Mode & Design

Lagerfelds jüngste Kollektion: Kaisergarn mit Kaiserschmarrn

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Salzburg im Ausnahmezustand: Im Schloss Leopoldskron präsentiert Chanel seine Mode. Chefdesigner Karl Lagerfeld macht sich einen Spaß daraus, mit Trachtenelementen zu spielen – und setzt neben Tweedkostümen auch Lederhosen in Szene.

In dieser Stadt bleibt nichts unbeobachtet. Karl Lagerfeld kommt nach Salzburg? „Er landete am Sonntag um 17.28 Uhr“, meldet die „Kronen Zeitung“. Der Chanel-Designer wird eine Modenschau im Schloss Leopoldskron veranstalten? „Alle Handwerker und Mitarbeiter des Schlosses sind zu Stillschweigen verpflichtet“, haben die „Salzburger Nachrichten“ gehört. Und die „Presse“ beobachtet: „Vor den Toren steht Securitypersonal.“

In Paris ist es Alltag – in Salzburg Ausnahmezustand. Karl Lagerfeld ist in die Stadt der Festspiele gekommen, um am Dienstag in drei Schauen für insgesamt rund 500 Gäste aus aller Welt eine Kollektion zu zeigen. Noch einmal so viele Menschen muss man sich hinzudenken: Models, Make-Up, Stylisten, Aufbauhelfer, Presseleute, Securitypersonal – und natürlich der Modeschöpfer selbst, der schon am frühen Morgen das ganze Durcheinander organisiert und sich ungern von der Arbeit abhalten lässt. „Ich gehe auch nicht mehr auf die Straße“, sagt Lagerfeld nach der Schau. „Dauernd bitten die Leute um Selfies – und man taucht ungewollt auf Instagram auf.“

An all dieser Aufregung hat der Designer natürlich seit Jahrzehnten gearbeitet. Denn wie immer bei Chanel, einer der größten und am schnellsten wachsenden Luxusmarken der Welt, ist alles an diesem grauen Dezembertag in die schönsten Farben und Formen gekleidet. Üppig mit Obst und Süßem beladene Etageren, ausladender Blumenschmuck in den österreichischen Nationalfarben Weiß und Rot und für die Gäste Sessel und Fauteuils, die eigens für diesen Anlass aus Paris und London herbeigeschafft wurden. Schon bevor die Schau begonnen hat, schwelgen die Damen in Luxusgefühlen. Und einer der wenigen Männer, die nicht zum Securitypersonal gehören, schaut es sich wohlwollend an: Gérard Wertheimer aus der verschwiegenen Chanel-Eigentümerfamilie. Er sagt wie immer nichts. Aber sein zufriedenes Lächeln beim Defilee gilt wohl nicht nur dem Haupt- und Topmodel Cara Delevingne, sondern auch den geschäftlichen Erwartungen an diese Entwürfe.

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So üppig wie die Bühne ist denn auch die Kollektion. Lagerfeld ließ Edelweiß auf die Hosen sticken, streut Hirschhornknöpfe ein, setzt den Mädchen Tirolerhüte auf – und dicke Ohrenschützer aus geflochtenem Haar, die an Gretchenzöpfe erinnern. Der Modemacher, der Salzburg von vielen Besuchen kennt, macht sich einen Spaß daraus, das klassische Chanel-Tweed mit Fasanenfedern und Lederhosen und Dirndl-Variationen zu brechen. Am schönsten setzt das mal wieder der sechsjährige Hudson in Szene, der an der Hand seines Vaters Brad Kroenig über das zum Laufsteg gewordene Parkett schreitet, einen Filzhut auf dem Kopf und einen Rucksack in Form einer Lederhose auf dem Rücken.

All der Aufwand für die Zwischenkollektion, die im Mai in die Läden kommt, hat seine Gründe. Während andere Marken preiswertere Ware zwischen die beiden Hauptkollektionen des Jahres werfen, macht Chanel es umgekehrt. Diese „Prefall“-Kollektion ist fast so aufwendig (und teuer) wie die Haute Couture. Denn all die Federnschmuckmacher, die Hutmacher und die Sticker, deren Ateliers das Haus Chanel in den vergangenen Jahrzehnten aufgekauft hat, können aus Anlass der Kollektion „Métiers d´Art“ zeigen, was Kunsthandwerk bedeutet. Ermessen kann die Mühen vielleicht nur, wer mal versucht hat, Lederjacken mit der Hand zu besticken. Und hier ist alles mit Plättchen, Stäbchen, Federn, Perlen oder mit Spitzenapplikationen versehen.

Vergangenes Jahr Dallas, dieses Jahr Salzburg, nächstes Jahr Rom: Jedes Mal wählt Lagerfeld den Ort nach den biographischen Stationen von Coco Chanel aus – so soll sie hier in einem Hotel angesichts eines Liftboys in kurzer Trachtenjacke die Idee mit ihrer Tweedjacke geboren haben. Für Karl Lagerfeld hat die alpenländische Trachtentradition auch einen biographischen Sinn: „Meine Eltern haben schon meine Kindersachen hier gekauft“, sagt er nach der Schau auf der Terrasse mit Blick auf den Weiher. „Ich wollte ja nicht wie die anderen Jungen aussehen.“ Den Kundinnen wird es ähnlich gehen wie dem Jungen in der norddeutschen Tiefebene. Denn wer trägt schon Loden-Capes in New York? Und wer lässt Alpenveilchen in Seoul erblühen? In dieser Mode, auch das zu zeigen ist der Sinn des Chanel-Ausflugs nach Salzburg, darf man sich einzigartig fühlen.

Nach der Schau, als Lagerfeld mit Cara eine Ehrenrunde gedreht hat, eilen die Saaldienerinnen herbei. In einer Präsentation, die seit einem halben Jahr vorbereitet wird und bis zum letzten Spitzendeckchen und Platzkärtchen ins Detail geht, wird auch die Spezialität auf den Tellern kein Zufall sein. Was würde besser passen zu einer Schau von „Kaiser Karl“ als – Kaiserschmarrn?