
Alles neu bei BMW: Der langjährige Vorstandschef Norbert Reithofer gibt seinen Posten vorzeitig ab. Und Entwicklungschef Harald Diess geht in den VW-Vorstand.
Der langjährige BMW
Zuvor hatte Volkswagen angekündigt, dass der BMW-Entwicklungschef Herbert Diess zum 1. Oktober 2015 den Chefposten bei der Hausmarke VW übernimmt. Er folgt in dieser Rolle auf Konzernchef Martin Winterkorn und wird auch einen Sitz im Vorstand von Europas größten Autobauer bekommen.
Diskussion um Winterkorns Nachfolge
Damit ist die Diskussion um Winterkorns Nachfolge neu entfacht. Aus Unternehmenskreisen hieß es, Winterkorn selbst habe Diess bei BMW abgeworben und ihn Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch vorgestellt. „Mit Herbert Diess haben wir eine herausragende Persönlichkeit und einen der fähigsten Köpfe der Automobilbranche für uns gewinnen können“, kommentierte Winterkorn die Personalie.
Von BMW abgeworben: der künftige VW-Vorstand Herbert Diess
Diess arbeitet seit 1996 bei BMW, stieg 2007 in den Vorstand auf und war dort zuständig für das Lieferantennetzwerk. Seine Aufgabe war es, Milliarden einzusparen, um BMW auf Rendite zu trimmen. Unter Zulieferern war Diess gefürchtet – als jemand, der knallhart verhandelt, die Preise drückt und sich in Details bestens auskennt. 2012 tauschte der Manager mit seinem Kollegen Klaus Draeger die Ressorts und wurde Entwicklungschef.
Diess war vorübergehend als ein möglicher Nachfolger von BMW-Chef Norbert Reithofer gehandelt worden. Als sich jedoch abzeichnete, dass er nicht zum Zuge kommen würde, stieg offenbar seine Bereitschaft zum Wechsel nach Wolfsburg, berichten Insider.
Harald Krüger wird bald BMW führen. Norbert Reithofer gibt überraschend die Führung ab.
Bei BMW kommt nun der 49 Jahre alte Maschinenbau-Ingenieur Harald Krüger zum Zug, der seit 1992 bei BMW tätig ist und seit 2013 seine aktuelle Funktion als Produktionsvorstand innehat. Eine Entscheidung über den künftigen Vorstandschef – ob den bisherigen oder einen neuen – war eigentlich erst im Frühjahr 2015 erwartet worden. Spekuliert wurde über die Zukunft Reithofers bei BMW aber, seit im November bekannt wurde, dass der Manager Anfang 2015 in den Siemens-Aufsichtsrat einziehen will.
Reithofer wird Aufsichtsratschef
Reithofer soll nun an die Spitze des Aufsichtsrats von BMW wechseln – was auf Kritik stoßen dürfte. Laut Deutschem Corporate Governance Kodex soll eigentlich zwischen Posten im Vorstand und im Aufsichtsrat eine Pause von zwei Jahren liegen – es sei denn, der Wechsel erfolgt auf Wunsch eines Großaktionärs.
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Bei BMW zieht die Familie Quandt/Klatten die Fäden. Johanna Quandt, ihrem Sohn Stefan und ihrer Tochter Susanne Klatten gehören zusammen 46,7 Prozent an dem Autobauer. Der Wechsel vom Vorstandsvorsitz zum Aufsichtsratschef soll laut Kodex „eine der Hauptversammlung zu begründende Ausnahme“ sein.
