
Apple will noch mehr iPads verkaufen. Also lockt man die Kunden mit noch dünneren und schnelleren Tablets. Doch dieses Feintuning ist ausgereizt. Die Gerätegattung hat ihre Grenze längst erreicht.
Es gibt einen Plattenspieler, der seit über 40 Jahren gebaut und verkauft wird. Der LP12 von Linn hat sich in dieser Zeit äußerlich wenig verändert, lediglich im Inneren hat man an den richtigen Stellen hier und da verbessert. Hektik und Schnellschüsse kennen die Schotten nicht. Und so ist dieser Plattenspieler eine Legende geblieben, die zum besten ihrer Gattung gehört und sich nach wie vor blendend verkauft.
Warum funktioniert so etwas nicht in der Tablet-Welt? Das Erstaunliche an der relativ jungen Gattung „Tablet“ ist eigentlich, dass sie schon jetzt eine gewisse ästhetische und technische Sättigung ansteuert. Viel schicker, dünner, leichter und schneller können sie nicht mehr werden. Und sie müssen es auch nicht. Weil sie den Zweck, den die Hersteller selbst definiert haben, nämlich als Ersatz für den klassischen PC oder Notebook zu dienen, längst erfüllen.
Dennoch wetteifern sie immer weiter: Mit einer immer höheren Frequenz wechseln sich Apple, Samsung und Sony ab, um dünnere, leichtere, hochauflösendere Geräte auf den Markt zu bringen. Wer den Keynotes, Präsentationen und Videos der Hersteller folgt und bereits im Besitz eines Tablets ist, muss jedes Mal das Gefühl bekommen, dass er ein langsames, schweres, uraltes Modell in seinen Händen hält.
Und auch das Gefühl, sich von der Altlast befreien zu müssen, indem er sich endlich ein modernes Modell kauft. So hätten es die Hersteller gern und erstaunlicherweise funktioniert es auch. Auf vielen Wunschlisten für Weihnachten wird das iPad Air 2 oder iPad Mini 3 auftauchen, auf einigen auch der neue iMac. Oder ein Samsung Galaxy Tab S. Oder ein Sony Xperia Z3.
Keiner wird sein Geschenk nach dem Auspacken mit dem dann „alten“ Tablet vergleichen. Täte er es, würde er feststellen, dass das neue und das alte iPad Air beide schnell und dünn sind. Es taugt zum Mailen, Surfen und Lesen genauso wie zum Video schauen und Bilder betrachten. Tim Cook hat doch auf der Keynote selbst gesagt, dass die Kunden „hundert Prozent“ zufrieden sind mit ihrem iPad. Wenn sie das wirklich sind, warum sollten sie sich ein neues kaufen?
Als die Zeit noch reif war
Es gab eine Zeit im Computerbereich, als man sehnlichst darauf wartete, dass die Notebooks nicht mehr klappern, der Computer in Sekunden und nicht Minuten hochfährt, die Tastatur sanftes Schreiben ermöglicht und die Pixel auf dem Monitor nicht mehr zu zählen sind. Und die ersten Smartphone-Besitzer mussten auch sehr geduldig und nachsichtig sein. Sonst hätten sie ihr Gerät gleich wieder in die Ecke geworfen.
Nun stehen natürlich viele Hersteller als Wirtschaftsunternehmen per se unter dem Druck, neue Produkte zu präsentieren, um entsprechend mehr zu verkaufen. Und diesem Anspruch ist es sicherlich auch zu verdanken, dass wir in so kurzer Zeit so gute Produkte vorgesetzt bekommen haben. Apple hatte es zudem geschafft, dieses wirtschaftliche Ziel durch neue, innovative Produkte zu erreichen. Und mit der Apple Watch könnte dies einmal mehr gelingen.
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Doch Tim Cooks sich wiederholende Sätze bezüglich iPad während der Keynotes drücken eine gewisse Ideen- und Hilflosigkeit aus. Denn die Summe ständiger Steigerungen hat zur Folge, dass die Sprünge kleiner werden. Das iPad Air 2 sei das dünnste Tablet der Welt, sagte Cook und verwies auf die Maße von 6,1 Millimeter. Das Sony Xperia Z3 ist im Übrigen 6,4 Millimeter „dick“. Sind es 0,3 Millimeter weniger wert, dass man dafür noch einmal mehrere hundert Euro ausgibt? Für einige Millionen Apple-Fans wohl schon.
Da wünscht man sich doch auch im Computerbereich eine Legende wie den LP12, der gut war, gut ist und gut sein wird. Seit 40 Jahren. Und ein Ende ist nicht abzusehen.
Apple stellt neues iPad vor
