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Marktbericht: Konjunkturängste vernichten Dax-Gewinn eines Jahres

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Der deutsche Leitindex Dax ist am Freitag mit einem Minus von mehr als 2 Prozent aus dem Handel gegangen. Im Verlauf fiel er zeitweise auf ein Zwölf-Monats-Tief von 8788,2 Punkten. Auch Dow und Nasdaq verloren.

Aus Furcht vor einbrechenden Unternehmensgewinnen sind Anleger am Freitag in Scharen aus den internationalen Aktienmärkten geflohen. Dies drückte den Dax zeitweise auf ein Zwölf-Monats-Tief von 8788,2 Punkten. Alle 30 Dax-Werte schlossen im Minus. „Es graut jedem vor der anstehenden Quartalssaison“, sagte ein Börsianer. Fondsmanagerin Caroline Vincent von Cavendish Asset Management warnte jedoch vor überhasteten Verkäufen. Je trüber die Konjunkturaussichten, desto größer würden die Chancen zusätzlicher Geldspritzen der Europäische Zentralbank (EZB). Der deutsche Leitindex verabschiedete sich mit einem Minus von 2,4 Prozent bei 8788,8 Punkten in den Feierabend. Im Vergleich zur Vorwoche büßte er 4,4 Prozent ein. Der Euro Stoxx50 gab am Freitag um 1,7 Prozent auf 2991,50 Zähler nach.

Wegen der westlichen Sanktionen gegen Russland dürften die Quartalsergebnisse der europäischen Firmen tendenziell schlecht ausfallen, prognostizierte Daniel Zindstein, Portfoliomanager des Vermögensverwalters Gecam. In den Vereinigten Staaten müsse dagegen wegen der jüngsten Dollar -Aufwertung mit pessimistischen Ausblicken gerechnet werden. „Da viel Geld in die Aktien dieser Unternehmen geflossen ist und damit die Bewertung und Erwartungshaltung recht hoch sind, braucht es nicht viel, um für Enttäuschungen zu sorgen.“ Einen Vorgeschmack lieferte Microchip Technology. Das Unternehmen hatte ein Quartalsergebnis unter Markterwartungen bekanntgegeben und vor einem Abschwung des gesamten Chip-Sektors gewarnt. Die Microchip-Technology-Warnung schickte Infineon auf Talfahrt.

Die Aktien des deutschen Halbleiter-Produzenten waren mit einem Minus von 6,8 Prozent Schlusslicht im Dax. Die Papiere des französisch-italienischen Konkurrenten STMicro rutschten um 5,7 Prozent ab. Microchip Technology brachen an der New Yorker Börse sogar um 12,3 Prozent ein. Intel verbilligten sich um 4,1 Prozent.

Rohstoffe ebenfalls unter Druck

Die Rohstoffmärkte litten unter den Nachwehen des Einbruchs der deutschen Industrieproduktion. „Wenn die bisherige Wachstumslokomotive Deutschland in die Rezession rutscht, ist es schwer vorstellbar, dass Italien, Spanien oder Frankreich den europäischen Konjunktur-Karren aus dem Dreck ziehen“, sagte ein Börsianer. Der Euro verbilligte sich auf 1,2629 Dollar von 1,2689 Dollar zum New Yorker Vortagesschluss. Spekulationen auf eine rückläufige Nachfrage drückten den Preis für die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um bis zu 2,2 Prozent auf ein Vier-Jahres-Tief von 88,11 Dollar je Barrel (159 Liter). Das amerikanische Öl WTI rutschte in der Spitze sogar um 2,5 Prozent ab und notierte mit 83,59 Dollar auf dem niedrigsten Stand seit Juli 2012.

Das wichtige Industriemetall Kupfer verbilligte sich um 1,1 Prozent auf 6643 Dollar je Tonne. Im Sog der fallenden Rohstoffpreise gerieten Ölförderer und Minenbetreiber unter Verkaufsdruck. An der Londoner Börse verloren Royal Dutch Shell und Tullow Oil sowie die Erzförderer Antofagasta, Rio Tinto und BHP Billiton zwischen 2,4 und 7,9 Prozent.