
Wie losgelöst von Sorgen um Griechenland und die Zinswende in den Vereinigten Staaten, steigt der Dax weiter. Manch Analyst hält die Rally nicht mehr für gesund.
Die gute Grundstimmung der Anleger am deutschen Aktienmarkt scheint auch nach neun Gewinnwochen nicht verflogen zu sein. Die 12.000er-Marke im Dax wurde am Montag im frühen Handel geknackt, nachdem der Dax vor gut einem Monat erstmals die Marke von 11.000 Punkten durchbrochen hatte. „Die Kurse steigen, hoch, höher und noch höher“, fasste Analystin Claudia Windt von der Landesbank Helaba die aktuelle Lage am deutschen Aktienmarkt zusammen. „Das geldpolitische Doping der Europäischen Zentralbank (EZB) scheint vordergründig aufzugehen.“ So drehe bereits die konjunkturelle Stimmung zugunsten des Euroraums.
Analyst Markus Wallner von der Commerzbank sieht die niedrigen Zinsen, den für die Exportwirtschaft erfreulich schwachen Euro und damit letztlich auch die konjunkturstützenden Anleihenkäufe der EZB weiterhin als Haupttreiber des deutschen Aktienmarktes. Rückschläge allerdings sind Experten zufolge jederzeit möglich. Denn zum einen dürfte das Ringen zwischen dem griechische Regierungschef Alexis Tsipras und den internationalen Geldgebern weiterhin für Schlagzeilen sorgen - und damit den Aktienmarkt bewegen.
Zum anderen mehren sich die Mahner, die von einer unheilvollen Entwicklung der Börsen sprechen: „Die Kursrally am Aktienmarkt ist nicht mehr gesund“, warnte jüngst Analyst Christian Kahler von der DZ Bank. Die Bewertungen der Märkte im Euroraum hätten sich von den zugrunde liegenden Fundamentaldaten gelöst und liefen nun in Richtung einer neuen spekulativen Übertreibung. Wie weit diese gehen könne, hänge im Wesentlichen von dem weiteren Vorgehen der EZB ab.
Zudem bleibt fraglich, ob die europäischen Währungshüter tatsächlich mit ihrer sehr lockeren Geldpolitik die Wirtschaft wie gewünscht ankurbeln können. „Skeptisch stimmt die Tatsache, dass die bereits seit geraumer Zeit sehr niedrigen langfristigen Zinsniveaus bisher nicht zu einer nachhaltigen Belebung der Investitionen geführt haben“, sagte Helaba-Analyst Johannes Jander.
Alles wartet mal wieder auf die Fed
In der neuen Woche richten sich die Blicke insbesondere auf die Notenbank Fed, von der sich Investoren am Mittwoch weitere Hinweise auf den Zeitpunkt einer ersten Leitzinsanhebung seit Beginn der Finanzkrise erhoffen. Vor den wichtigen Fed-Aussagen könnten am Montagnachmittag bereits amerikanische Konjunkturdaten Impulse liefern. Als besonders wichtig erachten die Analysten der Commerzbank die Daten zur Industrieproduktion für den Februar. Auf Unternehmensseite dürften vor allem die Geschäftszahlen von Linde einen Blick wert sein. In Deutschland sollten aber auch die ZEW-Konjunkturerwartungen Beachtung finden. In der Eurozone werden die endgültigen Zahlen zu den Verbraucherpreisen im Februar veröffentlicht:
Die Experten der Commerzbank erwarten beim ZEW-Index einen kräftigen Anstieg um 17 Punkte auf 70,0 Zähler. Sie sind damit deutlich optimistischer als der Konsens der Ökonomen. Angesichts des Anstiegs der entsprechenden Komponente beim Sentix-Index sei eigentlich schon im Februar ein deutlicher Anstieg erwartet worden. Damals habe sich jedoch die Krise in Griechenland zugespitzt. In der Zwischenzeit sei zumindest eine kurzfristige Eskalation vermieden worden. Nach den zuletzt vier Anstiegen in Folge erwartet auch die Postbank ein kräftiges Plus bei den Erwartungen. „Insbesondere der Start der Ankäufe von Staatsanleihen durch die EZB und die kräftige Abwertung des Euro in den letzten Wochen dürften die konjunkturelle Phantasie beflügeln.“
