Eine Journalistin hat unter den Superreichen an der Upper East Side gelebt – und schildert deren Frauen in einem Buch als Luxus-Primaten, die heftig um ihren Rang buhlen.
Als die amerikanische Journalistin Wendy Martin unter dem Eindruck des 11. Septembers 2001 mit ihrem Investmentbanker-Gatten und dem gemeinsamen kleinen Sohn vom zentral gelegenen West Village an New Yorks Upper East Side zieht, tut die junge Mutter erst mal, was jede Zugezogene in jeder neuen Nachbarschaft tun wü-rde: Sie bemü-ht sich, Kontakt zu anderen Mü-ttern zu finden, dazuzugehö-ren und geachtet zu werden. Nur dass die peer group, zu der sie da Zugang sucht, eine ä-uß-erst exklusive ist: die Superreichen – Banker sowie Top-Manager und Erben immenser Vermö-gen – und deren Frauen. Letztere haben aus der Mutterschaft eine Art Leistungssport und aus ihren Kindern verlä-ngerte Statussymbole gemacht, und es sind diese Mü-tter und ihre sozialen Rituale, die Martin verdattert registriert: Musik- und Sprachunterricht fü-r Windelträ-ger und exklusive Vorschulen, die Eltern und Kinder vorsprechen und „vorspielen“ lassen, sind hier heiß-umkä-mpfter und vermeintlich unverzichtbarer Startvorteil fü-r die spä-tere akademische Laufbahn.
Viele tausend Dollar teure Geburtstagspartys fü-r Kleinkinder sind ein Muss, und Spielverabredungen unter den Kleinen werden strategisch austariert – nach dem Rang der jeweiligen Mutter. Statt der Ahnenvergö-tterung altertü-mlicher Kulturen, so kommt es Martin bald vor, wird an der Upper East Side die Vergö-tterung der Abkö-mmlinge betrieben.
Martin war besonders gut aufgestellt, um diesen Mikrokosmos teilnehmend zu beobachten- aufgewachsen im Mittleren Westen, dem Hort amerikanischer Bodenstä-ndigkeit, war sie in ihren Zwanzigern nach New York City gezogen, um Literatur und Anthropologie zu studieren und Karriere als Autorin und Journalistin zu machen. Ihren derart geschulten Blick richtete sie nun auf den Geldadel von Manhattan- in ihrem vor kurzem erschienenen Buch „Primates of Park Avenue“ charakterisiert Martin die Mitglieder dieses erlesenen Kreises, dem sie selbst vorü-bergehend angehö-rte, als hö-chst kultivierte Affenhorde mit Hermè-s-Handtaschen und Balenciaga-Schuhwerk. Aber als Affenhorde gleichwohl. Was ihr – die unter dem Pseudonym Wednesday Martin auftritt – in deren Biotop widerfahren ist, ist ü-ber weite Strecken haarsträ-ubend, meist sehr amü-sant und am Ende sogar berü-hrend.
Auswü-chse eines eifersü-chtigen Status-Gerangels
„Sie sah aus, als hä-tte sie einen Haar- und Make-up-Stylisten“, beschreibt Martin eine Mutter, die ihren Sprö-ssling aus dem Kindergarten abholt. „Und das an einem ganz normalen Mittwochnachmittag.“ Freilich geht Martin selbst bald in dieser Gruppe auf und lä-sst sich, als die Wehen zur Geburt ihres zweiten Kindes einsetzen, noch schnell die Frisur aufhü-bschen – und bereut, dass sie es nicht mehr zum bikini waxing schafft. Manches hier klingt wie eine schrä-ge Ü-berhö-hung der Macken, die die Rampensä-ue aus dem „Real Housewives“-Realityfernsehen zu Markte tragen, so zum Beispiel Martins Schilderung, dass manche dieser Mü-tter Behinderte anheuern, die ihnen bei Ausflü-gen nach Disneyland die Umgehung der langen Schlangen ermö-glichen.
