
Caroline Issa, eine der am besten gekleideten Frauen der Welt, über ihr Leben als Street-Style-Star, ihre Arbeit als Modeberaterin und die Kommerzialisierung des Stils.
Frau Issa, die wichtigste Frage zuerst: Was tragen Sie heute?
Einen hellblauen Hosenanzug aus der Damenkollektion von Alessandra Facchinetti für Tod’s. Der Schmuck ist von Monica Vinader. So einfach kann ein Look sein!
Sind Sie denn heute schon fotografiert worden?
Ehrlich gesagt: nein.
Wie kommt das denn?
Es ist ein Bürotag. Halt, doch, ich wurde fotografiert. Ich war zum Lunch mit Yasmin Le Bon, dem Model, und ihrer Tochter Amber Le Bon, die auch ein tolles Model ist, und Jemma Kidd, die mit dem Earl of Mornington verheiratet ist – also mit wunderbaren Londoner Frauen.
Ladies’ Lunch?
Ja. Für Monica Vinader, daher der Schmuck. Und daher wurde ich dort auch fotografiert.
Wie lange dauert es morgens, bis Sie fertig angezogen sind?
Nicht lange genug! Ich brauche meinen Schlaf. Daher denke ich immer am Abend zuvor über mein Outfit nach. Ich beginne bei den Füßen und kleide mich gedanklich nach oben. Für heute habe ich rote High Heels ausgewählt, sehr feminin, dazu passt etwas Maskulines. Wenn die Schuhe klobig sind, suche ich ein leichtes Kleid aus.
Sneaker gehen hier gar nicht: Zu den Schauen (hier in Mailand, September 2012) kommt Caroline Issa außer vielleicht in New York grundsätzlich in High-Heels. Bilderstrecke
Wie viele Schuhe haben Sie denn zu Hause?
Zu viele. Mindestens 200 Paar. Ich brauche Stauraum. Von meinen Kleidern behalte ich nur die wichtigen, alles von Stefano Pilati für Yves Saint Laurent zum Beispiel.
Wovon hängt denn die Garderobe sonst noch ab?
Von Wetter, Stimmung, Anlass. Wenn ich zur Arbeit gehe, brauche ich einfache Kleider oder Hosenanzüge. Heute war ich bei der Bank, dann beim Lunch, jetzt beim Interview, dann im Büro, dann zum Dinner – da brauche ich etwas, das im Trend ist, aber eben zweckmäßig.
Sind Zehn-Zentimeter-Absätze praktisch?
Okay, ich gebe es zu… Diese sind übrigens von Bionda Castana, auch einer jungen Britin. Die kreative Power in London ist riesig, es sind aufregende Zeiten: Denken Sie an Christopher Kane, Erdem, Roksanda Ilincic, Jonathan Saunders! Zu schweigen von Paul Smith und Burberry.
Lassen Sie uns mit ein paar Lebensdaten beginnen.
Geboren wurde ich 1977 in Montreal, meine Mutter ist eine Chinesin aus Singapur, der Vater meines Vaters ist Libanese, die Mutter meines Vaters Perserin.
Und was bedeutet Ihr Nachname?
Issa ist aus dem Arabischen und heißt Jesus. Schön, oder?
Wo haben sich Ihre Eltern denn kennengelernt?
In Österreich, auf einer Hotelfachschule bei Zell am See. Als mein Vater eine Stelle im „Four Seasons“ in Kanada bekam, schrieb er einen Brief nach Singapur und hielt um die Hand meiner Mutter an. Geheiratet haben sie in Montreal. Mein Vater war dann im Immobiliengeschäft. Jetzt sind meine Eltern in Rente und genießen das Leben.
Und wann haben Sie den Hang zur Mode entwickelt?
Ich habe als Jugendliche Modemagazine verschlungen. Vielleicht kommt die Leidenschaft von meinem Vater, der viel Wert auf sein Äußeres legt. Er wuchs in Beirut auf, dem Paris des Ostens, wie man damals sagte. Auch meine Großmutter dort war äußerst elegant. Und als ich 14 Jahre alt war, wurde ich in der U-Bahn in Montreal angesprochen, ob ich nicht Model werden wolle.
Da waren sie also noch sehr jung.
