
Die EZB-Geldpolitik und die Neuwahlen in Griechenland belasten den Dax. Der Index behält die 10.000er Marke langfristig aber trotzdem fest im Blick.
Die Dax-Anleger dürften in den ersten Handelswochen des neuen Jahres Vorsicht an den Tag legen. Die Angst vor einem Ende der griechischen Sparpolitik und die Unsicherheit über den geldpolitischen Kurs der EZB sollten erst einmal für eine abwartende Haltung sorgen, prognostizieren Börsianer. Insgesamt gehen viele Analysten jedoch davon aus, dass der Dax sich langfristig weiter nach oben arbeiten dürfte – „vor allem dank einer anziehenden amerikanischen Konjunktur“, sagt NordLB-Analyst Tobias Basse.
Nach Einschätzung von Asoka Wöhrmann, der bei der Deutschen Asset &- Wealth Management die Investitionsentscheidungen verantwortet, führte 2014 an Aktien kein Weg vorbei. „Und diese Aussage gilt auch für 2015“, betont der Experte. Von Reuters befragte Analysten gehen davon aus, dass der deutsche Leitindex Ende diesen Jahres auf 10.800 Punkte steigen wird. 2014 hatte er 2,7 Prozent auf 9805,55 Zähler gewonnen, in den Vereinigten Staaten legte der Dow-Jones-Index 7,5 Prozent zu.
Damoklesschwert Griechenland
Am Freitag wagten sich die Anleger noch nicht aus der Deckung. Der Dax startete mit einem Abschlag von 0,4 Prozent auf 9764 Punkte ins neue Jahr. Die New Yorker Börsen schlossen kaum verändert. Der Dow Jones der Standardwerte ging 0,1 Prozent höher mit 17.833 Punkten aus dem Handel. Für Unruhe an den europäischen Märkten sorgte zuletzt die vorgezogene und dann gescheiterte Präsidentenwahl in Griechenland. Nun stehen am 25. Januar Neuwahlen ins Haus. Zur stärksten Kraft könnte dabei Umfragen zufolge das Linksbündnis Syriza werden, das die Vereinbarungen mit den internationalen Kreditgebern ändern und den Sparkurs lockern will. Das schüre Ängste vor einem Wiederaufflammen der Euro-Krise, erläutert ein Händler. Griechenland wird seit 2010 mit zwei Rettungsprogrammen in Höhe von 240 Milliarden Euro von den Partnern aus der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über Wasser gehalten.
Als Heilsbringer erscheint vielen Investoren vor allem die Europäische Zentralbank (EZB), schließlich will EZB-Chef Mario notfalls noch schwerere Geschütze im Kampf gegen die drohende Deflation – eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen – auffahren. Als wahrscheinlichste Maßnahme gilt der Kauf von Staatsanleihen nach dem Vorbild der Notenbanken aus den Vereinigten Staaten und Großbritannien. In einem „Handelsblatt“-Interview erklärte Draghi zuletzt, die Zentralbank befinde sich in technischen Vorbereitungen, um Umfang, Tempo und Zusammensetzung ihrer Maßnahmen im Kampf gegen die niedrige Inflation bei Bedarf Anfang 2015 zu verändern. Das nächste Mal entscheidet sie am 22. Januar über ihren geldpolitischen Kurs.
Konjunkturmotor Vereinigte Staaten
Von weiteren Konjunkturdaten aus den USA erhoffen sich Börsianer eine Bestätigung des Aufschwungs. Im Fokus steht vor allem der Arbeitsmarktbericht für Dezember, der am Freitag vorgelegt wird. Zwei Tage zuvor liefern die Zahlen der privaten Arbeitsagentur ADP bereits Hinweise auf die offiziellen Daten. Ebenfalls am Mittwoch veröffentlicht die US-Notenbank die Protokolle ihrer jüngsten Sitzung. Börsianer werden den Text auf Signale für den Zeitpunkt der geplanten Zinserhöhung abklopfen.
In New York warten die Anleger darauf, dass die Technologiebörse Nasdaq ähnlich wie zuletzt der Dow-Jones oder S&-P-500 auf Rekordjagd gehen wird. Der bisherige Höchststand wurde im März 2000 mit 5132,52 Punkten erreicht. Um ein Rekordniveau zu rechtfertigen, müssten die Firmen nun entsprechende Geschäftszahlen vorlegen, sagt Investmentstratege Jack Ablin von der BMO Private Bank. Viele Börsianer fragen sich, wann der große Durchbruch bei den Biotechwerten kommt, die im abgelaufenen Jahr kräftige Kursverluste verzeichneten.
Ob Schwergewicht Apple die Nasdaq weiter nach oben ziehen wird, steht infrage. Experten bezweifeln, dass das wertvollste börsennotierte amerikanische Unternehmen nach sechs Jahren mit Kursgewinnen in Folge weiter zulegen wird. Die iWatch werde voraussichtlich nicht zum ganz großen Verkaufsschlager, sagt Analystin Kim Forrest von Fort Pitt Capital Group.
