
Google zeigt mit dem neuen Tablet Nexus 9, was das neue Android Lollipop kann. Sony hat das Xperia Z sinnvoll auf acht Zoll geschrumpft. Die zwei Android-Tablets im Test.
Es ist an der Zeit, die Sinnfrage zu stellen. Was soll ein Tablet sein? Sehr dünn, extrem leicht oder wahnsinnig schnell? Apple sucht weiterhin den Superlativ, nennt das iPad Air 2 das „dünnste Tablet der Welt“. Geht das jetzt so weiter? Das Google Nexus 9 und das Sony Xperia Z3 sind zwei Tablets mit unterschiedlichen Konzepten. Sony folgt dem Trend. Doch ausgerechnet Google präsentiert ein Gerät, das bei dieser hektischen Show der Superlative bewusst nicht mitmacht.
Das Nexus 9 wird von HTC für Google produziert und ist weder besonders leicht noch extra dünn. Sein Rahmen besteht aus Aluminium, der Rücken aus Kunststoff. Kein Superlativ in Sicht. Man hält es vor sich und meint, nichts Besonderes in den Händen zu halten. Der Eindruck ändert sich schnell. Nach dem Anschalten wird das ausgeruhte Äußere durch ein entspanntes und ästhetisch aufgeräumtes Android ergänzt: die Version 5 mit dem Namen Lollipop.
Das Betriebssystem ist das eigentliche Pfund des Nexus 9. Google hat mit Android Lollipop vieles richtig gemacht. Das Betriebssystem ist nun endlich wie aus einem Guss, es wirkt aufgeräumt, übersichtlich und leicht.
Das Google Nexus 9 und Sony Xperia Z3 compact Bilderstrecke
Das liegt unter anderem am neuen „Material Design“, wie Google es nennt. Im Wesentlichen sind das Schatteneffekte und starke Kontraste, farbige Elemente, eine Tastatur ohne Tastenoptik, kantiges Design und verbesserte Ansichten im Kalender. Der Unterschied zur Vorgängerversion 4.4 (KitKat) ist schön bei der Multitasking-Ansicht zu sehen. Die geöffneten Apps reihen sich wie Karteikarten hintereinander und lassen sich fließend hin- und herschieben. Überhaupt hat man den Eindruck, dass die Bewegungen beim Scrollen und Wischen flüssiger geworden sind.
Außer der veränderten Anmutung hat Google neue Funktionen hinzugefügt. So sind Benachrichtigungen auf dem Lockscreen zu lesen. Welche Nachrichten erscheinen sollen, ist konfigurierbar. So kann man etwa einstellen, dass „sensible Benachrichtigungsinhalte“ bei gesperrtem Gerät nicht zu sehen sind. Wie bisher kann man sie auch aufrufen, indem man mit dem Finger von oben nach unten wischt. Neu ist, dass mit einem zweiten Wisch nach unten die Schnelleinstellungen darüber eingeblendet werden. Praktisch: der „Priority-Modus“ – wer wann stören darf, lässt sich über die Laut-und-Leise-Tasten ändern.
Nun ist das flüssige Arbeiten in Android Lollipop sicherlich auch der Hardware zu verdanken. Im Nexus 9 steckt der schnelle 64-Bit-Prozessor Nvidia Tegra K1 mit 2,3 Gigahertz, der vor allen Dingen eine starke Grafikleistung vorweisen kann. Im Benchmark-Test mit „Geek Bench 3“ kam das Nexus-Gerät auf respektable 3374 Punkte im Multi-Core-Score und schlug das Sony Xperia Z3 mit 2700 Punkten locker. Am neuen iPad Air 2 kommt das Google-Tablet allerdings nicht vorbei. Dieses erreicht im gleichen Benchmark-Test 4516 Punkte.
Noch mit der „alten“ Android-Version
Das neue Tablet von Sony kommt leider noch mit der Android-Version 4.4 (Kitkat). Ansonsten liegt es voll im Trend. Das Xperia Z3 Compact hat ein nur acht Zoll großes Display, das es sehr handlich macht. Zudem ist es 270 Gramm leicht und mit 6,4 Millimeter sehr dünn und nur 0,3 Millimeter dicker als das iPad Air 2. Es lässt sich gut wie ein Buch halten, also zwischen Daumen und Zeigefinger greifen. In eine Hand passt es aufgrund seiner Maße sowieso, was beim Nexus 9 gerade noch so geht, obwohl es nur knapp ein Zoll größer ist.
Natürlich ist es auch nach IP65/68-Norm bis zu einer Tiefe von 1,5 Meter, wasserdicht. Sony hatte mit den Xperia-Smartphones diesen Trend erfolgreich eingeleitet. Wasserdichte Tablets gibt es allerdings sehr wenige. Das Z3 hat einen weiteren Vorteil. Man kann mit ihm telefonieren. Viele werden zwar zögern, sich so ein Frühstücksbrettchen ans Ohr zu halten. Mit einem Bluetooth-Headset am Ohr und dem Tablet in der Tasche sieht das akzeptabel aus.
Weil es einfach handlicher ist, greift man wohl doch häufiger zu einem Tablet wie dem Z3, um Fotos zu schießen. Und erwischt dabei sogar die bessere Kamera. Beide Tablets haben mit 8 und 8,1 Megapixel nahezu die identische Auflösung, dafür gelingen mit dem Sony-Tablet die besseren Bilder. Sie sind vor allem bei Außenaufnahmen in diesen Novembertagen schärfer, kontrastreicher und bezüglich Farben neutraler.
In Räumen mit wenig Licht schrumpft der Unterschied etwas. Die Z3-Aufnahmen sehen zwar immer noch schärfer aus, rauschen allerdings mehr. In der Darstellung von Bildern überzeugen HTC und Sony. Beide Schirme haben nahezu die gleiche Pixeldichte. Das Nexus hat eine Auflösung von 2048 × 1536 Pixel bei einem 8,9-Zoll-Display, das Z3 1920 × 1200 Pixel bei einer 8-Zoll-Bildschirmdiagonale. Sie sind scharf, kontrastreich und farbintensiv.
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In Sachen Gestaltung hält Sony an seinem Xperia-Design weitestgehend fest. Und das ist gut so. Das Z3 gefällt mit seinen abgerundeten Kanten, dem auffälligen An/Aus-Knopf, der zentriert sitzenden Hauptkamera und dem griffigen Kunststoff der Rückseite. Die ist rauher als die des Nexus 9, was dazu führt, dass Fingerabdrücke eher zu sehen sind. Das Google-Tablet hingegen ist unauffällig, dadurch auch irgendwie elegant und schön.
Das Nexus 9 ist günstiger als das vergleichbare iPad Air 2. Für 400 Euro bekommt man die 16-GB-Variante ohne Mobilfunk, für 570 Euro 32 Gigabyte inklusive LTE-Modul. Das Xperia Z3 entspricht in etwa den Preisen des iPad Mini 3. Bei 380 Euro geht es los. Damit ist das Google-Tablet das attraktivere Angebot, weil es auch dank Android Lollipop eine echte Alternative zu Apples iPad ist.
