Noch ist das Heim nicht smart und der Kühlschrank zum Wochenende leer. Apple hat neue Ideen für die Heimvernetzung. Diesmal könnte es klappen.
Bislang waren es vor allem schöne Ankündigungen, etwa von Miele, RWE oder der Telekom. Gebetsmühlenhaft wurde wiederholt, wie das vernetzte Haus zu denken sei. Dass sich Waschmaschine, Geschirrspüler und Backofen über das Internet miteinander verbinden und ihre Daten austauschen. Dass der Kühlschrank nach dem Schließen seiner Tür sofort die Einkaufsliste aktualisiert: Solche Ideen stehen zwar seit Ewigkeiten auf der Agenda der Hausgerätehersteller, aber es geht kaum einen Schritt voran.
Da verwendet die Lichtsteuerung andere Protokolle als die elektrisch ausfahrbare Markise. Jeder Hersteller kocht sein eigenes Süppchen, und bereits die Inbetriebnahme einer simplen elektronischen Überwachungskamera scheitert, weil die zugehörige App mit Push-Nachrichten im Falle eines Einbruchs nur ein älteres Smartphone-Betriebssystem unterstützt.
Elgato setzt mit seiner Eve-Reihe auf Apples neues Homekit
Nun soll es richtig losgehen. Ohne die Großen der Branche, sagt Apple, und gibt den Startschuss mit einem Konzept, das die unterschiedlichen Protokolle von Herstellern unter einen Hut bringen will. Auf der Entwicklerkonferenz WWDC, die in dieser Woche in San Francisco stattfand, wurde das nunmehr erweiterte Homekit präsentiert. Es soll eine Art Universalsprache für die Haushaltstechnik der Zukunft werden.
Der Anwender benötigt nur eine einzige App, um alles zu bedienen. Wer die Produkte aus Cupertino kennt, sieht sofort die Analogie zur Gesundheitszentrale Health: Auch sie bündelt Informationen aus allen nur denkbaren Quellen, vom Fitness-Tracker bis zur Bluetooth-Waage und kümmert sich um das Zusammenspiel.
Mit dem Homekit wird das vernetzte Heim als umfassendes System verstanden, für das Apple den Rahmen liefert. Entwickler können auf Bibliotheken zurückgreifen und zum Beispiel die Spracherkennung Siri in ihre Anwendungen integrieren, ohne dafür auch nur eine Zeile Code schreiben zu müssen.
Haus oder Wohnung werden als Ganzes erfasst, um zum Beispiel mit nur einem Kommando einen Befehl wie „Licht in allen Kinderzimmern ausschalten“ geben zu können. Räume lassen sich also in Gruppen bündeln, und es gibt einen „Überallraum“ als Container für Geräte, die keinem Zimmer zugeordnet sind.
Die Apple Watch steuert in Zukunft das Heim
Sensoren für Helligkeit und Temperatur können autonom Aktionen in Gang setzen, beispielsweise die Jalousien herunterlassen. Aber auch das iPhone kann als Sensor dienen, allein mit seiner Anwesenheit oder Abwesenheit lassen sich Aktionen auslösen, etwa: Verlässt der letzte aus der Familie mit seinem Smartphone das Haus, werden automatisch alle Fenster und das Garagentor geschlossen.
Um nicht jeden Vorgang an einen bestimmten Sensor zu binden, kann der Anwender Szenarien erstellen, die Action Sets heißen. Sie gruppieren Aktionen, lassen sich benennen – und mit Siri ansprechen. Zum Beispiel: „Wohnzimmer mit Kuschelatmosphäre“ für eine nur dezente Beleuchtung. Ferner gibt es Trigger für Aktionen, die eine Anfangs- und eine Endzeit haben und sich nach festen Mustern wiederholen sollen.
Einer der ersten Anbieter mit Homekit-kompatiblen Geräten ist das Münchner Unternehmen Elgato. Es teilte zur Entwicklerkonferenz mit, dass seine Eve genannten Sensoren nun in den Handel kommen. Eve Room soll Luftqualität, Temperatur und Feuchtigkeit in Innenräumen überwachen. Eve Weather dient, wie der Name unschwer erkennen lässt, als Wetterstation für außen.
Eve Energy informiert über den Stromverbrauch angeschlossener Geräte und kann diese ein- oder ausschalten. Schließlich werden unter dem Namen Door &- Window Sensoren angeboten, die erfassen, ob Türen und Fenster geöffnet oder geschlossen sind. Die einzelnen Produkte kosten zwischen 50 und 80 Euro, ferner ist ein Apple TV der dritten Generation als Schaltzentrale erforderlich.
Auch das vernetzte Lichtsystem Hue von Philips soll Homekit-kompatibel
Auch das vernetzte Lichtsystem Hue von Philips soll Homekit-kompatibel werden, kündigte der Hersteller an. Bislang werden die Hue-Lampen mit einer iPhone-App programmiert, das Update, auch für bestehende Produkte, kommt im Herbst. Anbieter wie Insteon planen Geräte-Hubs für Steckdosen, Lichtschalter, Dimmer und Thermostate- Ecobee ist ebenfalls mit vernetzten Thermostaten dabei.
Wenn das Homekit so läuft wie Health, springen die Anbieter schnell auf. Ein Apple-System verspricht mehr Erfolg und Langlebigkeit als die derzeitigen kleinteiligen Lösungen, die an einzelne Unternehmen oder Geräte gebunden sind und proprietäre Funkverfahren einsetzen. So gesehen, hat Apple gute Chancen, im Wettrennen zu den Schaltstellen des vernetzten Heims der neue Hausmeister zu werden.
