Mode & Design

Traditionshaus Chanel: Bruno Pavlovsky im Interview

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Bruno Pavlovsky, Geschäftsführer der Modesparte beim französischen Traditionshaus Chanel, über den Sinn von Schauen im digitalen Zeitalter, die Größe von Flagship-Stores und das ganz besondere Geschäft mit dem Luxus.

Monsieur Pavlovsky, das war mal wieder eine riesige Operation.

Sagen wir doch lieber: Es war eine schöne Schau!

In einer Halle wie dem Grand Palais in Paris die Chanel-Kollektion für Herbst und Winter zu präsentieren: Das ist ja schön, aber da verschwindet die Mode ja fast.

Das sehen Sie falsch. Man muss es so sagen: Es war eine schöne Kollektion, und in einem solchen Ambiente kommt sie noch besser zur Geltung.

Dabei hat schon mal jemand behauptet, Modenschauen seien im digitalen Zeitalter überflüssig.

Das kann man wirklich nicht sagen. Mit einem solchen Auftritt erreichen wir jedermann – auch die Netzgemeinde.

Pret-à-Porter Modenschauen in Paris - Die großen Couturiers und Modedesigner zeigen ihre Frühjahr/Sommerkollektion 2009.Pret-à-Porter Modenschauen in Paris

Chanel-Schauen sind stark gewachsen in den letzten Jahren. Noch vor gut zehn Jahren war es recht eng unten im Carrousel du Louvre.

Ja. Die großen Schauen heute passen aber in die Zeit, wie Karl Lagerfeld sagt. Aber damit wir uns nicht missverstehen: Wir machen den ganzen Aufwand nicht um des Aufwands willen. Wir wollen die Kollektion ins rechte Licht setzen.

Wie viele Gäste waren denn da?

Wir hatten 2700 Sitzplätze. Mit allen, die an der Schau arbeiten, vom Set-Designer über die Sicherheitsleute bis zu den Models, waren etwa 3000 Menschen anwesend.

Ziemlich viele.

In Relation zur globalen Modegemeinde und zu unseren Anhängern in aller Welt sind es wenige.

Sie könnten ins Stade de France gehen!

Aber im Grand Palais kann sich Karls Vorstellungskraft wunderbar entfalten. Außerdem ist es zentral gelegen, nicht weit von unserer Zentrale entfernt – und es zeigt, was Paris bedeutet.

Die Größe der Veranstaltung zeigt auch, dass Chanel unter dem Chefdesigner Karl Lagerfeld und mit Ihnen als Geschäftsführer immens gewachsen ist. Sie geben keine Zahlen heraus. Aber die niedrigen einstelligen Milliardenumsätzen aus den Zeiten der Jahrtausendwende werden Sie mindestens verdoppelt oder gar verdreifacht haben.

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Dazu sage ich nichts. Nur so viel: Wir haben eine gute Entwicklung genommen.

Nennen Sie doch einfach ein paar Zahlen!

Entschuldigen Sie, die habe ich doch glatt wieder vergessen! Aber klar ist: Vor 15 Jahren erreichten wir vor allem Japan, Europa, die Vereinigten Staaten. Jetzt ist es ein weltumspannendes Geschäft. Heute kommen viele Schauengäste aus Korea, Australien, Südamerika, dem Mittleren Osten.

Im Chanel-Kosmos gibt es aber noch einen weißen Fleck auf der Landkarte: den schwarzen Kontinent. Nur in Südafrika gibt es einige Boutiquen.

Ja, aber daran arbeiten wir. Afrika, Indien, Lateinamerika – das kommt jetzt. Bevor wir ein Geschäft eröffnen, müssen wir aber sicher sein, dass wir dort auch eine Gemeinde haben. Es geht nicht darum, schnell zu sein, man muss in die Tiefe gehen, nicht nur Accessoires verkaufen, sondern auch Mode.

Mit Franchise-Partnern könnten Sie schneller fremde Märkte erschließen.

Das stimmt. Franchise-Partner haben wir nur in Indonesien und Saudi-Arabien, wo man auf Hilfe aus dem Land angewiesen ist, wenn man neue Geschäfte eröffnet. Alle anderen Läden betreiben wir selbst. Das dauert länger, aber es ist besser. Wir sind ja nicht in Eile. Das muss Schritt für Schritt gehen.

Prêt-à-porter-Schauen - Viele internationale und französische Modemacher stellen in Paris ihre Kollektionen für Herbst und Winter 2015/16 vor.Chanel-Chefdesigner Karl Lagerfeld dreht seine Runde im Grand Palais.

Gut, dass es noch weiße Flecken auf der Landkarte gibt. So haben Sie beim Umsatz noch Luft nach oben.

So denken wir nicht. Wir sind keine normale Firma. Wichtig ist, dass wir wissen, wohin wir wollen. Das macht unsere Stärke aus.

Die Chanel-Eigentümer, die Brüder Alain und Gérard Wertheimer, scheinen also sehr nett zu sein. Machen die beiden nicht Druck, dass Sie den Umsatz zum Beispiel in fünf Jahren verdoppeln?

Nein, so geht das nicht. Natürlich sind sie anspruchsvoll. Und natürlich gehen wir in die Richtung, die sie sich vorstellen.

Die Wertheimers sind sehr zurückhaltend. Mit der Presse reden sie nicht, und in der Schau sitzen sie in der fünften oder achten Reihe . . .