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Boom in China : Deutsche Autokonzerne jubeln über Rekorde

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Im laufenden Jahr haben die deutschen Autokonzerne bislang glänzende Geschäfte gemacht. Vor allem der chinesische Markt boomt. Jedes dritte Auto verkaufen die deutschen Hersteller mittlerweile dort.

Deutschlands Autokonzerne haben im dritten Quartal 2014 neue Rekordwerte bei Umsatz, Gewinn und Absatz erzielt. In allen drei Punkten konnten die deutschen Hersteller die Konkurrenz aus Fernost, den Vereinigten Staaten und aus Europa zum Teil deutlich abhängen. Der wesentliche Grund dafür ist der chinesische Markt. Dort konnten die Deutschen ihre Verkäufe um 11 Prozent erhöhen. Auch der Marktanteil erreicht im bisherigen Jahresverlauf mit 23,1 Prozent einen neues Rekordniveau. Die Zahl klingt noch immer überraschend: Im laufenden Jahr verkaufen die deutschen Autokonzerne jedes dritte Auto im Reich der Mitte. China ist damit der mit Abstand größte Einzelmarkt für die Deutschen.

Der umsatzstärkste Autokonzern der Welt ist denn auch nach wie vor Volkswagen. VW liegt mit 48,9 Milliarden Euro vor Toyota und Daimler (mit 47,3 beziehungsweise 33,1 Milliarden Euro). Beim Autoabsatz hingegen liegt weiterhin Toyota mit 2,52 Millionen verkauften Fahrzeugen in Führung – vor General Motors (2,45 Millionen) und Volkswagen (2,32 Millionen). Innerhalb des Führungstrios verzeichnete Volkswagen mit 5 Prozent den stärksten Zuwachs. Toyota behauptete mit einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von umgerechnet 4,8 Milliarden Euro beim Gewinn seine Position an der Spitze der Rangliste. Die folgenden Plätze im Gewinnranking belegen aber die deutschen Autokonzerne: Daimler mit 3,7 Milliarden Euro, Volkswagen mit 3,2 Milliarden Euro und BMW mit 2,3 Milliarden Euro. Insgesamt konnten die deutschen Hersteller ihren Gewinn um ein Drittel steigern. Die operative Gewinnmarge stieg von 7,2 auf 9,1 Prozent. Der Spitzenreiter im gesamten Ranking der profitabelsten Autokonzerne bleibt BMW: Der bayerische Autobauer steigerte die Marge von 10,3 auf 11,5 Prozent.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 16 größten Autokonzerne der Welt, welche die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY quartalsweise erstellt. „Die Maßnahmen zur Kostensenkung und die Produktoffensiven zeigen Wirkung“, wird Peter Fuß, Partner bei EY, in einer Mitteilung zu der Auswertung zitiert. „Die Gewinnmargen der deutschen Autokonzerne steigen wieder – und das, obwohl die Unternehmen massiv in neue Technologien und Produkte investieren.“ Die Bemühungen der deutschen Hersteller, ihre Kostenstruktur zu optimieren, seien damit aber längst noch nicht abgeschlossen, erwartet Fuß: „Der Kostendruck wird anhalten und sich sogar eher noch verstärken, gerade angesichts der ungewissen Konjunkturaussichten. Es spricht viel dafür, dass der Höhepunkt der weltweiten Erholung des Automobilmarktes hinter uns liegt. Jetzt kommen wieder schwierigere Zeiten.“

In Russland und Amerika läuft es nicht so gut

Sorgen bereitet vor allem der russische Markt: In den ersten drei Quartalen gingen die Verkäufe in Russland, dem sechstgrößten Absatzmarkt der Welt, um 13 Prozent zurück, allein im September sogar um 20 Prozent. „Es ist nicht nur der aktuelle Einbruch auf dem russischen Absatzmarkt, der weh tut“, sagt Fuß. Hinzu komme, dass die aktuellen Spannungen mit Russland die mittel- und langfristige Wachstums- und Investitionsstrategie vieler Unternehmen in Frage stellten: „Russland galt lange Zeit als ein sehr vielversprechender Automarkt und als beliebtes Investitionsziel internationaler Autokonzerne. Davon kann derzeit keine Rede mehr sein. Jetzt müssen die Konzerne mit ihren Investitionsplanungen darauf reagieren und eventuell sogar Überkapazitäten abbauen.“

Die wichtigste Baustelle für die deutschen Hersteller sei derzeit allerdings der Markt in den Vereinigten Staaten: „Dort verkaufen sich die deutschen Autobauer unter Wert.“ Ihr Marktanteil auf dem Pkw-Markt betrage nur 7,8 Prozent (Vorjahr: 8,5 Prozent), und er sinke weiter. „In den Vereinigten Staaten drohen die deutschen Autokonzerne Wachstumschancen zu verpassen. Bislang hat der Erfolg in China die Schwäche überdeckt. Sollte sich aber das Wachstum in China abschwächen, könnte sich die geringe Präsenz der deutschen Autobauer auf dem amerikanischen Markt bitter rächen“, sagt Fuß.

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Noch lebt die Branche aber gut mit und von China: Nicht zuletzt dank China konnten die 16 größten Autokonzerne der Welt allesamt ihre Verkäufe im dritten Quartal um 3 Prozent steigern- die deutschen Hersteller schafften aber sogar ein Plus von 5 Prozent. Zu viel Jubel ist aber wohl auch nicht angebracht. Denn das Marktwachstum lag damit niedriger als im zweiten Quartal mit einem Plus von 4 Prozent und deutlich unter dem Zuwachs des ersten Quartals (plus 7 Prozent). Die Automobilkonjunktur schwächt sich insgesamt also eindeutig ab. Das Nachlassen des Marktwachstums spüren dann auch die deutschen Autobauer, die ihre Verkäufe im ersten Quartal noch um 8 Prozent hatten steigern können und im zweiten Quartal noch ein Plus von 6 Prozent erzielten. Im dritten Quartal legten sie nur noch um 5 Prozent zu, übertrafen damit aber die Konkurrenz aus Frankreich und Südkorea (jeweils plus 3 Prozent) sowie diejenige aus den Vereinigten Staaten und Japan (jeweils plus 2 Prozent) deutlich.