Hedgefondsmanager aus Amerika haben Milliarden in Wertpapiere aus Griechenland investiert. Ein schlechtes Gewissen haben sie nicht.
Es war nur wenige Tage vor jenem schicksalhaften Gipfeltreffen Mitte Juli, an dem Europas Regierungschefs ü-ber die Zukunft des Euroraumes verhandelten, als Hans Humes seine Mä-nner anwies, nicht lä-nger zu zö-gern. Der Grü-nder der
Hedgefondsgesellschaft Greylock Capital Partners in New York sah den Moment gekommen: Die Rendite griechischer Staatsanleihen war soeben auf 18 Prozent gestiegen, was in der Sprache der Kapitalmä-rkte nichts anderes bedeutete als: Griechenlands Pleite steht bevor. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt gab Humes die Devise aus, griechische Staatsanleihen zu kaufen.
Tollkü-hn? Nein, eher nü-chtern kalkulierend. Denn Humes weiß-, was er tut. Seit Jahren besteht sein Geschä-ftsmodell darin, am Scheitern von Staaten Geld zu verdienen. Dies mag man verwerflich finden, in der Welt der Hedgefonds dagegen ist es eine anerkannte Anlagekategorie: „Distressed Debt“ (frei ü-bersetzt: notleidende Anleihen). Anerkannt deswegen, weil der Kauf solcher Anleihen nicht nur gute Nerven erfordert. Sondern auch das Gespü-r fü-r den richtigen Moment.
Humes investierte, als Argentinien 2002 eine der grö-ß-ten Staatspleiten der Geschichte hinlegte. Er investierte, als die Elfenbeinkü-ste ihre Schulden neu ordnen musste, und war dabei, als sich die Philippinen in einer ä-hnlichen Lage befanden. Die Liste der Lä-nder ließ-e sich fortsetzen, Humes hat kaum einen schwachen Staat ausgelassen, seitdem er in den 1990er Jahre begann, an der Bö-rse Geschä-fte zu machen. Griechenland unterscheidet sich von all diesen Staaten nur in einem Punkt: Es handelt sich dabei, zumindest nach offizieller Lesart, nicht um ein Schwellenland, sondern um ein Mitglied eines der stä-rksten Wirtschaftsrä-ume der Welt.
Nur wer viel Risiko wagt, kann viel Geld verdienen
Selten jedoch dü-rfte sich ein Investment so schnell gelohnt haben wie dieser Kauf griechischer Staatsanleihen. Nach einer dramatischen Nachtsitzung in Brü-ssel war Griechenland am Ende dann doch ein weiteres Mal gerettet, und in New York konnte sich Humes die Hä-nde reiben: Die Rendite griechischer Staatsanleihen fiel auf 12 Prozent, im Gegenzug legten die Anleihekurse gewaltig zu. Es ist nicht bekannt, ob Humes die Papiere direkt wieder verkauft hat, um von diesem saftigen Kursplus sogleich zu profitieren. Aber genü-gend Interessenten wird es definitiv gegeben haben.
Denn obwohl nur noch ein verhä-ltnismä-ß-ig kleiner Teil der hohen griechischen Staatsschulden im Besitz privater Investoren ist, zog das Land zuletzt eine ganz besondere Art von Anlegern an: Profis, meist fü-r die groß-en amerikanischen Hedgefonds tä-tig, die von ihren Anlagerichtlinien her alles dü-rfen und die sich alles zutrauen – auf steigende, aber eben auch auf fallende Kurse zu setzen, mit ausfallgefä-hrdeten Anleihen zu spekulieren und in Lä-nder zu investieren, von denen andere Investoren nichts mehr wissen wollen.
Nach einem Bericht der „New York Times“ haben solche Anleger insgesamt mehr all zehn Milliarden Euro in Wertpapiere aus Griechenland investiert. Nicht alle diese Hedgefonds waren in den vergangenen Monaten so erfolgreich wie Humes, einige notieren derzeit sogar im Minus. Aber alle eint die gleiche Grundü-berzeugung: Richtig viel Geld kann an den Finanzmä-rkten nur verdienen, wer hohe Risiken eingeht. Und allein darum geht es ihnen – um richtig viel Geld.
