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Elisabeth von Thurn und Taxis: Shitstorm wegen Instagram-Foto

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Elisabeth von Thurn und Taxis macht ein Foto von einer Obdachlosen, die „Vogue“ liest. Ein Schnappschuss auf Instagram, ein gedankenloser Kommentar – und schon hetzt die Internet-Gemeinde gegen Glorias Tochter.

Eine Obdachlose, dick eingemummt, sitzt in Paris inmitten ihrer Habseligkeiten und liest – „Vogue“. Eine seltsame Szene, herzzerreißend, aber auch kurios. Kein professioneller Fotograf ließe sich das Motiv entgehen, Instagram-Nutzer stellen so etwas gleich ins Netz. Das muss man wissen, bevor man über eine junge Frau urteilt, deren Foto von dieser Szene zum Skandal der Prêt-à-porter-Woche stilisiert wurde.

Elisabeth von Thurn und Taxis, Tochter von Fürstin Gloria und Redakteurin der amerikanischen „Vogue“, nahm also am Wochenende die Obdachlose Maryse Dumas auf, stellte das Foto auf Instagram und schrieb dazu auf Englisch: „Paris ist voller Überraschungen … und von Vogue-Lesern in unvermuteten Ecken.“ Eine kleine Pointe, schnell in die Welt gesetzt, ohne lange nachzudenken – und ohne böse Hintergedanken.

Diese Hintergedanken aber haben viele andere – ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Einige Kommentatoren reagierten wütend auf den gedankenlosen Eintrag („shame on you“), andere beleidigten „elisabethtnt“, wie sie sich auf Instagram in Anspielung auf den Sprengstoff TNT nennt, aufs übelste. Sofort sprang die Mode-Website „Fashionista“ auf das Thema an und nannte die „German princess“ semantisch geschickt „disturbingly out of touch“, also nicht nur „ziemlich abgehoben“, sondern „völlig abgedreht“, als sei sie ein Fall für die Klinik.

Die Skandalisierung ist in vollem Gange

Dabei ist der Fall ganz einfach. Eine 32 Jahre alte Moderedakteurin hatte sich im Ton vergriffen. Wenige Stunden später löschte sie den Eintrag. Auf die Vorwürfe reagierte sie mit dem Hinweis: „Diese Person hat für mich die gleiche Würde wie jeder andere auch.“ Am nächsten Tag bat sie via Instagram um Vergebung: „Ich möchte mich aufrichtig entschuldigen für den Ärger, den mein Beitrag verursacht hat.“

Aber da war die Skandalisierung schon in vollem Gange. Die „Daily Mail“ fand die 65 Jahre alte Obdachlose, die sich über unerlaubt geschossene Fotos beschwerte. Deutsche Websites zogen nach: „Fürsten-Spross macht sich über Obdachlose lustig“. Und weil es sich so gut liest, nahm man auch gleich noch die Familie („milliardenschwer und schillernd“) in Sippenhaft.

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Elisabeth von Thurn und Taxis, die das unbeschwerte Leben liebt, aber immer wieder unter Vorurteilen zu leiden hat, nimmt der Fall offensichtlich mit. Am Montagnachmittag sitzt sie zwar wie gewohnt neben „Vogue“-Kolleginnen in der ersten Reihe der Modenschau von Giambattista Valli. Aber sie sieht ernst drein. Zur schwarzen Jacke trägt sie einen schwarzen Rock. Fragen zum Thema weicht sie aus: „Ich habe alles gesagt mit meiner Entschuldigung auf Instagram.“ Jedes Wort, das weiß sie, wäre nun falsch.

Natürlich hätte Glorias Tochter, die Kommunikationswissenschaften studiert hat, vorher wissen müssen, dass „Vogue“-Redakteurinnen gerne falsch verstanden werden. Wenn ein „Fashionista“-Blogger Geschmacklosigkeiten postet, bemerkt es niemand. Bei der „Vogue“, besonders der amerikanischen Ausgabe mit Anna Wintour an der Spitze, hören und schauen alle genau hin, selbst bei belanglosen Einträgen auf privaten Internet-Profilen.

Aber der Shitstorm nach den unüberlegten Worten sprengt alle Dimensionen – und zeigt, wie zynisch oberflächlich das Netz sein kann. Da kann Elisabeths Mutter Gloria im Refektorium des fürstlichen Schlosses in Regensburg Armenspeisungen veranstalten, da kann Elisabeth selbst regelmäßig behinderte und ältere Menschen auf Pilgerfahrt nach Lourdes begleiten, da kann sie Reue zeigen und Abbitte leisten – das Internet, angeblich Hort des freien Wortes, versucht einen Menschen ohne Ansehen der Person aus nichtigem Anlass fertigzumachen. Hier sitzt der Skandal hinter dem Skandälchen.