
LGIM, die Vermögensverwaltung des britischen Versicherers Legal & General, bietet seit Juli diesen Jahres Publikumsfonds in Deutschland an. Die Gesellschaft setzt auf Aktienindexfonds, aktiv gemanagten Rentenfonds, besonders Hochzinsanleihenfonds.
Manche kommen etwas später. Das große Projekt, das LGIM, die Vermögensverwaltung des britischen Versicherers Legal &- General, derzeit verfolgt, heißt: Expansion nach Europa. Bis vor wenigen Jahren noch hatte sich das Unternehmen fast ausschließlich auf die Britischen Inseln beschränkt, wo es vor allem Pensionsfonds verwaltet. Erst 2006 wurde eine Tochtergesellschaft in den Vereinigten Staaten gegründet, 2012 ein Büro in Hongkong, und seit Juli dieses Jahres werden die Publikumsfonds der Gesellschaft nun auch in Deutschland angeboten.
Angelegt wird das Vermögen der Gesellschaft von mehr als einer halben Billion Euro derzeit zur Hälfte in Aktienindexfonds und zur anderen Hälfte in aktiv gemanagten Rentenfonds. Unter denen kommt den Hochzinsanleihenfonds in der aktuellen Niedrigzinsphase große Bedeutung zu. Martin Reeves leitet bei LGIM die Abteilung für Hochzinsanleihen. Hochzins ist derzeit natürlich relativ: Auf 3,2 Prozent beläuft sich aktuell die Rendite der besten europäischen „High Yields“ der Rating-Gruppe „BB“. Es ist noch keine drei Jahre her, da brachten europäische Staatsanleihen diesen Ertrag. „Durch die lockere Geldpolitik weltweit sind die Zinskupons deutlich gegenüber früheren Zeiten gesunken“, sagt Reeves. „Aber die Erträge sind allemal noch besser als die von Staatsanleihen. Wir verzeichnen großes Interesse bei den Anlegern.“
Hochzinsanleihen sind allerdings ein zyklisches Investment und damit nicht ohne Risiken. Die Emittenten der Anleihen zahlen die hohen Zinsen nicht umsonst. In unregelmäßigen Abständen steigt die Zahl der Unternehmen, die ihre Anleihen nicht bedienen können, deutlich an, was für die Anleger zumeist entsprechend herbe Verluste bedeutet. Da möchte niemand zur Unzeit anlegen. „Die Frage ist: Wie weit ist der Zyklus fortgeschritten?“, sagt Reeves und hat die Antwort gleich parat. Die Wahrscheinlichkeit sinke, dass es vermehrt zu Zahlungsausfällen komme. Zum einen nähmen mit den fallenden Zinsen auch die Finanzierungskosten und damit die Belastung der Unternehmen ab. Zum anderen stiegen die Ausfallraten am Markt für Hochzinsanleihen zumeist dann, wenn eine wirtschaftliche Boomphase zu Ende gehe. Davon könne derzeit aber keine Rede sein. Reeves ist daher zumindest auf Jahressicht optimistisch. „Die Renditeaufschläge für Hochzinsanleihen haben noch keine Tiefststände erreicht, sie können noch weiter sinken. Wir haben wenigstens noch 12 gute Monate vor uns.“
Anlagechancen bei Aktien englischer Einzelhändler
Wenn es um die Auswahl von Anleihen geht, vertraut Reeves grundsätzlich auf die eigene Nase. Besser gesagt, auf den eigenen Verstand und den seines Teams. Denn er setzt beim Investieren auf Erkenntnisse der Verhaltensökonomie. „Märkte sind zu 90 Prozent effizient. Die übrigen 10 Prozent werden durch Emotionen bestimmt. Dies führt zu Vorurteilen. Wenn aber der Markt zu pessimistisch ist, schafft das Gelegenheiten“, erläutert er. Reeves vergleicht seinen Investmentstil mit einem Klippenspringer in Acapulco. „Sie müssen dann springen, wenn das Wasser gerade am tiefsten steht, obwohl sie instinktiv genau dann davor zurückschrecken würden.“ Es gehe darum, die vorgefassten Meinungen des Marktes zu erkennen. Genau aus diesem Grund spielen die Analysen der Ratingagenturen bei LGIM auch keine Rolle. „Die Analysen verankern die Erwartungen und Sorgen der Investoren. Dadurch sind diese in den Preisen der Anleihen enthalten. Man muss selbst Risiken und Chancen identifizieren.“ Weil aber natürlich kein Mensch gegen emotionale Fehleinschätzungen gefeit ist, werden Investment-Entscheidungen im Team getroffen. Die Besprechung im Team soll helfen, die eigenen Ansichten auf emotionale Urteile hin zu kontrollieren und gegebenenfalls zu korrigieren.
Anlagechancen gebe es derzeit vielerorts: Englische Einzelhändler etwa seien interessant, da die Branche derzeit starkes Wachstum verzeichne. In den Vereinigten Staaten setzt Reeves aktuell auf Ölproduzenten. Erdgas-Unternehmen hält er dagegen für uninteressant. Hier gebe es ein Überangebot. Doch auch Schwellenländer hat der LGIM-Manager im Blick. Chinesische Unternehmen würden derzeit von der Regierung im Ringen um mehr Effizienz unterstützt. Das verbessert ihre Bonität, was ihre Anleihekurse zu stützen vermag.
Der kommende Markt sei Afrika, derzeit vor allem noch Südafrika. In fünf Jahren werde der Kontinent eine bedeutende Rolle auf dem Markt für Hochzinsanleihen spielen. Weniger interessant seien dagegen die vielerorts so begehrten Kabelnetzbetreiber. „Die sind viel zu gut analysiert. Alle guten Nachrichten sind eingepreist, die Renditen niedrig. Damit haben sie ein potentielles Abwärtsrisiko.“
