
Im Frühjahr starb eine Frau im Bundesstaat Washington an Masern, bekannt wurde der Fall erst jetzt. Sie ist die erste Maserntote seit 2003 in Amerika. Seit mehreren Monaten grassiert der Virus wieder in dem Land. Masern zählen zu den ansteckendsten Krankheiten der Welt.
Erstmals seit 2003 hat es in den Vereinigten Staaten wieder einen Todesfall wegen Masern gegeben. Nach Angaben der Gesundheitsbehö-rden in Olympia im Bundesstaat Washington starb eine Frau schon im Frü-hjahr an einer durch das Masernvirus hervorgerufenen Lungenentzü-ndung. Da die Frau aus dem eher lä-ndlichen Clallam County im Nordwesten Washingtons keine typischen Symptome wie einen Hautausschlag entwickelt hatte, konnte erst jetzt nach einer Obduktion die Infektion nachgewiesen werden.
In Clallam County hatte es im Frü-hjahr einen Masernausbruch gegeben. Die Frau soll damals Kontakt zu einem Masernpatienten gehabt haben, als sie wegen anderer gesundheitlicher Probleme in einem Krankenhaus behandelt wurde. Unter anderem habe sie Medikamente eingenommen, die ihr Immunsystem geschwä-cht hä-tten, teilten die Behö-rden mit. Weitere Angaben zur Person oder ihren Erkrankungen wurden nicht gemacht, allerdings wies die Gesundheitsbehö-rde am Donnerstag darauf hin, dass eine Lungenentzü-ndung hä-ufig Folge einer Maserninfektion ist.
Seit mehreren Monaten grassieren in verschiedenen Regionen der Vereinigten Staaten Masern. Unter anderem in Disneyland in Anaheim in Kalifornien hatten sich im Dezember gleich 147 Personen mit dem Virus infiziert. Dabei galt das Land seit 2000 als masernfrei, nachdem es zwischen 1989 und 1991 einen letzten groß-en Ausbruch der hochinfektiö-sen Erkrankung mit 55 000 Fä-llen gegeben hatte, bei dem 123 Kinder gestorben waren. Seit 2000 hatte es in den Vereinigten Staaten nur etwa 30 bis 50 Masernerkrankungen im Jahr gegeben, seit 2010 war die Zahl bis auf 644 Fä-lle im vergangenen Jahr gestiegen. Die nationalen Gesundheitsbehö-rden der Vereinigten Staaten (CDC) gehen davon aus, dass auf 2000 Krankheitsfä-lle ein Todesfall kommt. Auch darum wurde erst in dieser Woche in Kalifornien eine Impfpflicht fü-r Schulkinder eingefü-hrt.
Masern gehö-ren zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schä-tzt, dass 2013 etwa 146 000 Kinder an Masern starben, das sind 400 Kinder am Tag, 16 in jeder Stunde. Durch Impfungen konnte die Zahl der Todesfä-lle zwischen 2000 und 2013 um 75 Prozent gesenkt werden. Die Impfungen haben somit nach Schä-tzungen der WHO insgesamt 15,6 Millionen Todesfä-lle verhindert. Alle Regionen der WHO haben sich zum Ziel gesetzt, die Masern spä-testens bis zum Jahr 2020 zu eliminieren. Die europä-ische WHO-Region hatte dieses Ziel bis 2015 angestrebt, wird jedoch die hierfü-r geforderten Kriterien in diesem Jahr sicher nicht erfü-llen.
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Auch Deutschland will mit seinem „Nationalen Aktionsplan 2015-2020“, der bei der vierten Impfkonferenz vor zwei Wochen in Berlin beschlossen wurde, Masern und Rö-teln bis 2020 eliminieren. Allein in der deutschen Hauptstadt hatten sich seit Oktober 1286 Menschen mit Masern infiziert, ein Kleinkind war im Februar an dem Virus gestorben. Zuletzt waren die Infektionszahlen des heftigsten Ausbruchs seit 15 Jahren zwar zurü-ckgegangen, doch kommen zurzeit wö-chentlich noch immer in Berlin mindestens zehn, in ganz Deutschland mehr als 30 neue Fä-lle hinzu.
