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Streit mit Google: Streben nach mehr Freiheit für die Android-Apps

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Die Entwickler fühlen sich von Google bevormundet. Ein neues mobile Betriebssystem soll das Autoradio und andere Unterhaltungssysteme steuern. Doch wer erntet die Fahrzeugdaten?

In der Android-Entwicklergemeinde g&auml-rt es. Viele Programmierer f&uuml-hlen sich von Google bevormundet. Sie glauben nicht mehr, dass das Google-Management wirklich am Android-Betriebssystem als einer offenen und freien Software interessiert ist. Deshalb streben sie nach mehr Unabh&auml-ngigkeit von Google. In der kalifornischen Konzernzentrale wird die vor allen Dingen in Europa zu beobachtende Absetzbewegung der Entwickler durchaus ernst genommen.

Schon auf der Droidcon-Entwicklerkonferenz Anfang Juni in Berlin wurde intensiver als je zuvor &uuml-ber die Perspektiven von Android als Open-Source-Projekt diskutiert. „Android wird meiner Ansicht nach immer Open Source bleiben“, sagte zum Beispiel Friedger M&uuml-ffke, ein Entwickler der ersten Stunde. Gleichwohl gab er aber auch zu bedenken: „Es gibt nat&uuml-rlich die Entwicklung, dass Google viele Features in Google Services einbaut und damit eine Abh&auml-ngigkeit schafft.“

Zugriffsrechte von Apps eigenst&auml-ndig verwalten

Und genau das missf&auml-llt den Codern. Denn Google hatte zun&auml-chst mehr Autonomie in Aussicht gestellt. Anfangen wollten sie damit bei den Anwendern. So kann im neuen Android M der Smartphone- oder Tablet-Besitzer Zugriffsrechte von Apps eigenst&auml-ndig verwalten. Bei der Installation kann er festlegen, welche Rechte er der jeweiligen App einr&auml-umen will. Denn eine App zum Sprachenlernen muss nicht unbedingt auf die Kontaktdaten des Handybesitzers zugreifen.

Doch dieser Fortschritt wird ein wenig konterkariert, weil unter Android M App-Daten gro&szlig-z&uuml-gig auf Google-Servern gespeichert werden. So mancher Entwickler hat sich deshalb gefragt, ob er in seine App unter Android M nicht einfach eine Routine integriert, mit der der Nutzer die Speicherung seiner Daten auf Google-Servern verbieten kann. „Das w&auml-re so eine Art Opt-Out-L&ouml-sung“, erkl&auml-rt der in D&uuml-sseldorf ans&auml-ssige Android-Spezialist Marius Mailat.

Microsoft bietet Clouddienste f&uuml-r Android-Entwickler an

In der Google-Zentrale ist man von solchen &Uuml-berlegungen nicht erbaut. Und Google-Manager haben auch schon auf diversen Entwicklerkonferenzen darauf hingewiesen, dass sie von solchen Pl&auml-nen nichts halten. „Wer f&uuml-r seine Apps auf Google Services angewiesen ist und sie &uuml-ber Google Play verkaufen will, wird eine solche Option nicht in seine Apps aufnehmen“, erkl&auml-rt ein App-Entwickler, der seinen Namen nicht genannt haben m&ouml-chte – mit der Begr&uuml-ndung, dass er keinen Stress mit Google wolle.

Boris Jebsen, Mitorganisator der Berliner Droidcon, l&auml-sst solche Argumente nicht ohne weiteres gelten. „Man ist als Android-Entwickler nicht darauf angewiesen, Google Services in Anspruch zu nehmen“, sagt Jebsen. So bietet etwa Microsoft Clouddienste f&uuml-r Android-Entwickler an. Amazon unterh&auml-lt einen App Store, &uuml-ber den der Vertrieb unabh&auml-ngig von Google organisiert werden kann. Und auch Sony oder Intel bieten eine ganze Palette an Dienstleistungen und Unterst&uuml-tzungen f&uuml-r unabh&auml-ngige Entwickler.

Mobile Betriebssystem soll das Autoradio und andere Unterhaltungssysteme steuern

Gleichwohl stehen die Google Services f&uuml-r die meisten Entwickler noch immer im Mittelpunkt. Wesentlichen Schub erh&auml-lt die Diskussion durch den zunehmenden Einsatz von Android im Auto. Dort soll das mobile Betriebssystem das Autoradio und andere Unterhaltungssysteme steuern, das Navigationssystem betreiben und Fahrzeugdaten sammeln.

An solchen Fahrzeugdaten, vom Brems- und Beschleunigungsverhalten &uuml-ber Fahrzeiten und -ziele bis hin zur bevorzugten Musikrichtung der Fahrzeuginsassen, sind viele interessiert. In erster Linie nat&uuml-rlich Google, weil &uuml-ber Android im Auto auch hervorragende Zugriffsm&ouml-glichkeiten auf diese Daten bestehen.

Automobilhersteller haben Mitspracherecht

Werden dem Fahrer hier Wahlm&ouml-glichkeiten in den unterschiedlichen Auto-Apps gew&auml-hrt, welche Daten Android im Auto nach Hause funken darf, also auf Google-Server ablegen kann, w&auml-re eine heftige Einschr&auml-nkung dieses Gesch&auml-ftsmodells die Folge. Das will Google verhindern. Ein gewichtiges Mitspracherecht haben da freilich die Automobilhersteller. Doch obschon f&uuml-r mehr als 30 Automarken Android M als Betriebssystem bereits angek&uuml-ndigt ist, haben sich die Automobilbauer noch nicht dazu ge&auml-u&szlig-ert, wie sie es mit Open Source und der Herrschaft &uuml-ber die Daten halten wollen.

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Wie sich die Automobilhersteller hier positionieren, wird nach Meinung von Marktbeobachtern davon abh&auml-ngen, wie die Datenschutzdebatte in den n&auml-chsten Monaten in Europa verlaufen wird. Die Autobauer haben kein Interesse daran, Google das Gesch&auml-ft mit den Fahrzeugdaten zu &uuml-berlassen. Dass sie sich aber deshalb auf die Seite der unabh&auml-ngigen Entwickler schlagen werden, ist auch nicht entschieden.