
Kaum ist ein neues Smartphone da, kommt der Nachfolger. Wer gleich die Kreditkarte zückt, sollte erst einmal prüfen, ob dieser so viel mehr kann. Wir haben uns exemplarisch das Sony Xperia Z3+ und LG G4 angeschaut.
Es ist an der Zeit, innezuhalten und sich den Smartphone-Fluss in Ruhe anzuschauen. Auch wenn die Hersteller alles dafü-r tun, dass es nicht so weit kommt. Seit Jahren fluten Apple, Sony, Samsung, LG, Huawei und HTC, um nur einige zu nennen, in immer kü-rzeren Abstä-nden den Markt mit neuen Modellen. Eine Folge dieses Angebot-und-Nachfrage-Spiels sind zwei wenig innovative Modell-Kategorien. Einerseits bringen Hersteller mit der Facelift-Strategie neue Modelle auf den Markt, um im Takt und Gesprä-ch zu bleiben, ohne etwas wirklich Neues vorweisen zu kö-nnen. Das neue Sony Xperia Z3+ ist dafü-r ein schö-nes Beispiel. Die Japaner deuten es fairerweise durch das „Plus“ im Namen an.
Andererseits fahren Unternehmen wie LG die Weltneuheit-Strategie. Ein Jahr haben sie sich fü-r ihr neues Flaggschiff Zeit gelassen, um ein G4 zu prä-sentieren, dessen auffä-lligste Ä-nderung ein Rü-cken aus Leder ist. Ein Smartphone aus Rindsleder. Weil die Koreaner wohl selbst daran zweifeln, ob ihre Idee so tierisch gut ist, bieten sie alternativ das G4 auch mit Plastikrü-cken an. Also doch ein „G3+“? Nun bedeutet fehlende Innovation nicht unbedingt mangelnde Attraktivitä-t. Im Gegenteil: Wer seine Top-Modellreihe pflegt, behutsam weiterentwickelt, Schwä-chen tilgt und Stä-rken ausbaut, schafft ein nachhaltiges und qualitativ hochwertiges Produkt. Weil die Entwickler ihr Gerä-t samt Eigenschaften seit Jahren kennen, bleiben fü-r den Kä-ufer bö-se Ü-berraschungen in der Regel aus.
Die Kameras des Sony Xperia Z3+ und LG G4 im Vergleich. An diesem regnerischen Tag machte das LG (rechts) das gefälligere FotoBilderstrecke
Der Sony-Frequenzgang macht geradezu nervö-s: Das Z1 kam im September 2013 auf der IFA zur Welt, zum Mobile World Congress im Mä-rz 2014 brachte Sony das Z2 mit, um es schon im Herbst des gleichen Jahres mit dem Z3 abzulö-sen. Das hier getestete Z3+ prä-sentierte Sony vor wenigen Wochen. Und was wird auf der diesjä-hrigen IFA kommen? Genau, das Z4. Das vermuten wir jedenfalls. Jetzt erst einmal zum aktuellen Z3+: Nach dem Auspacken und Einschalten fielen uns zwei Details auf, die verbessert wurden und zeigen, dass ein Facelift durchaus funktional sein kann.
Bisher nervte bei der Z-Reihe immer das Einlegen der Nano-Sim- und Micro-SD-Karte. Es war eine fummelige Angelegenheit, weil beide Einschü-be nebeneinander angeordnet waren. Beim Z3+ zieht man nun eine Mini-Schublade heraus, in der zwei gut gekennzeichnete Platzhalter eingelassen sind. Ä-hnlich verhä-lt es sich mit den Abdeckungen. Weil seit dem ersten Z1 die Gerä-te staub- und wassergeschü-tzt sind, werden alle Anschlü-sse mit einem Deckelchen verschlossen. Das sah nicht schö-n aus und nervte, etwa beim Aufladen. Beim neusten Modell ist nur noch der doppelte Kartenslot entsprechend versiegelt. Die Mini-USB-Buchse liegt jetzt frei und trotzdem geschü-tzt.
Das abermals verfeinerte Design ist schnell beschrieben: zeitlos, ausgewogen, souverä-n. Das Gehä-use aus Glas und Aluminium wirkt hochwertig. In Zeiten der Phablets kommt einem das Z3+ mit dem 5,2-Zoll-Bildschirm fast niedlich vor. Mit einer Dicke von 6,9 Millimetern und 144 Gramm Gewicht liegt es gut in der Hand. Der neue Qualcomm-Prozessor Snapdragon 810 ist noch schneller, der ä-ltere 801 im Z3 war aber auch schon flott. Da freut man sich eher ü-ber die nunmehr 32 Gigabyte internen Speicher. Neben Aufwertungen im Design, Prozessor und Speicherplatz hat Sony auch ein bisschen an der Frontkamera gedreht. Mit 5 Megapixel Auflö-sung und 25 Millimeter Weitwinkel dü-rften Gruppenselfies gelingen.
