Gesellschaft

Twitter-Shitstorm gegen Justine Sacco wegen unbedachtem Tweet

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Du schickst noch schnell eine witzig gemeinte Botschaft, dann steigst du in ein Flugzeug. Als du Stunden später ankommst, stehst du inmitten eines globalen Shitstorms. Dies ist die Geschichte von Justine Sacco und einem verhängnisvollen Tweet.

Sie war auf der langen Reise von New York nach Südafrika, wo sie über die Weihnachtsfeiertage ihre Familie besuchen wollte, als Justine Sacco, 30, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei InterActiveCorp, einem großen New Yorker Medienunternehmen, damit begann, kleine Bissigkeiten über die Demütigungen des Reisens zu tweeten. Einer behandelte einen Reisenden, der mit ihr auf dem John F. Kennedy International Airport das Flugzeug bestieg: „Schräger deutscher Typ: Du bist in der Ersten Klasse. Es ist 2014. Besorg Dir ein Deo! – Innerer Monolog während ich seinen Geruch einatme. Gott sei Dank gibt es Medikamente.“

Dann, auf dem Zwischenstopp in Heathrow: „Kühl – Gurkensandwiches – schlechte Zähne. Zurück in London!“

Und kurz vor der letzten Etappe der Reise nach Kapstadt, es war der 20. Dezember 2013: „Auf nach Afrika. Hoffe, ich bekomme kein AIDS. Nur Spaß. Ich bin weiß!“

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Sie lachte in sich hinein, während sie auf „Senden“ drückte, schlenderte dann eine halbe Stunde lang im Flughafenterminal umher und sah gelegentlich auf ihr Telefon. Es überraschte sie nicht, dass niemand antwortete. Bei Twitter folgten ihr gerade mal 170 Nutzer.

Sacco bestieg das Flugzeug. Sie war elf Stunden lang unterwegs, also schlief sie. Nach der Landung schaltete sie, noch während der Flieger auf der Landebahn rangierte, ihr Telefon ein. Sofort erschien eine SMS von jemandem, mit dem sie seit der Highschool nicht mehr gesprochen hatte: „Tut mir so leid, was gerade passiert.“ Sacco starrte perplex auf die Nachricht.

Dann eine weitere Nachricht, von ihrer besten Freundin Hannah: „Du musst mich sofort anrufen!“ Saccos Telefon war plötzlich voll von Mitteilungen und Meldungen. Und dann klingelte es. Hannah war dran: „Du bist gerade Trend Nummer eins auf Twitter weltweit.“

Der Twitterfeed wurde zum Albtraum

Saccos Twitterfeed war zu einem Albtraum geworden. „Ihre rassistische Unwissenheit gehört auf Fox News. #AIDS kann jeden treffen!“ war noch eine milde Reaktion. Andere Nutzer schrieben: „Hoffe, du findest dein Hirn wieder.“ Oder: „Du bist ein widerwärtiger Mensch.“ Auch eine öffentliche Nachricht von ihrem Arbeitgeber, IAC, war darunter: „Das ist ein unverschämter, beleidigender Kommentar. Die fragliche Angestellte ist zurzeit nicht erreichbar, weil auf einem Auslandsflug.“ Bald wandelte sich der Ärger in Aufregung: „Wir verfolgen gerade die Entlassung dieses Miststücks @JustineSacco mit. In Echtzeit. Und noch bevor sie weiß, dass sie gefeuert wird.“

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Der Wirbel um Saccos ursprünglichen Tweet war nicht nur ein Kreuzzug gegen ihre angebliche Bigotterie, sondern auch eine Form von Unterhaltung. Die Tatsache, dass Sacco elf Stunden lang nicht geahnt hatte, in welchen Schwierigkeiten sie steckte, verlieh dem Vorfall sowohl dramatische Ironie als auch einen hübschen Spannungsbogen. Während Saccos Flugzeug die Weiten Afrikas überquerte, explodierte ein Hashtag: #HasJustineLandedYet – also: Ist Justine schon gelandet? „Im Ernst“, twitterte jemand. „Ich will nur nach Hause und ins Bett, aber alle in der Bar fahren so sehr auf #HasJustineLandedYet ab. Kann nicht wegsehen. Kann nicht gehen“- jemand anders schrieb: „Gibt es wirklich niemanden, der in Kapstadt ist und ihre Ankunft am Flughafen tweeten kann. Komm schon, Twitter-Gemeinde!“ (Tatsächlich machte sich ein Twitter-Nutzer auf zum Flughafen: das Foto, das er von ihr machte, tweetete er.)