Unternehmen

Amerikas Konzerne laufen den Europäern davon

• Bookmarks: 17


Die Dominanz der großen amerikanischen Unternehmen wächst – insbesondere in der IT-Branche. Nur in der Autobranche können die Europäer noch Paroli bieten.

Im prestigeträchtigen Golfsport konnten die Europäer mit dem Gewinn des Teamwettbewerbs Ryder-Cup jüngst einen Erfolg gegen Amerika feiern. Ansonsten hat der alte Kontinent im transatlantischen Vergleich derzeit aber wenig Grund zum Jubeln – schon gar nicht, wenn es um die Stärke der jeweiligen Großindustrie geht. Denn Amerikas Konzerne bauen ihren Vorsprung in den Bilanzen kontinuierlich aus, wie eine Studie der Beratungsgesellschaft EY (vormals: Ernst &amp- Young) belegt.

Stärker im Umsatzwachstum, besser in der Profitabilität und zudem ganz klar vorne in der digitalen Wirtschaft – Europa muss dringend aufholen, resümiert Studienautor und EY-Partner Markus Thomas Schweizer. Amerikas Top-Konzerne profitieren von der Erholung ihrer eigenen Konjunktur, den günstigen Finanzierungs- und Energiekosten und ihrer starken Position im Technologiesektor. Europas Konzerne leiden dagegen unter der Konjunkturschwäche ihres Kontinents und bald wohl auch immer mehr unter den Folgen des Ukraine-Konflikts, lautet der Befund. „Einzig in der Autobranche kann Europa den Vereinigten Staaten Paroli bieten und sowohl eine höhere Marge als auch ein stärkeres Umsatzwachstum vorweisen“, sagt Schweizer.

Die Halbjahresbilanzen der jeweils 300 größten börsennotierten Konzerne (ohne Banken und Versicherungen) haben die EY-Analysten untersucht und herausgekommen ist, dass sich die Kluft aus dem Vorjahr weiter vertieft hat. Während Amerikas Branchenführer ihren Umsatz zusammen um 5,4 Prozent auf knapp 5000 Milliarden Dollar steigern konnten und vier von fünf Konzerne dort einen Erlöszuwachs verbuchten, sank der kumulierte Umsatz der Europäer leicht um 0,1 Prozent auf 3454 Milliarden Euro. Und fast die Hälfte der europäischen Konzerne verbuchte sinkende Erlöse.

Schlimmer noch: Ausgerechnet die russischen Öl- und Gaskonzerne sorgten dafür, dass die europäische Bilanz nicht noch schlechter ausfiel. Dank des schwachen Rubels konnten Rosneft &amp- Co. ihre – zumeist in Dollar erwirtschafteten – Auslandsumsätze deutlich steigern. Russlands Großkonzerne erhöhten ihre Umsätze denn auch um fast 18 Prozent, die deutschen Vertreter in der Top 300 hatten leichte Rückgänge um 1 Prozent und Spaniens Großunternehmen erlösten 4 Prozent weniger.

Besser sieht das Bild in der Gewinnerzielung aus – aber auch hier hinkt der alte Kontinent hinterher. Nicht nur weil der Technologiekonzern Apple mit einem Betriebsgewinn (Ebit) von 31 Milliarden Dollar und der Ölkonzern Exxon Mobil (29,4 Milliarden Dollar) alle anderen Unternehmen weit hinter sich ließen. Europas Rangliste wird angeführt vom norwegischen Ölproduzenten Statoil, der auf ein Ebit von 9,9 Milliarden Euro kam. Zudem haben die Amerikaner ihre Gewinne kräftiger gesteigert und zwar um 5 Prozent auf 600 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 438 Milliarden Euro). Europas Top-Konzerne schafften dagegen nur ein Plus von 2 Prozent auf zusammen 324 Milliarden Euro.

Immerhin ist ihnen damit – erstmals seit Jahren wieder – eine leichte Erhöhung der Gewinnmarge von durchschnittlich 9,2 auf 9,4 Prozent gelungen. Die Sparprogramme in vielen europäischen Konzernzentralen scheinen also zu greifen. Dennoch haben die Amerikaner mit einer Marge von durchschnittlich 12,1 Prozent die Nase auch hier deutlich vorn. „Und in einigen Branchen ist der Abstand zu den deutlich profitableren amerikanischen Unternehmen inzwischen beunruhigend groß“, warnt Schweizer.

Europa ist „old economy“

Das geht einher mit dem Befund, dass Europas Branchengrößen vor allem aus der sogenannten „old economy“ stammen, also klassischen Industriezweigen wie Rohstoffe oder Pharma, während sich in den Vereinigten Staaten die IT-Technologie zur neuen Leitbranche mausert „und dabei eine bemerkenswerte Dynamik an den Tag legt“, analysiert der EY-Fachmann. Unter den 300 größten amerikanischen Konzernen befinden sich schon 30 IT-Unternehmen, in Europa sind es lediglich 12. Die Dominanz der Amerikaner im IT-Geschäft werde zunehmend zu einem Standortnachteil Europas, warnte Schweizer. „Wir müssen aufpassen, dass die europäische Wirtschaft von der digitalen Revolution nicht auf dem falschen Fuß erwischt wird.“

Mehr zum Thema

Die deutschen Konzerne fallen im Vergleich mit ihren amerikanischen Rivalen zwar auch zurück, haben aber wenigstens ihre starke Position auf der europäischen Rangliste halten können. Zwar ist Deutschland nur mit 37 Unternehmen vertreten – zwei weniger als im Vorjahr. Frankreich dagegen stellt 54 Konzerne aus den Top 300. Aber im Gesamtumsatz führen die Deutschen mit 684 Milliarden Euro das Feld vor den Franzosen (668 Milliarden Euro) an.

Größter Konzern des alten Kontinents blieb zum Halbjahr der Ölriese Royal Dutch Shell (161 Milliarden Euro Umsatz), Volkswagen erreichte wieder Platz 3, Daimler kletterte von Platz 8 auf Platz 6, während Eon von Rang 6 auf 9 fiel. In Amerika tauschten Wal-Mart und Exxon Mobil die Plätze, der Handelskonzern war das größte Unternehmen mit einem Umsatz von 231 Milliarden Dollar.