Immer mehr Sportler setzen auf Apps: Die digitale Selbstvermessung erfasst Geschwindigkeit und Laufdauer. Ein Unternehmen geht nun weiter: Nicht nur Laufband, sondern auch die Läufer werden damit gesteuert.
Seit sich immer öfter Fitness auf App reimt (oder auch umgekehrt), sind die Hersteller verschiedenster Sportgeräte emsig um Connectivity bemüht: Das Smartphone muss, koste es, was es wolle, an den Fahrradlenker. In den Jogger-Schuh muss ein Chip hinein, die Uhr am Handgelenk vermeldet ihre sämtlichen Erhebungen vom topographischen Profil bis zur zackigen Kurve der Herzfrequenz ihres Trägers an die Community, die der Hersteller im Irgendwo der Cloud aufgezogen hat.
Ein führendes Unternehmen der Fitnessbranche, der italienische Trainingsgeräte-Hersteller Technogym, drückt die Mode der digitalen Selbstvermessung und -dokumentation so aus: „Eine gemütliche Laufrunde im Park oder der Besuch im Fitness-Studio ohne das Smartphone oder ein Fitnessarmband dabei zu haben, ist für viele undenkbar.“ Auf neun Millionen allein in Deutschland schätzt Technogym die Zahl der Nutzer von „Wearables“. Die Italiener, bekannt für das elegante Styling ihrer Geräte und die konsequente Vermarktung dieses nicht eben billigen Chics als Gesundheitsvorsorge, haben früh auf Vernetzung gesetzt. „Wellness on the go“ war das Motto einer Kundenpflege, die unter der Marke Mywellness in der Cloud die von unterschiedlichen Apps erhobenen Daten genauso wie die des eigenen Aktivitätstrackers und der Trainigsgeräte in den Studios zusammenführte und sie für Smartphone, Tablet, PC oder Trainingsgeräte wieder verfügbar machte.
Der Vorteil für den im Studio Trainierenden: Überall auf der Welt findet er, Technogym-Geräte vorausgesetzt, eine auf ihn persönlich zugeschnittene Trainingsumgebung vor. Wenn man auf die Website von Mywellness geht, dann wird man davon begrüßt, dass da „Moves“ gezählt werden. Im Moment, wo dieses hier getippt wird, sind es schwindelerregende 17.888.048.338.
Über das iPad stellt man die Geschwindigkeit und Laufdauer ein.
„Das erste Musik-interaktive Laufband der Welt“
Nun rücken die Italiener dem Läufer mit einem Laufband und einer App zu Hause auf die Pelle. Myrun Technogym kostet knapp 3000 Euro und hat prompt einen Reddot Design Award abgeräumt. Es setzt momentan Besitz und Benutzung eines iPads voraus- eine Version der Mayrun-App für Android soll aber folgen. Der Tablet wird oben auf der Konsole des Laufbands, das binnen weniger Minuten, wie versichert wird, aufgebaut werden kann, befestigt und verbindet sich mit dessen Elektronik über Bluetooth. Myrun Technogym hat Sensoren, von denen die Geschwindigkeit des Laufs, die Schrittlänge und die Körperneigung erfasst werden.
Das wird zu einer Running Rate mit Werten zwischen 5 und 100 zusammengerechnet nach einem Algorithmus, der eigens für dieses Laufband von Technogym entwickelt wurde. Dabei wird die ideale Schrittfrequenz im Verhältnis zur Geschwindigkeit und unter Berücksichtigung des Körperschwerpunkts ermittelt, und der Läufer erhält in Echtzeit auf dem Tablet mit Grafiken und Zahlen Hinweise zu seinem Training. Ein kleiner Balken muss beispielsweise immer buchstäblich im grünen Bereich gehalten werden, dann trainiert man optimal. In Zahlen werden – bei angelegtem Brustgurt – die Herzfrequenz angezeigt, der Kalorienverbrauch, die Zahl der „Moves“, die Zeit, oder wie viel Prozent der Strecke man hinter sich hat. Das Einschalten des Laufbands und die Geschwindigkeitswahl erfolgen an der Konsole. Aber die Wahl, ob man eine bestimmte Zeit lang oder beispielsweise in Intervallen trainieren will, das ertatscht man auf dem iPad.
Dazu gibt es von dem auf Wunsch „Running Music“. Bei dieser Funktion ermittelt das Laufband den Laufrhythmus des Benutzers, und der Tablet schlägt eine dazu passende Musik vor und spielt sie ab. Erhöht der Läufer sein Lauftempo, wechselt Running Music zu einem Song mit entsprechend höherer Taktfrequenz. Technogym nennt dank dieser Errungenschaft Myrun „das erste Musik-interaktive Laufband der Welt“. Das 92 Kilogramm wiegende, für maximal 140 Kilogramm schwere Benutzer ausgelegte Myrun selbst ist im Betrieb bemerkenswert leise.
