
Als erster französischer Präsident hat François Hollande Kuba besucht. Dabei kam es zu einem historischen Treffen – und auch wirtschaftlich könnte sich die Reise bereits ausgezahlt haben.
Frankreichs Staatspräsident François Hollande hat bei seinem ersten Besuch auf Kuba für den Dialog mit dem sozialistischen Karibikstaat plädiert. In Havanna unterstützte Hollande am Montag demonstrativ die kubanische Öffnungspolitik der vergangenen Jahre. Nach dem diplomatischen Neustart zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba solle es zudem zu einem Ende des amerikanischen Embargos kommen. Im Anschluss traf der Franzose seinen Kollegen Raúl Castro – zuvor durfte er auch Revolutionsführer Fidel Castro in dessen Haus besuchen.
Beide kamen am Nachmittag in Castros Residenz zusammen, bestätigte der Élysée-Palast in Paris. Das Gespräch dauerte mehr als eine Stunde. „Ich hatte einen Mann vor mir, der Geschichte geschrieben hat“, sagte Hollande im Anschluss zu französischen Journalisten. Der 88 Jahre alte Fidel Castro ist seit Jahren nur noch selten öffentlich zu sehen. 2006 übertrug er krankheitsbedingt die Regierungsgeschäfte an seinen fünf Jahre jüngeren Bruder Raúl.
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Zum Auftakt seines eintägigen Besuches hatte Hollande versichert, dass sich Frankreich für die gegenwärtige kubanische Öffnung sehr interessiere. Sein Land werde alles tun, um zum Ende der seit den 1960er-Jahren bestehenden amerikanischen Wirtschaftssanktionen beizutragen, sagte er während einer Rede in der Universität von Havanna. Hollandes Besuch ist der erste eines westlichen Staatschefs seit der im Dezember eingeleiteten amerikanischen Annäherung an Kuba – und es ist der erste Staatsbesuch eines französischen Präsidenten seit der Unabhängigkeit Kubas im Jahr 1898.
Hollande trifft Raúl und Fidel Castro in Kuba
Darf Total vor der Küste nach Öl bohren?
Er glaube, dass viele europäische Führungspersönlichkeiten seinem Beispiel folgen werden, sagte Hollande. „Ich finde es sehr wichtig, dass Europa dabei ist“, fügte er im Hinblick auf Kubas marktwirtschaftliche Reformen der vergangenen Jahre hinzu. Laut einem Medienbericht hat der französische Total-Konzern bereits die Erlaubnis erhalten, vor der kubanischen Küste nach Öl zu bohren. Eine entsprechende Vereinbarung soll am Montag unterzeichnet worden sein, berichtete das kubanische Staatsfernsehen.
Hollande will in Havanna auch für die Annäherung zwischen Kuba und der EU werben. Brüssel hatte im April 2014 Verhandlungen mit Havanna über ein Abkommen über einen politischen Dialog aufgenommen.
Bekannt wurde inzwischen auch, dass Papst Franziskus vom 19. bis 21. September auf Kuba sein wird. Vor einer Reise in die Vereinigten Staaten soll der Argentinier neben Havanna auch Holguín und Santiago de Cuba im Osten des Landes besuchen. Der Vatikan hatte den Besuch bereits Ende April angekündigt. Bei der Annäherung zwischen Havanna und Washington hatte der Papst eine wichtige Rolle als Vermittler gespielt. Beide Länder verhandeln derzeit über die Eröffnung regulärer Botschaften nach einer jahrzehntelangen Eiszeit.
