Computer & Internet

Ekel-App Wake Up & Smell the Bacon

• Bookmarks: 15


Es ist eine der ekelhaftesten Apps, die man sich zurzeit auf dem iPhone installieren kann. Wenn der Wecker klingelt, verströmt sogleich der Duft von Bacon im Schafzimmer.

Allein die Vorstellung ist schon ekelhaft. Und das Benutzen dieser App dürfte nicht nur Vegetariern Tränen in die Augen treiben. Das amerikanische Fleisch- und Wurstunternehmen Oscar Meyer will den Kunden seinen Bacon noch näher bringen. Wer will, kann sich vom Duft (und Sound!) des gebratenen Specks wecken lassen. Dazu brauchen hartgesottene Speck-Fans nur ein iPhone, die kostenlose App „Wake Up &amp- Smell The Bacon“ und einen kleinen Aufsatz, der sich über den Kopfhörerausgang mit dem Smartphone koppeln lässt. Dieser kostet 12 Dollar.

Wenn der Alarm am iPhone startet, bläst das kleine Kistchen den Duft von Bacon ins Schlafzimmer. Wie das nach Vorstellung von Oscar Meyer aussehen könnte, zeigt ein Werbevideo, in dem sich eine junge Frau im Bett räkelt, nur sie alleine mit ihrem Bratduft über der Decke. Dass hinter dieser ekelhaften Morgenattacke wahrlich clevere Technik steckt, hat der Guardian berichtet. Dafür verantwortlich ist der australische Wissenschaftler Adrian Cheok, der als Professor an der City-Universität in London arbeitet. Eines seiner Forschungsgebiete ist der „digitale Duft“. So hat er bereits ein „Smellophone“ erfunden, das – mit einem kleinen „Balloon“ versehen – etwa den Duft von Rosmarin, Lavendel und Kaffee versprüht.

31201837 Adrian Cheok probiert elektronischen Geschmack

Die Bacon-App mit entsprechendem Adapter ist dabei nur eine Methode, die Menschen mit Duft zu konfrontieren. Auf BBC hatte Cheok eine ähnliche Gerätschaft vorgestellt, die Duft überträgt. Hier schickt der Nutzer eine Nachricht an einen anderen. Kommt diese beim Empfänger an, entlässt das „Scentee plug-in“ einen Duftstoß. Er riecht dann, dass die Nachricht angekommen ist.

Die Idee, dem visuellen Erlebnis ein olfaktorisches hinzuzufügen, ist alt. So hat man Anfang der Sechzigerjahre versucht, den Kinozuschauern nicht nur opulente Bilder zu zeigen, sondern sie diese auch riechen zu lassen. Das „Geruchskino“ bediente sich verschiedenster Verfahren wie „Aroma-Rama“, „Sensorama“ oder „Odorama“. Da die Technik noch nicht so weit war wie beim Pervasive Computing, mussten die Zuschauer noch Duftkarten freirubbeln oder ein Duftgerät mit zu ihrem Platz nehmen. Die Idee ist gescheitert.

Mehr zum Thema

Nun ist die Vorgehensweise bei der „Wake Up &amp- Smell The Bacon“-App etwas eindimensionaler und den auf dem Smartphone abgebildeten Bacon sieht man erst, nachdem man vom gebratenen Speck geweckt wurde. Da Oscar Mayer ein Deutscher war, der im vorletzten Jahrhundert nach Amerika emigriert war, um mit Bacon und Wienern ein kleines Fleischimperium aufzubauen und seine Nachfahren in diesem Lebensmittel vermutlich weiter festhalten werden, wird Adrian Cheok mit seiner Technik wohl noch andere Unternehmen gewinnen müssen, um das Geruchsspektrum zu erweitern.

Damit ebenso der Duft von Müsli, Haferbrei, Nutellabrot, Omelett oder vielleicht einfach nur Kaffee durch die Schlafzimmer ziehen kann. Oder auch nicht.