Leib & Seele

„Hacienda Villa“: Freie Liebe in Brooklyn

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„Hacienda Villa“ statt „Kommune 1“: In einer Wohngemeinschaft in New York dreht sich das Leben um Sex. Wer hier wohnt, den schockt nichts mehr.

Im Zimmer von Kenneth Play gibt es kaum Platz zum Herumlaufen. Nicht weil es so klein w&auml-re, sondern weil ein riesiges Bett fast die gesamte Fl&auml-che ausf&uuml-llt. Es ist eine Spielwiese, die zum Austoben einl&auml-dt, auch f&uuml-r weit mehr als zwei Personen. Wen die flauschigen Decken auf dem Bett zur Annahme verleiten, dass hier vor allem gekuschelt wird, den belehren die von oben herabh&auml-ngenden Stricke und die imposante Sammlung von Sexspielzeugen eines Besseren. Unter der Matratze versteckt sich ein etwas gruseliger Holzverschlag, der an einen Sarg erinnert. Wer einen Hang zu Rollenspielen und Fetischen hat, kann sich einsperren lassen.

Um sich selbst besser beobachten zu k&ouml-nnen, hat Play die Wand neben dem Bett mit Spiegeln gepflastert. „Das Zimmer ist f&uuml-r Sex konzipiert“, sagt er. Was nicht hei&szlig-t, dass er sich auf diesen einen Raum beschr&auml-nkt. Es kann vorkommen, dass Play nebenan in der Gemeinschaftsk&uuml-che Sex hat. Und sollte dann gerade einer seiner Mitbewohner vorbeikommen, st&ouml-rt ihn das herzlich wenig.

Vieles erinnert an Rainer Langhans und Uschi Obermaier

Play ist 33 Jahre alt und stammt aus Hongkong. Er ist muskul&ouml-s und hat kein Gramm Fett am K&ouml-rper, aber sein weiches Gesicht und sein freundlich-unschuldiges L&auml-cheln lassen ihn nicht unbedingt wie einen Sex-Gott daherkommen.

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Er ist der f&uuml-hrende Kopf einer nicht ganz allt&auml-glichen Wohngemeinschaft, die vor einem Jahr im New Yorker Stadtteil Brooklyn gegr&uuml-ndet worden ist. F&uuml-r die 15 Mitbewohner in dem dreist&ouml-ckigen Haus mit dem Namen „Hacienda Villa“ ist Sex der gemeinsame Nenner. Play beschreibt die Gemeinschaft als „sexpositiv“ und offen f&uuml-r Polyamorie. Hier ist es also akzeptiert, viel Sex zu haben und auch mehrere Beziehungen gleichzeitig: „Uns geht es darum, Sexualit&auml-t zu zelebrieren, ohne uns daf&uuml-r zu sch&auml-men.“

Das erinnert an die deutsche „Kommune 1“ aus der Zeit der Achtundsechziger-Bewegung mit Bewohnern wie Rainer Langhans und Uschi Obermaier, die freie Liebe propagierten. „Wer zweimal mit derselben pennt, geh&ouml-rt schon zum Establishment“ war damals das Motto, aber davon grenzt sich die WG in Brooklyn ab. Hier d&uuml-rfen die Sexpartner zwar auch zahlreich sein, aber sich gerne wiederholen.

35130744Die WG besteht in etwa zu gleichen Teilen aus Männern und Frauen, fast alle sind heterosexuell. Wenn einer von ihnen in der Küche Sex hat, stört das keinen.Bilderstrecke

Spielwiese f&uuml-r Sex-Feinschmecker

Play zum Beispiel hat nach eigenem Bekunden eine feste Freundin und eine zweite romantische Beziehung, au&szlig-erdem zwischen 30 und 40 andere Frauen, mit denen er regelm&auml-&szlig-ig schl&auml-ft. Rund 70 Prozent seiner Sexpartner kategorisiert er als „intime Freunde“, also mehr als nur One-Night-Stands. Er nennt sein Sexleben „episch“ – f&uuml-r manch anderen mag es sich strapazi&ouml-s anh&ouml-ren. „Meine Batterien laden sich sehr schnell wieder auf“, sagt er.

Das Haus macht alles andere als einen schmuddeligen Eindruck. Es ist frisch renoviert, die K&uuml-che hat Marmorplatten und ist makellos sauber, im Wohnzimmer stehen moderne Sofas. Auf den ersten Blick sieht es hier aus wie in vielen anderen schicken Wohnungen, aber einige Details geben den Charakter des Hauses dann doch preis. Zum Beispiel der mannshohe K&auml-fig aus Leder, der neben einem der Sofas von der Decke h&auml-ngt und in den sich Freunde von Bondage-Praktiken zw&auml-ngen lassen k&ouml-nnen. Oder der Projektor, mit dem man das Geschehen auf Plays Bett auf die Wohnzimmerwand &uuml-bertragen kann. Davon kann zum Beispiel bei Partys Gebrauch gemacht werden, die er im Haus veranstalten will.