
An den Aktien- und Anleihemärkten geht es steil bergauf. Doch wie lange kann es so weitergehen? Warnungen vor einer Überhitzung an den Finanzmärkten bekommen inzwischen mehr Gehör.
Langsam wacht Amerika auf. Schon seit vielen Jahren warnen die Ökonomen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel vor Übertreibungen an Finanzmärkten und ihren Risiken für eine gedeihliche Entwicklung der Wirtschaft. Doch bislang sind die Warnungen aus der BIZ – die Bank der Zentralbanken und Denkfabrik zugleich ist – in den Vereinigten Staaten demonstrativ überhört worden. Allmählich scheinen die Argumente aus Basel auch in den Vereinigten Staaten gehört zu werden. Derweil demonstrieren immer neue Kursrekorde an Aktien- und Anleihemärkten in Europa die Dynamik von Finanzmärkten, die durch eine expansive Geldpolitik und die Aussicht auf eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums getrieben werden. Am deutschen Aktienmarkt erreichte nicht nur der 30 Werte umfassende Dax einen neuen historischen Höchststand. Auch der 100 Werte umfassende F.A.Z.-Index übertraf sein altes Hoch, das noch aus dem Jahre 2000 stammt.
Derweil sprach jenseits des Atlantiks Christine Lagarde, die Generaldirektorin des Internationalen Währungsfonds, Warnungen aus, die wie ein Echo früherer Äußerungen aus der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich klangen. „Finanzrisiken mögen in einigen Bereichen geringer geworden seien, aber sie sind in andere Bereiche abgewandert: Von Banken zu Nicht-Banken und von Industrienationen zu Schwellenländern“, sagte Lagarde in Washington.
Eine Gefahr gehe von der Aufwertung des Dollars aus, der im vergangen halben Jahr gegen die wichtigsten Währungen 12 Prozent an Wert gewonnen hat. Lagarde warnte: Länder mit hohen Schulden in Fremdwährung könnten durch solche Wechselkursveränderungen destabilisiert werden. Nach Angaben der Bank für Zahlungsausgleich haben Unternehmen aus Schwellenländern Verbindlichkeiten über zwei Billionen Dollar in ihren Bilanzen.
Lagardes besondere Sorge gilt Unternehmen, die in Schwellenländern eine große Rolle spielen. Sie sind dadurch charakterisiert, dass sie einerseits von den lange hohen Rohstoffpreisen profitiert und andererseits große Schulden in Dollar angehäuft haben. Sie leiden doppelt unter den gesunkenen Rohstoffpreisen und der Dollarstärke, die ihre Kredite verteuert. In echter Gefahr sind diese Konzerne, wenn sie das Währungsrisiko nicht abgesichert haben. Daher fürchtet Lagarde, dass weitere Sprünge des Dollars nach oben schwerwiegende Folgen haben könnten. Den möglichen Auslöser für einen weiteren Dollarsprung nach oben hat sie auch schon identifiziert: die Fed. Wenn die amerikanische Notenbank ihre Ankündigung wahr macht, die Leitzinsen zu erhöhen, könnte es „holprig“ werden, sagte Lagarde. Einen Vorgeschmack dieser Gefahren habe die Welt bekommen, als die Schwellenländer im Frühjahr 2013 große Kapitalabflüsse erlebten, weil die amerikanische Notenbank damals erwog, das Anleihekaufprogramm zurückzufahren.
