Daten im Mobilfunk strömen schnell wie nie. Aber dann ist das erlaubte Volumen rasch aufgebraucht. Wir zeigen Ihnen, welche Programme besonders gierig an ihrem Datenvolumen knabbern.
„Lieber Kunde, Ihr restliches Surfvolumen mit hoher Geschwindigkeit ist fü-r diesen Monat fast verbraucht.“ Die SMS kommt vom Netzbetreiber und wirft gleich einige Fragen auf: Wie viel Datenvolumen benö-tigt man heutzutage im Mobilfunk? Warum hat man „Flatrate“-Tarife, wenn das Volumen doch begrenzt ist? Und welche Apps auf dem Smartphone sind die grö-ß-ten Datenfresser?
Vor zehn Jahren galt die Faustregel, dass der typische mobile Surfer zwischen 30 und 100 Megabyte im Monat benö-tigt. Diese Werte kann man heute getrost mit dem Faktor 10 multiplizieren: 300 Megabyte bis ein Gigabyte sind angesagt. Die gä-ngigen Standardverträ-ge der groß-en Netzbetreiber sehen 500 Megabyte im Monat mit anschließ-ender Datendrossel vor. Nach Ü-berschreiten des Limits wird das Tempo so weit reduziert, dass man sein Smartphone kaum sinnvoll nutzen kann.
Automatische Buchung von Datenpaketen
Eine erste Tü-cke liegt neuerdings in der sogenannten Datenautomatik von Vodafone, Base und O2. Nach dem Verbrauch des Inklusivvolumens wird nicht etwa die Verbindungsgeschwindigkeit gedrosselt, sondern es werden kostenpflichtige zusä-tzliche Datenpakete nachgebucht. E-Plus und Base hatten im vergangenen Jahr ihre eigenmä-chtige Vertragsä-nderung dahingehend formuliert, dass sich der Kunde nicht gegen weitere Datenkontingente entscheiden konnte und sogar automatisch nach mehreren Zubuchungen in den nä-chsthö-heren Tarif eingestuft wurde. Dies hatte keinen juristischen Bestand, ü-ber die Kundenbetreuung kann man jetzt die Datenautomatik dauerhaft deaktivieren lassen. Ä-hnlich verfä-hrt O2 in einigen Tarifen.
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In den Vodafone-Red-Tarifen wird derzeit ein Datenvolumen automatisch nachgebucht, wenn 90 Prozent des Inklusivvolumens verbraucht sind. Der Kunde kann die Nachbuchung des 250-Megabyte-Pakets fü-r 3 Euro verhindern, wenn er auf die zugesandte Info-SMS antwortet. Reagiert er nicht, erfolgen bis zu drei Bestellungen im Abrechnungszeitraum. Dauerhaft kann man die Nachbuchungen nicht verhindern, der Widerspruch ist immer wieder aufs Neue einzulegen.
Text-basierende Apps sind besonders datenhungrig
Die nä-chste Tü-cke des mobilen Datenkonsums ist seine Erfassung. Als gä-be es kein Mess- und Eichgesetz, werden Mobilfunkdaten in Deutschland nicht in ihrer kleinstmö-glichen Einheit gemessen und abgerechnet, sondern in ungü-nstigen Taktungen zum Nachteil der Verbraucher. Ein Smartphone, das regelmä-ß-ig nach neuer E-Mail fragt, benö-tigt an sich nur wenige Byte fü-r diesen Vorgang. In den Netzen von Telekom und Vodafone werden jedoch mindestens 100 Kilobyte dafü-r in Rechnung gestellt, das ist die vertraglich festgelegte Datentaktung. Bei E-Plus und O2 werden die Daten in Schritten von ein oder 10 Kilobyte gezä-hlt, also deutlich kundenfreundlicher. Stets gilt jedoch: Ein Groß-teil des gebuchten Volumens verschwindet durch die Takt-Schummelei im Nichts. Wer dagegenhalten will, prü-fe die Einstellungen fü-r jene Smartphone-Apps, die automatisch regelmä-ß-ig Daten abholen: E-Mail, Facebook, Twitter und andere. Man setze sie auf Diä-t (nur noch ein Abruf pro Stunde) oder wä-hle das Push-Verfahren, wenn nur sporadisch Neues eintrudelt.
Die vor allem auf Text basierenden Apps sind jedoch nicht die datenhungrigsten. Multimediale Anwendungen kö-nnen selbst ein ü-ppiges Datenkontingent in kü-rzester Zeit wegschmelzen. Ganz weit vorn: das Streaming von Live-Videos, etwa bei einer Fuß-ballü-bertragung im Bezahlangebot von Sky. Hier rechne man mit 35 Megabyte in der Minute, nach einer Viertelstunde ist also das typische Monatsvolumen von 500 Megabyte verbraucht. Youtube-Videos sind etwas schlanker, aber 5 Megabyte pro Minute in der geringsten 360p-Aufslö-ung sind eine Untergrenze. Mit 720p liegt man bereits bei 19 Megabyte pro Minute.
