
Nach dem Verkauf seiner Handysparte konzentriert sich der finnische Konzern auf den Aus- und Aufbau von Mobilfunknetzen. Mit dem neuesten Produkt, einem Tabletcomputer, knüpft er an alte Zeiten an.
Von Apple lernen heißt siegen lernen, hatte man sich bei Nokia wohl gedacht, und dem Duktus der Kalifornier entsprechend eine mysteriöse Ankündigung ins Netz gestellt. Über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreiteten die Finnen neben dem Datum „18.11.14“ das Bild einer schwarzen Schachtel mit dem eigenen Firmennamen darauf. „We’re up to something“ – wir haben etwas vor, hieß es dazu ebenso geheimnisvoll wie vielversprechend.
Am Dienstag wurde das Rätsel aufgelöst. Die Auflösung ist zwar nicht weltbewegend, aber doch überraschend. Denn rund ein halbes Jahr, nachdem Nokia seine problembehaftete Handysparte an Microsoft verkaufte, will das Unternehmen mit einem Tabletcomputer wieder Geschäfte mit Privatkunden machen. Die Finnen präsentierten hierzu das Modell Nokia N1: Dabei handelt es sich um ein 7,9 Zoll großes Tablet, das zumindest von den Dimensionen her dem iPad mini ähnelt. Während jedoch der kleine Apple-Konkurrent für Preise von 389 Euro an zu haben ist, kostet das N1 nur 249 Dollar plus Steuern. Zunächst soll es im ersten Quartal 2015 in China zu kaufen sein, weitere Märkte sollen folgen.
Eine weitere Überraschung ist die Abwendung vom einstigen Kooperationspartner. Nokia hatte rund drei Jahre lang unter Führung des einstigen Microsoft-Managers Stephen Elop seine Mobiltelefone mit einer Handyversion von Windows laufen lassen und sich dafür auch Kritik eingefangen. Nun setzt Nokia wieder auf Massenkompatibilität. Das N1 läuft mit Googles Betriebssystem Android, dem klaren Marktführer im Mobilbereich.
Nokia konzentriert sich weniger auf Industriekunden
Mit dem neuen Tablet verlässt Nokia ein wenig seinen bisherigen Strategiepfad. Der nämlich war geprägt von der Konzentration auf Industriekunden. Der massiv verschlankte Konzern bedient heute in erster Linie Mobilfunkunternehmen. Rund 90 Prozent des Umsatzes kommen aus Geschäften rund um den Auf- und Ausbau von Mobilfunknetzen. Vor allem vom Wechsel der Anbieter zur vierten Funkgeneration LTE versprechen sich die Finnen einiges. Zuletzt konnte Nokia hier einige Erfolge melden, darunter einen Auftrag von China Mobile über knapp eine Milliarde Dollar. Ein weiteres Standbein ist der Kartendienst Here: Das Unternehmen liefert digitale Kartendaten an Amazon, Microsoft und Yahoo und ist in vier von fünf Autonavigationssystemen präsent.
Das Geschäft mit Tabletcomputern scheint da nur ein Nebenschauplatz zu sein. Denn anders als früher, als Nokia noch eigene Handy-Fabriken besaß, stellt das Unternehmen nun hauptsächlich den Markennamen zur Verfügung sowie sein technisches Know-how im Rahmen eines Lizenzgeschäfts. Für Entwicklung, Vermarktung und Service sei der chinesische Produktionspartner zuständig, hieß es. Nach Brancheninformationen soll es sich dabei um den Auftragsfertiger Foxconn handeln, der sich vor allem als iPhone-Hersteller einen Namen gemacht hat.
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Interessant ist dabei vor allem, dass man davon ausgeht, dass die Marke Nokia für die private Kundschaft noch ihren Reiz hat. Microsoft sieht das anders: Der Softwarekonzern vermarktete seine zugekauften Smartphones und Tablets der Marke Lumia zunächst auch unter dem Nokia-Namen. Inzwischen wurde er jedoch zu Gunsten von „Microsoft Lumia“ aussortiert. Bei Nokia dagegen betonte Produktchef Sebastian Nystrom jetzt: „Wir freuen uns, mit dem N1-Android-Tablet die Marke Nokia wieder zurück in die Hände der Konsumenten zu bringen.“ Es handele sich um ein großartiges Gerät für Nokia-Fans und für alle, die noch nicht den richtigen Android-Tabletcomputer gefunden hätten.
Nokia war lange der unangefochtene Marktführer im Handy-Geschäft. Anfang 2011 entschied sich der Konzern bei der Auswahl des neuen Betriebssystems für Microsofts Windows Phone statt Android. Die Marktanteile der Smartphones und Tablets blieben danach trotz großer Marketinganstrengungen gering. Im September 2013 kündigte Microsoft die Übernahme von Nokias Gerätesparte für rund 3,8 Milliarden Euro an und zahlt weitere 1,5 Milliarden Euro in einem Patentdeal.
