
ETF-Anbieter versuchen, die Risiken an den Rentenmärkten zu verringern. Doch dabei soll die Rendite nicht leiden. Wie wollen sie das schaffen?
Bö-rsennotierte Indexfonds zä-hlen zu den erfolgreichsten Erfindungen der jü-ngeren Finanzgeschichte. Statt einem Fondsmanager sein Geld anzuvertrauen, auf dass er stets die richtige Anlageentscheidung fä-lle, stecken die Anleger ihr Geld in diese passiven Fonds, die einfach einem Index folgen – und damit in vielen Fä-llen ebenso viel oder sogar mehr Rendite abwerfen.
Seit 15 Jahren kö-nnen deutsche Privatanleger ihr Geld ü-ber solche Exchange Traded Funds (ETF) in verschiedensten Aktienmä-rkten anlegen, noch nicht allzu lang kö-nnen sie auf diese Weise auch in Anleihemä-rkte investieren.
Auch dieses Segment erfreut sich wachsender Beliebtheit. Laut Thomas Fekete, der die Entwicklung von ETF-Produkten in Europa fü-r die Blackrock-Tochtergesellschaft iShares leitet, sind im vergangenen Jahr global 84,5 Milliarden Dollar neu in Anleihe-ETF geflossen – so viel wie nie zuvor innerhalb eines Kalenderjahres.
Weiterentwicklung der Renten-ETF
In den Vereinigten Staaten hä-tten die Anleihen-Indexfonds in dem Jahr sogar mehr Anlegergelder eingesammelt als aktiv gemanagte Fonds. „Das niedrige Zinsniveau in vielen Regionen der Welt macht die gü-nstigen Kosten von Renten-ETF noch attraktiver“, sagt Fekete.
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Doch das einfache Replizieren von Indizes hat gerade bei Rentenprodukten auch Nachteile. Denn etwa in den groß-en Staatsanleihen-Indizes haben die Lä-nder, die besonders viel Geld an den Kapitalmä-rkten aufgenommen haben, ein besonders groß-es Gewicht. „Wollen Sie ausgerechnet in den Staat besonders viel Geld investieren, der besonders hohe Schulden hat?“, fragt Fekete rhetorisch. Stä-rker noch als am Aktienmarkt zä-hlt neben der Rendite eines Papiers bei Anleihen schließ-lich auch das Ausfallrisiko der einzelnen Werte.
Die groß-en Entwickler von Indexfonds arbeiten deshalb derzeit an der Weiterentwicklung der Renten-ETF und sind auf der Suche nach dem Smart Beta. Im Aktiensegment haben sich solche Strategien schon durchgesetzt. Mit Begriffen wie Smart Beta, Strategic oder Factor bezeichnen die Macher Indexfonds, die sie gegenü-ber dem ursprü-nglichen Index leicht verä-ndern.
Weniger Risiken, gleich viel Rendite
Die meisten Indizes gewichten die einzelnen enthaltenen Werte schlicht nach der Marktkapitalisierung. Fü-r den Dax etwa spielt die Entwicklung des Schwergewichts Bayer eine grö-ß-ere Rolle als die der Lufthansa. Anleger, die ü-ber einen ETF in solche Indizes investieren, gewichten auf die gleiche Weise, was dann dazu fü-hren kann, dass sie ausgerechnet die Konzerne ü-bergewichten, die ihre besten Jahre schon hinter sich haben und keine groß-en Wertsteigerungen mehr versprechen.
Smart-Beta-Varianten gewichten nach anderen Faktoren als der Marktkapitalisierung, wie zum Beispiel eine geringe Kursvolatilitä-t in der Vergangenheit. Auf diese Weise sollen entweder die Renditechancen oder die Auswahl an unterschiedlichen Strategien steigen.
Bei Anleihe-ETF wä-re das Ziel von Smart Beta weniger die Rendite-Maximierung, sondern vielmehr die Risiken zu minimieren und dabei auf mö-glichst wenig Rendite verzichten zu mü-ssen, sagt Martin Weithofer, der bei der Deutschen Asset &- Wealth Management fü-r Smart-Beta-Produkte zustä-ndig ist.
Relative Attraktivitä-t
Auch beim Vermö-gensverwalter der Deutschen Bank versucht man, das Geld der Kunden mit Smart-Beta-Varianten nicht eben in die am hö-chsten verschuldeten Staaten zu stecken. Und Weithofer verweist noch auf eine weitere Schwierigkeit bei Investitionen in Anleihemä-rkte: einige wenige Staaten stellen den Groß-teil des Marktvolumens.
Ihm zufolge kommen am globalen Anleihemarkt gut die Hä-lfte der verfü-gbaren Anleihen aus den Vereinigten Staaten und Japan. Gut 90 Prozent des Marktes seien Anleihen von nur 13 Staaten. Anleger, die ihr Geld nach dem Volumen im Markt gewichtet anlegen, laufen also Gefahr, groß-e Klumpenrisiken einzugehen.
Mit institutionellen Kunden wie Versicherern und Versorgungswerken probieren die Deutschbanker schon seit einiger Zeit solche Strategien. Fü-r Privatanleger sollen im Herbst erste Produkte auf den Markt kommen. Laut Weithofer reichen die Faktoren, die die Spezialisten zur Gewichtung der einzelnen Staaten in Betracht ziehen, von der jeweiligen Inflationsrate ü-ber die Arbeitslosenquote bis hin zu den Fremdwä-hrungsreserven. Aus all diesen Kriterien wird dann regelmä-ß-ig die relative Attraktivitä-t der einzelnen Staaten untereinander berechnet, nach der dann ihr Anteil in den Smart-Beta-Produkten gewichtet wird.
Produkte fü-r den deutschen Markt
Der vergleichsweise kleine Schweizer Anbieter Lombard Odier hat schon im April einen Renten-ETF aufgesetzt, der einen alternativen Ansatz zu der Gewichtung nach Marktvolumen sucht und dabei versucht, anhand von Fundamentaldaten die Kreditwü-rdigkeit der Schuldner zu bewerten und diejenigen Kreditnehmer zu identifizieren, die ihre Schulden mit hö-herer Wahrscheinlichkeit zurü-ckzahlen kö-nnen.
Der Index berü-cksichtigt Wirtschafsdaten wie den aktuellen Verschuldungsgrad, die Hö-he der Steuereinnahmen sowie soziale und politische Stabilitä-t. Darü-ber hinaus ist die Gewichtung der Einzelbestandteile des Index nicht statisch, sondern wird laut der Eigenwerbung der Schweizer monatlich angepasst.
Ob es sich bei solchen ausgeklü-gelten Produkten, die regelmä-ß-ig an verschiedene Faktoren angepasst werden, noch um passive Fonds handelt, darü-ber lä-sst sich streiten. „Anleihe-ETF mit Smart-Beta-Ansä-tzen ermö-glichen es, Marktineffizienzen auf regelbasierte und transparente Weise zu nutzen“, sagt iShares-Entwickler Fekete. Auch der Marktfü-hrer will in den nä-chsten Monaten erste Produkte fü-r Privatanleger auf den deutschen Markt bringen.
