Finanzen

Europäische Banken hinken Amerikas Pendants hinterher

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Europas Institute hinken in der Profitabilität amerikanischen Wettbewerbern hinterher. Experten empfehlen daher, sie für das kommende Jahr weniger zu gewichten.

Die Banken haben in diesem Jahr in Rechtsverfahren 60 Milliarden Dollar oder umgerechnet 48,3 Milliarden Euro zahlen müssen. Das ist fast ein Drittel mehr als je in den beiden Vorjahren. Wie die Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) in einer am Dienstag veröffentlichten Studie weiter mitteilte, belaufen sich die Kosten aus Strafen und Vergleichen seit der Finanzkrise auf inzwischen 178 Milliarden Dollar. Dabei werden die führenden sechs Banken aus den Vereinigten Staaten und die zwölf größten Institute aus Europa, darunter die Deutsche Bank, berücksichtigt.

Nach Zählung dieser Zeitung, die auch kleinere Banken erfasst, beträgt die Summe an Strafen und Vergleichen seit der Finanzkrise mehr als 190 Milliarden Dollar. Am meisten musste die Bank of America mit gut 74 Milliarden Dollar zahlen. Dahinter folgen JP Morgan Chase mit 29 Milliarden Dollar und Citigroup mit 12 Milliarden Dollar. Die Deutsche Bank liegt mit 7,3 Milliarden Dollar auf dem sechsten Rang.

In Europa musste bislang nur die französische Bank BNP Paribas mit 9 Milliarden Dollar mehr Strafen zahlen. Grund waren dafür vor allem die Verstößte gegen amerikanische Sanktionen. Hinter den Strafen stehen vor allem die amerikanischen Aufsichtsbehörden: Die Zahlungen von 115 Milliarden Dollar, zu denen amerikanische Banken zwischen 2009 und September 2014 verdonnert wurden, gehen zu 98 Prozent auf Forderungen amerikanischer Behörden zurück. Von den 63 Milliarden Dollar, die europäische Banken an Strafen zahlen mussten, waren es 45 Prozent. In den Vereinigten Staaten wurden vor allem die verlustreichen Hypothekenanleihen geahndet.

Amerikas Banken verdienen besser

In Europa wurde es in den beiden vergangenen Jahren teuer. Wesentlicher Grund sind die Zinsmanipulationen der Referenzsätze Libor und Euribor. Auch die Hilfe zu Steuerhinterziehungen und Verstößen gegen amerikanische Sanktionen schlugen sich im Strafenregister nieder.

Trotz der höheren Strafen verdienen amerikanische Banken wieder gut, während Europas Institute zurückfallen. Zu diesen Befund kommen die BCG-Studie sowie die Analysten der Schweizer Großbank UBS. Sie empfehlen in ihrem Bankenausblick für 2015, amerikanische Institute höher zu gewichten. Dafür spreche die höhere Wachstumsdynamik in den Vereinigten Staaten. Dort erwarten die UBS-Analysten im kommenden Jahr ein Wachstum der Wirtschaftsleistung um 2,9 Prozent und für 2016 von 2,8 Prozent. Im Euroraum rechnen sie dagegen 2015 mit 1,2 Prozent und im übernächsten Jahr mit 1,6 Prozent.

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Jedoch senken sie nicht den Daumen für europäische Banken, sondern schätzen diese neutral ein. Als Nachteil werten sie das schwache Wachstum und die weiterhin bestehende Gefahr einer Deflation, also einer die Wirtschaft belastenden Preisabwärtsspirale. Dann könne sich der Druck auf die Gewinnspannen weiter erhöhen. Allerdings sehen die UBS-Analysten auch Fortschritte der europäischen Banken, vor allem in der höheren Kapitalausstattung nach den Bilanzprüfungen der Europäischen Zentralbank (EZB).

Commerzbank-Aktie? Verkaufen!

Deren jüngste Maßnahmen wie das langfristige Refinanzierungsgeschäft oder der Ankauf von Kreditverbriefungen verbesserten zwar die Finanzierungslage der Banken, führten aber nicht zu einer höheren Kreditvergabe. Wesentlicher Impulsgeber im kommenden Jahr dürfte nach Ansicht der UBS-Analysten abermals die EZB sein, wenn sie sich zu einem Ankaufprogramm für Staatsanleihen entschließen sollte. Sie empfehlen unter den europäischen Banken HSBC, ING und Swedbank. Die Commerzbank-Aktie raten die UBS-Analysten zu verkaufen. Sie halten den Titel mit 12 Euro für zu teuer und haben ein Kursziel von 8,80 Euro.

BCG kommt zu dem Ergebnis, dass die Bankenbranche erstmals nach der Finanzkrise wieder auf den profitablen Wachstumspfad zurückgekehrt sei. Jedoch gebe es regionale Unterschiede. Während die Banken in Nordamerika, Afrika und Asien Fortschritte gemacht hätten, sei in Europa noch keine Erholung zu beobachten. Das schlägt sich auch an der Börse nieder: Der KBW-Bankenindex, der sich aus 24 amerikanischen Banken zusammensetzt, hat in diesem Jahr mehr als 3 Prozent zugelegt. Dagegen ist der Euro-Stoxx-Bankenindex, dem 32 Banken aus der Eurozone angehören, nur um 0,75 Prozent gestiegen.