Finanzen

Neue Geschäftsfelder: Vermögensverwalter fürchten Konkurrenz durch Google

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Fondsgesellschaften sorgen sich. Internetriesen könnten bald ins Vermögensverwaltungsgeschäft einsteigen. Alibaba gilt als Vorreiter.

Vier von f&uuml-nf Verm&ouml-gensverwaltern f&uuml-rchten, dass sie k&uuml-nftig nicht nur untereinander im Wettbewerb stehen, sondern es auch mit neuen Marktteilnehmern zu tun bekommen. Vor allem Internetriesen wie Apple, Google und Alibaba sehen die Verm&ouml-gensverwalter als k&uuml-nftige Konkurrenten, wie der Bankdienstleister State Street nun in einer weltweiten Umfrage herausgefunden hat, die dieser Zeitung exklusiv vorliegt.

Als abschreckendes Beispiel f&uuml-r die Branche gilt der chinesische Online-Konzern Alibaba, der schon im vorvergangenen Jahr vorgeprescht ist und einen Geldmarktfonds namens Yu’e Bao aufgelegt hat. Ende 2014 verwaltete der Fonds ein Verm&ouml-gen von 93 Milliarden Dollar und sprang damit kurzerhand unter die f&uuml-nf gr&ouml-&szlig-ten Geldmarktfonds der Welt. Der schnelle Zuwachs an Anlegern und Verm&ouml-gen ist nicht zuletzt dadurch erkl&auml-rbar, dass Yu’e Bao sechs Prozent Zinsen zahlt und damit etwa das Doppelte dessen, was chinesische Bankkonten maximal einbringen.

Sie kennen die Kunden

Apple erregte vor wenigen Wochen Aufsehen, als sich das Unternehmen auf dem viert&auml-gigen Fund Forum International in Monaco pr&auml-sentierte. In der Branche wurde daraus der Schluss gezogen, dass sich der amerikanische Konzern in die Thematik Kapitalanlage einarbeitet.

79 Prozent der von State Street befragten 400 Verm&ouml-gensverwalter aus 23 L&auml-ndern gehen davon aus, k&uuml-nftig auch mit Marktteilnehmern wie Google und Apple im Wettbewerb zu stehen. „Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Technologie-Unternehmen wie Apple k&uuml-nftig ein hohes Interesse an der Verm&ouml-gensverwaltung haben wird – genauso wie es heute hei&szlig-t, dass Technologie-Unternehmen Autos bauen wollen“, sagt J&ouml-rg Ambrosius, Deutschland-Chef von State Street. Zumal sich mit dem Verwalten von Verm&ouml-gen nach einer k&uuml-rzlich vorgestellten Studie der Boston Consulting Group wieder &auml-hnlich gutes Geld verdienen l&auml-sst wie vor der Finanzkrise – und weit mehr als in den meisten anderen Wirtschaftszweigen.

Vor allem die Datenmengen, &uuml-ber die die m&ouml-glichen neuen Konkurrenten verf&uuml-gen, k&ouml-nnten ihnen Vorteile gegen&uuml-ber den klassischen Verm&ouml-gensverwaltern bringen. „Sie sind nah am Kunden“, sagt Ambrosius. Viele Informationen, die der Berater der Verm&ouml-gensverwaltung erst m&uuml-hsam erfragen muss und die der Kunde vielleicht gar nicht &uuml-ber sich preisgeben will, k&ouml-nnen Apple und andere Konzerne einfach aus dessen Nutzerprofil und -verhalten ablesen. „Sie haben viele und detaillierte Informationen &uuml-ber Konsumenten. Diese k&ouml-nnen ihnen auch dabei helfen, au&szlig-erhalb ihres angestammten Bereiches erfolgreich zu sein.“ Und warum, fragt Ambrosius, sollte „ein Anbieter wie Amazon nicht auch Fonds verkaufen“?

Mehr Vertrauen in Computer als Menschen

Nicht nur auf der Vertriebsseite droht den Verm&ouml-gensverwaltern neue Konkurrenz. Auch Softwareanbieter f&uuml-r Finanztechnologien mischen schon jetzt mit. Manche bieten Algorithmen zur Strukturierung des Portfolios, und Social-Trading-Plattformen erm&ouml-glichen es Anlegern, das Verhalten von H&auml-ndlern eigenst&auml-ndig nachzubilden. Die Entwicklung werde dadurch beg&uuml-nstigt, dass gerade j&uuml-ngere Leute lieber auf einer Computerplattform arbeiten, als sich mit einem Berater auseinanderzusetzen. „Die Erwartungshaltung im Markt ist, dass innerhalb der n&auml-chsten f&uuml-nf Jahre deutliche Verschiebungen stattfinden k&ouml-nnen“, sagt Ambrosius. So erwarten fast alle von State Street Befragten eine Konsolidierung im Markt. 46 Prozent gaben sogar an, gerade konkrete Ziele f&uuml-r eine Akquisition im Blick zu haben.

Dabei geht es nach Angaben von Ambrosius sowohl um den Zusammenschluss gleich gro&szlig-er Unternehmen zu einem gr&ouml-&szlig-eren Spieler wie auch um die &Uuml-bernahme kleiner Einheiten durch die gr&ouml-&szlig-ten Verm&ouml-gensverwalter. „Am Ende werden sich in der Verm&ouml-gensverwaltung auf der einen Seite die Gro&szlig-en durchsetzen, weil sie eine gro&szlig-e Produktpalette anbieten k&ouml-nnen. Auf der anderen Seite werden die Nischenanbieter stehen, die sich auf spezialisierte und margenstarke Produkte konzentrieren.“ Gerade bei passiven Anlageprodukten wie ETF sei eine kritische Gr&ouml-&szlig-e wichtig, um Skaleneffekte erzielen zu k&ouml-nnen.

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Dass die Kauflaune unter den Verm&ouml-gensverwaltern gegen&uuml-ber der Befragung des Vorjahres deutlich gestiegen ist, f&uuml-hrt Ambrosius auf den allgegenw&auml-rtigen Optimismus in der Branche zur&uuml-ck. Denn trotz der vielf&auml-ltigen Herausforderungen zeigen sich die befragten Anbieter wieder zuversichtlich, was ihr Gesch&auml-ft betrifft. 88 Prozent sahen zum Zeitpunkt der Befragung im April und Mai Wachstumschancen in den kommenden zw&ouml-lf Monaten.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass die einzelnen Investoren in Zeiten niedriger Zinsen ihre Anlagevolumina erh&ouml-hen. So m&uuml-ssen etwa Unternehmen wegen der niedrigen Ertr&auml-ge bei den Betriebsrenten nachschie&szlig-en, um die einmal zugesagten Summen auszahlen zu k&ouml-nnen. Aber auch bei vielen Privatanlegern habe sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass sie dem Verm&ouml-gensverwalter bei dem niedrigen Zinsniveau mehr Geld &uuml-berlassen m&uuml-ssen, wenn sie die gleichen Ertr&auml-ge erzielen wollen.