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Strauss-Kahn: Und die Fahnder hörten alles mit

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Der frühere französische Spitzenpolitiker Dominique Strauss-Kahn steht von diesem Montag an mit 13 weiteren Angeklagten wegen des Verdachts der „schweren Zuhälterei“ vor Gericht. Sein Anwälte stilisieren ihn zum Opfer eines Lauschangriffs.

Dominique Strauss-Kahn ist so tief gefallen, dass er selbst der Schlagzeilen nicht mehr würdig schien. Doch von diesem Montag an blickt Frankreich von Neuem auf den Mann, dem es beinahe das höchste Staatsamt anvertraut hätte. Denn in Lille muss sich der 65 Jahre alte Sozialist wegen des Verdachts der „schweren Zuhälterei“ vor Gericht verantworten. Der Prozess mit 13 weiteren Angeklagten (darunter zwei Frauen) verspricht einen tiefen Einblick in die Niederungen der französischen Politik zu gewähren. Egal wie die Richter am Ende der auf drei Wochen angesetzten Gerichtsverhandlung entscheiden, der „Fall Strauss-Kahn“ hat das Vertrauen der Franzosen in ihr politisches Führungspersonal nachhaltig erschüttert.

Noch bevor der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) im Mai 2011 in einem Hotelzimmer in New York seine politische Karriere und seine Ehre verspielte, war er in seiner französischen Heimat ins Visier der Fahnder geraten. Das wussten die Franzosen damals aber nicht. Neun Monate lang, von Juni 2010 bis Februar 2011 wurden Zimmer im Vier-Sterne-Hotel Carlton in Lille abgehört, die als Schauplatz für Sexorgien mit Prostituierten genutzt wurden.

Mutmaßliche Kooperation zwischen Polizei und Zuhältern

Die Abhöraktion war keinesfalls illegal, sie wurde vom damaligen Premierminister François Fillon genehmigt. Das hat der Fernsehsender Canal Plus jetzt herausgefunden. Wahrscheinlich ist dem privaten Sender die Mitwisserschaft Fillons und seines Vorgesetzen Nicolas Sarkozy von interessierter Seite gesteckt worden. Strauss-Kahn war damals ein ernstzunehmender politischer Gegner, gegen den sich Sarkozy mit Blick auf die Präsidentenwahl 2012 positionieren wollte. Deshalb klingt es nicht völlig abwegig, dass Sarkozys Untergebener Fillon grünes Licht für den Lauschangriff gab.

32857945Das Carlton Hotel in Lille: Hier wurde der Prostitutionsring ausgehoben, in den auch Dominique Strauss-Kahn verwickelt ist.

Die Fahnder stießen dank der Abhöraktion auf einen Prostitutionsring, der zwischen 2007 bis 2011 in Paris, Madrid, Wien und Washington Sex-Partys organisierte. Hauptquartier des Netzwerkes war das Carlton in Lille, die beste Adresse in der alten Handelsstadt im Norden Frankreichs. Die Gerichtsverhandlung soll zeigen, welche Rolle die verschiedenen Protagonisten des Prostitutionsrings genau spielten. Die Rechnungen bezahlte teils David Roquet, der die Filiale der Baufirma Eiffage im Norden leitete. Eiffage ist mit 70000 Mitarbeitern der drittgrößte Baukonzern Frankreichs und versprach sich offensichtlich viel von den guten Beziehungen zu dem Anwärter auf das Präsidentenamt Strauss-Kahn. Roquet hatte in jedem Fall keine Schwierigkeiten, die Kosten für die Sexdienstleistungen über seine Spesenkasse abzurechnen. Als weiterer Financier taucht der Unternehmer Fabrice Paszkowski auf, der einer rentablen Firma für medizinische Hilfsgeräte im Norden vorstand und selbst an den Sex-Partys teilgenommen haben soll.

Der Polizeikommissar Jean-Christophe Lagarde, damals stellvertretender Leiter der Polizei für das gesamte Département Nord, steht im Verdacht, mit dem vorbestraften Zuhälter Dominique Alderweireld kooperiert zu haben. Letzterer ist im Milieu unter dem Spitznamen „Dodo la Saumure“ bekannt, das heißt so viel wie „Dodo, die Salzlake“ und ist eine Anspielung auf seinen Lebenserwerb. Zuhälter werden umgangssprachlich „Makrelen“ („maquereau“) genannt. Der Bordellbetreiber war mutmaßlich für den Nachschub an Prostituierten verantwortlich, die Namen wie „Elena“, „Leslie“, „Carmen“, „Chanelle“ oder „Jade“ trugen.