
Viele Privatanleger kennen sie gar nicht, doch Freenet ist die Lieblingsaktie vieler Fondsmanager. Der Dividende wegen.
Es gibt Aktien, die sind in aller Munde: Ob Siemens, Bayer oder BMW – jeder halbwegs erfahrene Fondsmanager kann zu diesen Dax-Unternehmen mühelos einen kleinen Vortrag aufsagen. Und es gibt Aktien, über die kaum jemand redet – die die Profis aber kaufen wie verrückt. Das sind meist die wirklich interessanten Werte.
Die Aktie von Freenet ist ein solcher Wert. Still und leise haben sich einige der wichtigsten Fondsmanager des Landes an dem Mobilfunkanbieter beteiligt: Der Kölner Vermögensverwalter Bert Flossbach hält rund drei Prozent der Anteile, Gleiches gilt für die Fondsgesellschaft Allianz Global Investors und den weltgrößten Geldverwalter Blackrock. Rund fünf Prozent der Aktien sind gar im Besitz von Deutschlands größter Fondsgesellschaft DWS.
Was finden all diese Profianleger nur an einer Aktie, von der viele Privatanleger noch nie etwas gehört haben dürften? Zuallererst begeistert sie ein Umstand, der in Zeiten negativer Zinsen viel wert ist: Freenet zahlt seinen Aktionären seit Jahren eine stattliche Dividende. Seit 2010 stieg die Höhe der Ausschüttung jedes Jahr deutlich an (siehe Grafik). Vermögensverwalter Flossbach sagt: „Die hohe Dividendenrendite ist der wesentliche Grund dafür, dass wir die Aktie kaufen.“ Hinter dem Begriff verbirgt sich das Verhältnis von Dividende und aktuellem Kurs: Derzeit beträgt es rund 6,5 Prozent – auch das ein stattlicher Wert.
Nun lernen aber selbst Börsenanfänger als eine der ersten Lektionen: Allein auf die Dividendenrendite sollten Anleger beim Kauf nie vertrauen. Denn sie kann schließlich auch aus dem einfachen mathematischen Grund ansteigen, dass der Kurs einer Aktie zuletzt stark eingebrochen ist. Bei Freenet ist dies aber trotz einiger Schwankungen schon länger nicht der Fall gewesen. Neben der Dividende hat die Begeisterung der Fondsmanager aber noch eine ganz andere Ursache: Sie sind vom Geschäftsmodell des Mobilfunkanbieters überzeugt. So manchen früheren Kunden dürfte das wundern. Denn in ihren Anfangsjahren musste die 1999 gegründete Firma sich immer mal wieder scharfe Kritik an ihren Verkaufsmethoden gefallen lassen.
Geschäftsmodell von Freenet ist verlässlich
Doch das Unternehmen von heute hat mit der Firma von damals nur noch wenig zu tun. Heute verkauft Freenet seinen Kunden im Wesentlichen Handyverträge der drei großen Netzanbieter Deutsche Telekom, Vodafone sowie O2 – in rund 570 Geschäften, die den Namen „Mobilcom-Debitel“ tragen (2007 hatte sich Freenet mit der Mobilfunkfirma zusammengeschlossen). Der Vorteil für Freenet: Das Unternehmen erhält für jeden Vertragsabschluss eine Provision. Der Vorteil für die Netzbetreiber: Sie können ohne eigenen Aufwand den Deutschen über Freenet neue Tarife fürs Smartphone verkaufen. Und der Vorteil für den Kunden: Er wird bei der Auswahl des für ihn passenden Tarifs beraten (so rühmen sich jedenfalls die Freenet-Leute) und erhält den Vertrag meist günstiger als bei Telekom und Co.
Nach einem innovativen Verkaufsansatz klingt das alles zwar nun gerade nicht. Was den Fondsmanagern daran gefällt, ist darum etwas anderes: Das Geschäftsmodell ist verlässlich. Denn ständig laufen Mobilfunkverträge aus (dann braucht der Kunde einen neuen), und ständig wollen die Netzbetreiber neue Tarife mit höherem Datenvolumen verkaufen. Hinzu kommt: Freenet hat kaum Konkurrenten und verkauft auch die hippen Produkte der digitalen Welt wie Fitnessarmbänder.
Trotzdem ist der Kauf der Aktie nicht ohne Risiken. Denn erstens will die Firma Drillisch Freenet in Zukunft mit eigenen Läden Konkurrenz machen. Dies könnte in einen scharfen Preiswettbewerb münden. Und zweitens gibt es seit der Übernahme von E-Plus durch Telefónica Deutschland (bekannt durch die Marke O2) weniger Netzanbieter in Deutschland – was die Verhandlungssituation von Freenet erschweren könnte.
Dennoch sollten Anleger mit etwas Nervenstärke über den Kauf der Aktie nachdenken. Denn zu Recht weisen die Analysten des Bankhauses Metzler darauf hin, dass nicht nur die Dividende die Aktie attraktiv macht. Sondern auch die simple Tatsache, dass noch längst nicht jeder Deutsche ein Smartphone besitzt.
