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Fondmanager-Gespräch: „Die Fed zögert, solange sie kann“

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Amerika war am Aktienmarkt bislang die bevorzugte Region. Fondsmanager Bernhard Langer jedoch hält die Vereinigten Staaten für überschätzt. Und glaubt auch dort nicht so schnell an Zinserhöhungen.

Während die Europäische Zentralbank (EZB) ihre ultralockere Geldpolitik durch Anleihekäufe verstärkt hat, rückt in den Vereinigten Staaten die erste Zinserhöhung nach der Finanzkrise näher. Die amerikanische Notenbank Fed hatte am Mittwochabend eine Zinsanhebung schon im Juni angedeutet. Zugleich reduzierte sie ihre Erwartungen für Wachstum und Inflation, womit das Tempo der geldpolitischen Straffung deutlich langsamer ausfallen dürfte. Der Anlagestratege des amerikanischen Vermögensverwalters Invesco, Bernhard Langer, sieht das gelassen: „Die Erholung der amerikanischen Wirtschaft wird überschätzt.“ Sollten mehrere Konjunkturdaten enttäuschen, werde die Notenbank sehr vorsichtig agieren. „Die Fed wird zögern, solange sie kann.“

Dass sich die europäischen Marktzinsen von den amerikanischen abkoppeln können, hat sich Langer zufolge schon längst gezeigt. Derzeit liegt die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen bei 1,9 Prozent und für die Bundesanleihe bei 0,18 Prozent. „Der zehnjährige Zins für europäische Staatsanleihen ist zu billig“, fügt er hinzu. Langer ist überzeugt, dass die wachsende Geldmenge in Europa für steigende Preise von Sachwerten sorgen werde.

Zu viel Optimismus für Amerika

Dazu zählen Aktien und Immobilien. „Die Aktienkurse müssen weiter steigen“, ist er sich sicher. Schon seit Jahresanfang korrigierten die Investoren ihre Erwartungen. „Die Prognosen in den Vereinigten Staaten waren zuvor zu optimistisch und in Europa zu pessimistisch.“ Das zeige sich auch an den vielen amerikanischen Unternehmen, die ihre Gewinnerwartungen hätten zurücknehmen müssen.

Das volkswirtschaftliche Umfeld hat sich nach seiner Beobachtung seit der Finanzkrise kaum verändert. Die Notenbanken sorgten mit ihrer Politik des billigen Geldes für üppige Liquidität an den Märkten. Allerdings kann er die Begründung der EZB für ihre Anleihekäufe nicht nachvollziehen: „Die Warnung vor der Deflationsgefahr ist absurd.“ Langer spricht von Propaganda. Das Risiko einer Spirale aus fallenden Preisen und sinkenden Investitionen sei in Europa nicht zu erkennen. Dass die Inflationsrate so niedrig liegt, führt Langer auf den stark gesunkenen Ölpreis zurück. In Deutschland stiegen die um Energie und Nahrungsmittel bereinigten Preise um rund 1 Prozent.

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Das Interesse an europäischen Aktien nimmt inzwischen auch in Asien zu. Das führt Langer auf die im Vergleich zu den Vereinigten Staaten bessere Kursentwicklung in Europa zurück. Es sei noch nicht allzu lange her, dass asiatische Anleger europäische Aktien gemieden hätten. Dass sich das Blatt nun gewendet hat, liegt nach Ansicht von Langer am niedrigen Ölpreis und dem schwächeren Euro-Wechselkurs. „Beides wird der europäischen Konjunktur helfen“, ist er überzeugt. Selbst in Frankreich werde es ein moderates Wachstum geben.

Den Anlegern empfiehlt er, am Aktienmarkt auf Qualität zu achten. Nicht immer spreche eine hohe Dividende für eine gute Kursentwicklung. „Dividendenwerte hatten zuletzt keine gute Performance“, sagt Langer. Unter Qualität versteht er vielmehr Titel mit hoher Marktkapitalisierung. Dazu können die deutsche Automobilwerte Daimler, BMW und VW zählen, aber auch die Deutsche Telekom und Pharmaaktien wie Bayer und Fresenius Medical Care.

Finanzwerte hält Langer für problematisch, insbesondere Banken, weniger die großen Versicherer. Er hält vor allem Institute mit starkem Investmentbanking für riskant. Das Kapitalmarktgeschäft binde viel Eigenkapital, zugleich sei der Aufwand für Rechtsrisiken hoch. Seiner Ansicht nach sind einige Großbanken nach der Finanzkrise noch immer damit beschäftigt, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten.

„Es fehlt an einer vernünftigen Geschäftsgrundlage“, gibt er zu bedenken. Das alles erinnert an die Deutsche Bank, doch Langer meidet es, einzelne Namen zu nennen. Ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl von Aktien ist für ihn die Bewertung. Da haben die europäischen Aktien noch Nachholbedarf. Denn sie schienen noch immer günstig bewertet, vor allem wenn die Konjunkturerholung für steigende Gewinne spreche.