Mode & Design

Uniqlo-Chef Tadashi Yanai im Gespräch

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Japan ist groß in Mode. Das Volkstheater aus Nippon ist Teil der neuen Kollektion von Uniqlo. Damit will Konzernchef Yanai die Expansion weiter vorantreiben.

„Keine Angst, alles ist unter Kontrolle.“ Japans reichster Mann und Chef der Modekette Uniqlo entschuldigt sich binnen einer Stunde genau dreimal: Das erste Mal, dass er zu spät kam und fünf Minuten auf sich warten ließ, aber er war gerade in einem wichtigen Geschäftstermin. Das zweite Mal, dass er nur Japanisch spricht, obwohl sein Englisch wortgewandt und fließend ist. Das dritte Mal, als die Frage nach der Anzahl seiner Theaterbesuche im Raum stand. „Zweimal in meinem Leben habe ich ein komplettes Kabuki-Stück gesehen. Von vorn bis hinten, vom Anfang bis zum Ende. Zweimal. Mehr nicht. Entschuldigung. Aber das ist nun wirklich nicht gut.“ Er werde sich bessern.

Kein Wunder: Japans Volkstheater ist Teil der neuen Kollektion. Tadashi Yanai legt die Hände auf die Knie und beugt sich leicht nach vorn. Als er wieder aufblickt, schiebt er die Brille über den Nasenrücken, lässt sich auf das perlweiße Sofa fallen und lacht sein lautes Lachen. Sein kleiner Hofstaat löst sich wieder aus der plötzlichen Erstarrung. Sein Sekretär ist erleichtert, die Assistenten bekommen jetzt ein zaghaftes Lächeln auf die Lippen. Japans Textilkönig ist gut gelaunt. Er ging aus allen Krisen seines Landes als Gewinner hervor. Ein Selfmademan, der einst vom Dasein eines Angestellten in einem Konzern träumte und heute selbst einen Konzern hat.

Tadashi YanaiEr schaffte es, aus dem kleinen Laden seiner Eltern in der japanischen Provinz einen Weltkonzern zu machen: Tadashi Yanai.

Er sitzt in seinem Designstudio mitten in Paris. Rue de Rivoli, vierter Stock, schwere Türen, hohe Wände. Neben sich hat er Jay Sakamoto, den Vorstandsvorsitzenden des ersten Theaterhauses des Kaiserreiches. „Nur so eine Idee“, sagt Yanai. Sakamoto schweigt. Noch. Beide haben Großes im Gepäck: Die neueste Mode und alte Kultur- Stoffe, T-Shirts und bunt bedruckte Tücher mit traditionsreichen Mustern aus dem Land der aufgehenden Sonne. Sie werden einen Nachmittag lang von Globalisierung und Internationalisierung reden, von nationalen Eigenheiten und Identitäten, von Expansions- und Wachstumsplänen. Sakamoto spricht von Popkultur, Yanai vom Geschäft.

Nach England und Frankreich hat er nun Deutschland auf der Agenda – einen Markt, den er lange umging, jahrelang gezögert und dann seinen Auftritt detailliert geplant hatte. Vor ziemlich genau einem Jahr dann war er so weit. Er ging in der deutschen Hauptstadt an den Start: Berlin, Tauentzienstraße, gegenüber dem Kaufhaus des Westens. Beste Lage, großer Laden, gut gefüllte Regale bis hoch unters Dach. Das zahlt sich aus. Das Geschäft läuft. Nun will er mehr. In jeder großen deutschen Stadt soll das rot-weiße Uniqlo-Logo leuchten. Yanai pflegt nicht viele Worte- was zählt, sind Taten. Das hat ihn weit gebracht. Er lacht.

33763203Tadashi Yanai, der Schauspieler Ichikawa Ennosukue IV und der Direktor des Tokioter Shochiku-Kabuki Theaters Jay Sakamoto.

Vor ein paar Wochen wurde er 66 Jahre alt. Er hat alles erreicht und vieles geschafft, trägt eine Billiguhr am Handgelenk und hat in seinem Haus in Tokio zwei Gemälde von van Gogh an den Wänden hängen. Sein Handikap auf dem Golfplatz liegt bei 11. Jedes Wochenende übt er lange Bälle und kurze Putts. Im Garten hinter dem Haus hat er einen Übungsplatz für Abschläge. Er kann es sich leisten. Er hat aus dem kleinen Klamottenladen seiner Eltern im warmen Süden Japans einen Konzern mit Outlets von New York bis Schanghai, von Melbourne bis Paris gemacht. Jede Woche eröffnet er irgendwo in der Welt einen neuen Laden. Damit legte er schon eine rasante Entwicklung hin.