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Fahrbericht BMW X4 xDrive 20d: Zwischen allen Stühlen

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Aus dem X5 wurde einst der X6, jetzt schnitzt BMW aus dem X3 den X4. Braucht es Offroad-Coupés? Die Münchner meinen ja, gesunde Skepsis ist angebracht.

PreviewPagemarker“ id=“pageIndex_1″>Während Mini so langsam zur Einsicht kommt, das Modellprogramm nicht noch weiter aufzufächern, und sogar davon spricht, es zurückzufahren, setzt die bayerische Mutter BMW weiter munter auf eine Ausweitung der Modellpalette. Motto: Platz ist in der kleinsten Nische, und was beim X5 so gut funktioniert hat, klappt bestimmt auch mit dem X3. Wir machen aus dem SUV noch ein Coupé und nennen es X4.

Die Geschichte des X6 soll fortgeschrieben werden, hieß es vollmundig bei der Präsentation des X4 im Juni. Warum sollte der Trick nicht nochmal funktionieren? Zwar hat der X6 in Deutschland einen schlechten Ruf als Macho-Auto, aber im Rest der Welt lieben die Kunden den Wagen mit dem plumpen Heck. Fast 300.000 Verkäufe seit 2008 spülten reichlich Geld nach München, also alles richtig gemacht.

Ob das eine Stufe weiter unten auch so funktioniert, wird sich zeigen. Ganz so klobig wie sein großer Bruder kommt der X4 nicht daher. Mit einem Maß von 4,67 Meter ist er unwesentlich länger als der X3 (17 Millimeter), und das nur wegen Retuschen an der Fahrzeugfront. Dazu ist er knapp vier Zentimeter niedriger. Von der A-Säule an gibt es kein gleiches Blechteil, der Unterschied manifestiert sich nicht nur im schrägen Heck. Das Dach ist flacher und nach innen tiefer eingezogen.

Was fehlt, sind die Haltegriffe

Es überrascht, dass das kaum negative Auswirkungen hat. Im Fond bleibt dennoch genug Platz für die Köpfe, auch die Beinfreiheit geht in Ordnung. Nur das Einsteigen in den Fond dürfte im Vergleich etwas unbequemer sein. Was fehlt, sind die Haltegriffe seitlich am Himmel, auch vorn gibt es keine. Auf die habe man aus Platzgründen bewusst verzichtet, sagt BMW.

Die nächste Überraschung: Das schräge Heck kostet relativ wenig Stauraum, immer im Vergleich zu dem X3. Das verfügbare Ladevolumen von 500 beziehungsweise 1400 Litern bei umgeklappter Rückbank und dachhoher Beladung ist kaum zu beanstanden (X3: 550/ 1600 Liter). Alle X4 haben eine elektrische Heckklappe und eine dreigeteilte Rückbank, das gehört zum Konzept einer besseren Grundausstattung wie die serienmäßige Beigabe von Xenon-Licht, 18-Zoll-Felgen, dem Achtgang-Automatikgetriebe (nur in diesem Modell 2200 Euro Aufpreis, sonst sechs Gänge manuell), einer variablen Sportlenkung und den LED-Rückleuchten. Dazu ist Allradantrieb obligatorisch und das Fahrwerk sportlicher abgestimmt.

Der Kofferraum ist maximal 1,70 Meter tief und mindestens 1,10 Meter breit. So schluckt er locker sperriges Transportgut wie zwei große Pflanzentöpfe von der Terrasse, die ins Winterdepot zu Oma müssen. Die Ladefläche ist nahezu eben. Im Kofferraum ist rechts in der Ecke noch ein tiefes, offenes Fach, vielleicht für die dreckigen Schuhe nach der Wanderung, falls man sich derlei Irdisches im Edellaster überhaupt vorstellen mag.

Intelligent gelöst ist die Kofferraumabdeckung: Die vordere Hälfte ist an der Klappe fixiert und geht mit dem Öffnen nach oben, die zweite Hälfte ist schnell herausgenommen, sollte sie einmal stören. Wer 390 Euro in ein Ablagepaket investiert, bekommt unter anderem zwei Ladeschienen im Kofferraumboden, in die einfach vier stabile Haken eingelassen werden können, so dass ein einzelner Koffer per Netz gut zu sichern ist. Die Haken warten im Boden auf ihren Einsatz, ganz unten steckt die Batterie. Ein Reserverad gibt es nicht, auch der X4 steht auf Rädern mit Notlaufeigenschaften.

6,8 Liter in der tempolimitierten Schweiz

Sechs verschiedene Motoren bietet BMW für den X4 an, drei Diesel und drei Ottos. Der interessanteste ist der neue 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel, den München als besonders sparsam preist. Dieses Aggregat, das auch in anderen BMW-Modellen seinen Dienst tut, ist zum Frühjahr überarbeitet worden. Trotz 190 PS und eines satten maximalen Drehmoments von 400 Newtonmeter beträgt der Normverbrauch nur 5,2 Liter.