Mode & Design

Faux fur: Der falsche Pelz ist der Trendstoff des Winters

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In der Modebranche war der Pelz aus Polyester und Wolle lange Zeit verpönt. Inzwischen ist „Faux fur“ kein Fauxpas mehr, sondern der Trendstoff dieses Winters.

Manche Erfolgsgeschichten ereignen sich tatsächlich, wie sie im Buche stehen: Da ist zum Beispiel jene der jungen Designerin Charlotte Beecham, die vor einigen Jahren auf der Terrasse eines Pariser Cafés saß, als eine Frau an ihr vorbeilief. Die trug einen Schal aus dickem Pelz, und der brachte Beecham, die gerade in New York ihren Abschluss in Modedesign gemacht hatte, zum Nachdenken. Wäre es nicht eine gute Idee, solche Schals, möglichst bunt, möglichst flauschig, sowohl aus echtem als auch aus Kunstpelz herzustellen? Beecham machte sich an die Arbeit. Kurze Zeit später schaffte es einer ihrer ersten Schals an den Hals von It-Girl Suki Waterhouse. Auf Instagram ergatterte das Bild knapp 130.000 Likes.

Da ist auch die Geschichte von Hannah Weiland, der als Modestudentin vor zwei Jahren ein kleines Stück bunter Kunstpelz in die Hände fiel. Weiland sah darin ebenfalls kein billiges Polyester, sondern erkannte sein Potential. „Etwas Warmes und zugleich Luxuriöses“, sagt sie heute. Und sie sah nautische Breton-Streifen, die sie als Muster auf ihrer ersten Charge Kunstpelz-Mäntel unter dem Label Shrimps verarbeitete. Kurze Zeit später brach sie das Studium ab. Aus ihrer Idee war ein Vollzeitjob geworden. Ihre Mäntel verkaufen sich heute über die wichtigsten Online-Shops für Luxusmode wie Net-a-porter, Mytheresa und Avenue32.

Rasanter Siegeszug des Kunstpelz

Oder da ist Andrea Ainea, der als Chefdesigner der gleichnamigen italienischen Marke Ainea zufällig auf eine Fabrik in der Toskana stieß. „Sie hat sich bereits seit den fünfziger Jahren auf Kunstpelz spezialisiert. Lange Zeit war das ein Tabuthema“, erklärt Ainea. „Zusammen kümmern wir uns jetzt darum, dass daraus ein Modeprodukt wird.“

32622745Mehr als nur Mäntel: die Clutch mit Kunstpelz

Kunstpelz als Modeprodukt: Vor zwei Wintern hätte es noch niemand für möglich gehalten, dass ein bisschen Polyester und Wolle tatsächlich Begehrlichkeiten wecken können. Der Stellenwert von Kunstpelz in der Mode glich etwa dem einer schlechten Gegend in einer teuren Stadt.

Aber so wie aus heruntergekommenen Stadtteilen manchmal beinahe über Nacht Szeneviertel werden können, hat auch der Kunstpelz einen rasanten Siegeszug hinter sich. Heute können diejenigen, die im richtigen Moment an den Kunstpelz geglaubt haben, zum Beispiel die Designer von Shrimps, Ainea oder Charlotte Beecham, sich zurücklehnen wie Menschen, die in dieser ehemals schlechten Gegend ein Haus gekauft und somit einen echten Schnapp gemacht haben.

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