
Die Überwachungskamera Smart Cam HD Pro schießt Aufnahmen in Full-HD-Auslösung. Sie ist schnell in Betrieb genommen. Einiges ist jedoch nicht ganz ausgereift.
Richtig gut sieht das nie aus, was die typische Überwachungskamera für Haus und Hof meist in VGA-Auflösung mit 640 × 480 Pixel aufzeichnet. Ist der Einbrecher von der besonders schnellen Truppe, verschwindet der Übeltäter im Nebel der Bewegungsunschärfe. Fahndungsfoto? Fehlanzeige.
Wer seinen ungebetenen Besuch in knackscharfen Details porträtiert sehen möchte, sollte sich die Smart Cam HD Pro von Samsung ansehen. Sie schießt überzeugende Aufnahmen mit 1080p Full HD, und dank einer ebenfalls ausgezeichneten Weitwinkeloptik über 128 Grad reicht selbst für große Räume ein einziges Gerät aus.
Die smarte Kamera von Samsung ist keine IP-Kamera wie die große Mehrheit ihrer Kollegen. IP-Kameras sind universell einsetzbar. Man nutzt seinen eigenen Router, seinen eigenen FTP-Server zum Hochladen von Fotos und Videos und seinen E-Mail-Server für Alarmmeldungen. Allerdings ist der Weg zu einer solchen Überwachungsanlage steinig und verlangt gute Netzwerkkenntnisse für die Inbetriebnahme und Programmierung.
Der Anschluss des Kabels an der Kamera erfolgt leider nicht mit USB, sondern mit einer Klinkenbuchse
Die Samsung hingegen ist schnell in Betrieb genommen und lässt sich im Web-Browser sowie mit Apps für iOS und Android bedienen. Das Gehäuse der weißen Kamera wirkt etwas billig, und das Standfüßchen ist viel zu leicht. Ein externes Netzteil ist dabei, der Anschluss des Kabels an der Kamera erfolgt leider nicht mit USB, sondern mit einer Klinkenbuchse.
Die Einrichtung lässt sich wahlweise im Web-Browser am PC (mit einem zusätzlich zu installierenden Plugin) oder am Smartphone vornehmen und setzt voraus, dass alle Beteiligten ins gleiche W-Lan eingebucht sind. Die Samsung-Software kann in einem Account mehrere Kameras verwalten, jede einzelne lässt sich mit einem Kennwort schützen.
Zur Auslösung eines Alarms dient eine Automatik, die selbst in der unempfindlichsten Stufe das Gras wachsen hört und sieht
Aus der Ferne kann man mit Smartphone oder Browser in die Wohnung hineinsehen oder zurückliegende Alarmereignisse betrachten. Zur Auslösung eines Alarms dient eine Automatik, die selbst in der unempfindlichsten Stufe das Gras wachsen hört und sieht. Sich vor dem Haus im Wind leicht bewegende Äste eines Baums reichten bereits aus, um den Alarm auf den Weg zu bringen. Zur Überwachung des schlafenden Kindes ist die Smart Camera angesichts der damit unvermeidlichen Fehlalarme ungeeignet.
Schade eigentlich, denn auch im Nachtsichtmodus holt sich die Optik beste Noten mit gelungenen Aufnahmen, und die Option, vom Smartphone aus in den Raum hineinzusprechen, ist für eine Babykamera ideal. Hier wurde eine Chance vertan. Der Alarm wiederum wird mit Push-Nachrichten ans Smartphone geschickt. Das ist nichts Ungewöhnliches, aber auch hier arbeitet die Samsung wie ein Weltmeister. Nimmt sich die Software anderer Kameras dafür typischerweise 20 bis 60 Sekunden Zeit, donnern die Push-Nachrichten aus Korea in nahezu Echtzeit aufs Gerät. Nicht zuletzt verdient der durchweg stabile Betrieb im heimischen W-Lan-Netz mitsamt Repeater ein Lob.
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Einiges ist jedoch nicht ganz ausgereift: Eine Videoaufzeichnung der Alarme gibt es nur auf der Micro-SD-Karte, die ins Gerät gesteckt wird. Nimmt der Einbrecher die Kamera mit, ist das Beweismaterial weg. Andere Systeme laden automatisch alle Aufzeichnungen in einen Cloud-Speicher oder zu einem FTP-Server hoch. Diese Funktionalität fehlt. Es ist nur vorgesehen, dass man Alarmfotos zu Google hochladen kann. Allerdings muss man dazu sein Google-Kennwort im Klartext in der App eingeben, was aus Sicherheitsgründen inakzeptabel ist.
Man richte sich also nur für die Kamera ein neues Google-Konto ein. Bei seinen neueren Modellen wie der Smartcam-Indoor-Kamera, die aber nur mit bescheidener VGA-Auflösung abbildet, bietet der Hersteller ein Hochladen nach Youtube an. Warum Cloud-Dienste mit mehr Privatsphäre nicht unterstützt werden, bleibt uns unverständlich. Insgesamt hat uns die Smartcam, die für rund 160 Euro erhältlich ist, gut gefallen, sie lief über Wochen hinweg störungsfrei. Nur muss man mit der Aufstellung etwas experimentieren, um zu viele Fehlalarme durch kleinste Bewegungen im Haus zu vermeiden.
