
An diesem Dienstag beginnt die Fashion Week in Berlin. Dort arbeiten immer mehr Designer als Duo. Das hat Vorteile in der komplizierten Welt der Mode.
Oft ist es Zufall. Oder hat sich einfach ergeben. Vielleicht ist es so ä-hnlich wie in der Liebe. Oder wie in der Musik. Warum finden Menschen sich? Warum heiraten sie? Warum gab es Cindy &- Bert? Simon &- Garfunkel? Oder eben Dolce &- Gabbana? Zufall oder Fü-gung?
Johanna Perret und Tutia Schaad kannten sich aus dem Studium, flü-chtig. Dann ging Tutia fü-r ein Praktikum zum Modehaus Givenchy nach Paris. Als es vor den Schauen hektisch wurde und sie Hilfe brauchte, rief sie mehrere Kommilitonen aus ihrer Hochschule Berlin-Weiß-ensee an – keine hatte Zeit. „Frag doch mal Johanna“, empfahl ihr eine Freundin. Johanna konnte, kam nach Paris und von da an war klar: Das passt! Im Januar 2009 machten sie Diplom, kein Jahr spä-ter prä-sentierten sie als Perret Schaad eine gemeinsame Kollektion auf der Berliner Modewoche. Heute gehö-ren sie zu dem Besten, was die Berliner Mode zu bieten hat.
Johanna Perret und Tutia Schaad sind Perret Schaad
Im Doppelpack ist en vogue
Was Johanna und Tutia gemacht haben, ist kein Einzelfall. Zu den erfolgreichen Labels in Berlin, die sich in der kommenden Woche auf der Fashion Week zeigen, gehö-ren einige Designer-Duos, unter anderen Kaviar Gauche und Augustin Teboul. In Mü-nchen residieren Talbot &- Runhof, die ihre Kollektion in Paris zeigen, in New York die deutsch-amerikanische Formation Mansur Gavriel, die mit ihren Taschen fü-r Aufsehen gesorgt haben. Ü-berall, in Paris, Mailand und London, gibt es Modemarken, die von zwei kreativen Kö-pfen gefü-hrt werden.
Das war mal anders: Frü-her, als es noch festzementierte Looks und Trends gab, denen alle Frauen auf der Welt folgten, war ein Designer noch ein Modeschö-pfer, manchmal sogar ein Genie, der im Elfenbeinturm saß-, die Frau neu erfand und bei aufwendigen und exklusiven Defilees die Honneurs entgegennahm wie ein Regisseur nach der Premiere eines Theaterstü-cks. Das Bild des Designers hat sich verä-ndert, seit die Mode ein globales Business ist, bei groß-en Modemarken Manager den Kurs bestimmen und nichts mehr dem Zufall, geschweige denn einzig und allein der Kreativitä-t eines Modeschö-pfers ü-berlassen wird.
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Die Anforderungen sind heute hö-her, eine Marke kann nur noch erfolgreich sein, wenn sie mehr als zwei Kollektionen im Jahr herausbringt, wenn die Kunden permanent mit frischen, neuen Entwü-rfen gefü-ttert werden, das Marketing, der Vertrieb und die Verkaufsstrategie stimmen. „Das Geschä-ft ist heute so komplex, du musst dich mit jemandem austauschen, um dem Ganzen zu begegnen“, sagt Jö-rg Ehrlich, der zusammen mit Otto Drö-gsler 2008 das Label Odeeh gegrü-ndet hat.
Jörg Ehrlich und Otto Drögsler sind Odeeh.
Als sich die beiden vor mehr als 20 Jahren bei der Mü-nchner Modemarke Escada kennenlernten und ein Paar wurden, wussten sie noch nicht, welche Vorteile es hat, zu zweit die Verantwortung zu tragen. Anfangs arbeiteten sie nur fü-r einzelne Projekte zusammen. Bei der frä-nkischen Modemarke René- Lezard fingen sie schließ-lich als Duo an. „Es gab eine lange Probezeit, bis wir unser eigenes Label gemacht haben“, sagt Ehrlich heute. In dieser Zeit merkten sie, „welche Stä-rken und Schwä-chen der andere hat“. Drö-gsler ist der Entwerfer im Team, der die Zeichnungen macht und ein bisschen wie ein Kü-nstler an die Kollektion herangeht. Ehrlich denkt eher konzeptionell, kalkuliert und ist der Kommunikator, den es braucht, um die Kollektionen zu verkaufen. Sie ergä-nzen sich perfekt. Am Ende aber entscheiden sie alles gemeinsam.
Dolce &- Gabbana als Pionier-Paar
Das erste Designer-Duo, das international fü-r Furore sorgte, war Dolce &- Gabbana. Die beiden lernten sich als Assistenten kennen: Domenico Dolce, der Sizilianer, und Stefano Gabbana, der Norditaliener. Schon ein Jahr danach begann die Verschmelzung zu dem legendä-ren Label, das 1985 seine erste Kollektion auf den Markt brachte. Offiziell, erzä-hlten die beiden vor einigen Jahren im Interview mit dieser Zeitung, gebe es keine Aufgabenteilung, nur unterschiedliche Temperamente. Dolce gilt als Perfektionist, der das Handwerk bis ins Detail kennt, Gabbana ist fü-r das theatralische Moment in den Kollektionen zustä-ndig und kü-mmert sich um die Ö-ffentlichkeitsarbeit, wä-hrend Dolce sich lieber im Hintergrund hä-lt. Gabbana ist organisiert, Dolce macht ungern Plä-ne. Und doch macht jeder auch irgendwie alles: Entwerfen, Skizzieren, Kalkulieren.
