtschaftliche Lage des Landes im Auftrag des Gouverneurs untersucht, der Bericht war Ende Juni öffentlich geworden.

Was die Autoren vorfanden, war eine Volkswirtschaft, die zehn miese Jahre hinter sich hatte. Es begann 2006, als ein besonderes Steuerprivileg sein Ende fand. Bis dahin konnten amerikanische Unternehmen Steuern sparen, wenn sie Fabriken auf Puerto Rico errichteten. Die plausible Idee war es, im Land eine Industriestruktur aufzubauen, die von der Nähe des amerikanischen Festlands profitieren würde und die im Wettbewerb mit den Betrieben der aufstrebenden Schwellenländer bestehen könnte. Mit dem Steuernachlass sollte der Nachteil ausgeglichen werden, dass Puerto Rico sich an amerikanisches Arbeitsrecht inklusive der Mindestlöhne halten musste. Diese Politik der Wirtschaftsförderung erwies sich aber nicht als besonders nachhaltig. Denn kaum war das Privileg kassiert, verließen die Unternehmen Puerto Rico.

Tourismus zeigt besondere Schwäche des Landes

Manches kam zusammen: Die Industriefirmen wurden von der Ende 2008 einsetzenden Weltwirtschaftskrise gebeutelt. Genauso schlimm für Puerto Rico war es, dass danach amerikanische Touristen wegblieben. Sie sparten sich in der Phase der Depression einen Urlaub unter Palmen und tranken ihre Schirmchen-Cocktails auf der eigenen Veranda.