Historische Parallelen: Das Geldexperiment des John Law

Published 02/06/2015 in Finanzen, Fonds & Mehr

Ein Lebemann, Glücksspieler und Finanzstratege: John Law hat vor 300 Jahren in Frankreich ein großes Papiergeldexperiment gestartet – und scheiterte verheerend. Eine Warnung für Mario Draghi? Nicht unbedingt.

Der großangelegte Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank gilt in Europa als beispiellos. Er hat aber eine interessante historische Parallele. Im Jahr 1715 kam Philipp von Orleans auf den Thron von Frankreich. Er erbte damit auch hohe Schulden, die seine Vorgänger aufgenommen hatten. Ebenso wie die heutigen Regierungen suchte er nach einem Weg, die hohen Zinslasten loszuwerden, ohne seine Schulden wirklich zu begleichen.

Damit schlug die Stunde des Schotten John Law, der damals in Paris lebte und seinen Lebensunterhalt durch Glücksspiel finanzierte. John Law war ein Lebemann, der in England den Ehemann einer seiner Geliebten im Duell getötet hatte und deswegen dort wegen Mordes gesucht wurde. Law war aber auch ein glänzender Mathematiker und Finanzstratege, der schon seit langem Pläne für eine Revolutionierung des Geldwesens hegte. Damals war Papiergeld noch weitgehend unbekannt, man bezahlte entweder mit Wechseln oder in Gold- und Silbermünzen. Angeregt durch das Finanzsystem der Bank von Amsterdam, hatte Law jedoch erkannt, dass auch einfache Papierzettel als Geld fungieren konnten. Es handelte sich dabei anfangs um einfache Quittungen für Goldeinlagen bei der Amsterdamer Bank, die jederzeit vorgelegt und wieder in Gold eingetauscht werden konnten. Entscheidend war also nicht etwa der Edelmetallgehalt des Geldes selbst, sondern nur das Vertrauen der Leute in seine Wertbeständigkeit.

Aktien fanden reißenden Absatz

In Schottland war Law mit dieser bahnbrechenden Erkenntnis auf taube Ohren gestoßen. Nun aber bot sich ihm in Frankreich die Gelegenheit, den Plan eines Papiergeldsystems in die Tat umzusetzen. Die Idee war so einfach wie genial: Der Staat solle seine Staatsschulden mit neu gedrucktem Papiergeld zurückkaufen und im Gegenzug garantieren, dass er das Papiergeld jederzeit zu einem festen Kurs in Gold zurücktauschen werde. Dazu brauchte man nicht einmal entsprechend große Goldvorräte, denn, so das Kalkül, wenn einmal Vertrauen geschaffen war, würden nur die wenigsten von der Umtauschoption Gebrauch machen. Schließlich war Papiergeld viel einfacher zu handhaben, zu lagern und zu transportieren als Münzen oder gar Goldbarren.

Anfangs funktionierte der Plan perfekt. John Law gründete 1716 mit Philipps Erlaubnis die Banque Générale, der das neue Papiergeld geradezu aus den Händen gerissen wurde. Im Gegenzug flossen dem Regenten reiche Münzeinnahmen zu, und er wurde einen Großteil seiner Schulden los. Dadurch ermutigt, ging Law noch einen Schritt weiter und verkaufte Aktien einer neu gegründeten Gesellschaft, der Mississippi-Kompanie. Diese sollte angebliche Goldvorkommen in den französischen Kolonien heben und bekam obendrein hoheitliche Rechte wie die Münzprägung, das Tabakmonopol und die Steuereintreibung übertragen.

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Kein Wunder, dass auch diese Aktien reißenden Absatz fanden. Ihr Kurs verzwanzigfachte sich binnen sechs Monaten von 500 Livres auf 10.000 Livres im Dezember 1719. Zusammen mit dem Papiergeld führte dies zu einem regelrechten Konsumrausch. Frühere Dienstmädchen liefen mit Perlen behangen durch Paris und zeigten damit ihren durch Spekulationsgeschäfte erworbenen Reichtum. Praktisch aus dem Nichts war also durch Laws Plan nicht nur die Staatsschuld getilgt, sondern auch noch die Wirtschaft angekurbelt worden. Er selbst war damals der reichste Mensch, der jemals gelebt hat. Doch das Ende nahte bereits.

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