
Nach einem neuen Dax-Rekord und einem Schlussstand über 10.000 Punkten steht diese Marke weiter im Fokus. In den noch 14 Handelstagen des Jahres dreht sich vieles um die Frage, in wie weit der Dax das Börsenjahr fünfstellig beenden kann.
Experten sind sich derzeit einig, dass die Rekordjagd des deutschen Leitindex Dax durchaus weitergehen dürfte. Dank der Schützenhilfe seitens der Währungshüter bleiben die Aussichten grundsätzlich gut. „Die EZB liefert die Vorlage für ein kurzfristiges Aktienengagement“, schrieb DZ-Bank-Analyst Christian Kahler. Doch nach der jüngsten Rally mit einem Plus von knapp 21 Prozent seit Mitte Oktober wird die Luft auch dünner.
FX-Daily-Chefanalyst Jens Klatt glaubt nicht daran, dass der deutsche Leitindex auf dem Niveau bleibt. Der Dax hatte im Sommer schon einige Male über die 10 000 geschaut und war dann wieder darunter gerutscht. „Auch jetzt ist es eher unwahrscheinlich, dass er genug Kraft hat, die Marke nachhaltig zu überwinden“, schätzt der Experte. Die heile Welt an den Börsen, die vor allem auf die anhaltende Geldflut der Notenbank baut, könne von einem Tag auf den anderen vorbei sein.
Am Freitag war der Dax dank starker Arbeitsmarktdaten aus den Vereinigten Staaten bis auf 10 093,03 Punkte geklettert und schloss mit 10 087,12 kaum darunter. Der deutsche Leitindex beendete damit erstmals seit Anfang Juli und überhaupt erst das sechste Mal in seiner 25-jährigen Geschichte den Handel oberhalb der symbolträchtigen und psychologisch wichtigen Marke. Mit einem aktuellen Plus von mehr als fünfeinhalb Prozent steuert er zudem auf das dritte Gewinnjahr in Folge zu.
Haupttriebfeder der vergangenen Wochen war die Hoffnung auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik in der Eurozone. Es mehren sich die Zeichen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) wegen der schwachen Wirtschaft und des schwachen Preisauftriebs in der Eurozone weiter lockert. Es gibt Spekulationen, die Währungshüter könnten bereits im Januar den Aufkauf von Anleihen im großen Stil starten.
Mangelnde Anlage-Alternativen treiben Kurse
In diesem Jahr sind allerdings keine Entscheidungen zu erwarten. Die Investoren klopften deshalb die wenigen anstehenden Wirtschaftsdaten nun daraufhin ab, wie die weiteren Maßnahmen der internationalen Notenbanken aussehen könnten, sagte Experte Frank Schneider von Alpha Wertpapierhandel. So oder so dürften die Zinsen auf Anleihen weiter niedrig bleiben und vielleicht noch weiter fallen. Schon jetzt sind die Renditen auf Anleihen so niedrig wie nie und lassen so gerade institutionellen Investoren oft gar keine andere Wahl, als ihr Geld in Aktien zu stecken. DZ-Bank-Experte Kahler stockte deshalb die Aktienquote in seinem Musterdepot auf 26 Prozent auf.
Das weiter gesunkene Renditeniveau zwinge große Anleger regelrecht dazu, sich für das kommende Jahr rechtzeitig mit Aktien einzudecken, schrieb Investmentanalyst Berndt Fernow von der Landesbank Baden-Württemberg. Er rechnet daher mit einer positiven Börsenentwicklung im Dezember.
Neben den Notenbank-Hoffnungen stützt die zuletzt gute Entwicklung der Konjunktur der Vereinigten Staaten, der weltgrößten Volkswirtschaft, die Entwicklung am Aktienmarkt. „Die Erholung am Arbeitsmarkt setzt sich mit hoher Dynamik fort und unterstreicht die robuste Konjunkturentwicklung in Amerika“, kommentierte Volkswirt Ulrich Wortberg von der Helaba die Daten vom Freitag. Die Vereinigten Staaten könnten damit nach Einschätzung von Experten die Wirtschaft im kommenden Jahr weltweit beleben. Davon könnten wiederum viele stark vom Export abhängigen Dax-Unternehmen profitieren.
Auf Unternehmensseite ist die Woche von Investorenveranstaltungen etwa der Dax-Unternehmen Siemens und ThyssenKrupp geprägt. Geschäftszahlen würden nur von Nachzüglern erwartet. Aus dem M-Dax der mittelgroßen Werte legen der Reisekonzern Tui am Mittwoch sowie der Kupferproduzent Aurubis am Freitag ihre Zahlen vor. Auf der Konjunkturagenda sind vor allem die am Montag erwarteten Daten zur deutschen Industrieproduktion interessant für die Anleger. Zudem sollten Nachrichten zu Handelsbilanz, Industrieproduktion und Einzelhandelsumsatz der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft China Beachtung finden.
