Mode & Design

Paris Fashion Week: Raus aus der Mottenkiste

• Bookmarks: 15


Beim Prêt-à-porter in Paris präsentieren die Designer neun Tage lang über hundert Kollektionen. Schon der Anfang zeigt, dass sie nach vorne schauen.

Endlich weiter! Die Models laufen zwar zunächst auch bei Dries van Noten im Grand Palais am Mittwochmittag von rechts nach links und dann wieder von links nach rechts, aber dazu tragen sie Kleider, die – mit Mittelblau, Magenta, Lachsrosa und Dottergelb – zeigen, wie Colourblocking auf jeweils einem Stück unterzubringen ist. Wie dazu auch noch Kleider mit Paisleymuster und Jacquards passen – nämlich hervorragend –, und dass obendrauf etwas Nadelstreifen hier und da nicht schaden kann. Die Schritte hängen tief, die Röcke sind hoch geschlitzt, manche Oberteile sind winzig, andere so groß wie Schlafsäcke. Obwohl, bei Letzteren könnte es sich auch um echte Kleider handeln, die hier nur über Hosen geschichtet sind.

So viel zu den kostümierten Freigeistern der vergangenen Wochen, die gegen dieses Bild von Hippie bei Dries van Noten nur noch alt aussehen. Man konnte sie über die Laufstege in New York, London und Mailand streifen sehen, während sich dabei die Fransen ihrer Siebziger-Jahre-Klamotten verhedderten. Die echte modische Freiheit, das ist der Eindruck vom Anfang dieser langen Prêt-à-porter-Woche, nehmen sich jetzt jene Designer heraus, die eben nicht auf die Mottenkiste eines vergangenen Jahrzehnts schielen.

Dries van Notens Finale im Moos

Dries van Noten, der sich zunächst von Shakespeare-Stücken inspirieren ließ, von „Ein Sommernachtstraum“ und der Ophelia aus „Hamlet“, die John Everett Millais in seinem Gemälde im Fluss treiben lässt, konzipiert denn auch gleich eine neue Art des Finales. Nicht umsonst laufen die Models, statt über den blitzblanken Laufsteg, über einen Teppich mit lauter Nachbildungen von Moosen und Gräsern. Dann, der Model-Abgang ist vorbei, legen sich die 58 Mädchen einfach ins Gras, pardon auf den Moos-Teppich.

Es geht weiter, nicht nur bei Dries van Noten. Damir Doma hat seit Anfang September einen neuen Geschäftsführer. Jérémy Rocher, Teil der Yves-Rocher-Familie, soll die Markenbildung des immer noch jungen, am Chiemsee aufgewachsenen und in Paris ansässigen Designers weiter vorantreiben. Seine vor allem tragbare Kollektion, das Denim, die Jacquard-Teile, der orangefarbene Netzstoff, passen zu dem Vorhaben.

Dries Van Noten - Runway - Paris Fashion Week Ready to Wear Sprin Dries van Noten kleidet den modernen Hippie ohne in die Mottenkiste zu greifen. Bilderstrecke

Alessandro Dell’Acquas Ziel wird es indessen sein, dem Haus Rochas seine eigene Note zu geben. Was in seiner Debüt-Kollektion vor einem halben Jahr noch wie eine Fortsetzung von Marco Zaninis Arbeit aussah, ist nun zu seinem eigenen Ergebnis geworden. Die Stoffe sind leichter, transparenter, daraus ergeben sich feenhafte Kleider, die dennoch wie spontan übergezogen aussehen. Nur was sollen die anschnallgurtartigen Riemen, um die Taillen und oberhalb der Brüste? Das pechschwarze „R“ auf den Feenkleidern? Logos auf den Kleidungsstücken mögen ein Trend sein – allerdings bei jungen Designern, die darauf angewiesen sind, dass sich ihr Name überhaupt etablieren kann.

Mehr zum Thema

Zu denen gehört Marie-Christine Statz von Gauchère, die am Mittwochabend mit 31 Looks ihre bislang größte Kollektion zeigt. Selbst die Sneaker, in Gelb und Knallrot mit printed python leather, hat sie entworfen. Auch bei den Kleidern experimentiert sie mit diesen Farben, mit aufwendigen Texturen, wie einem Tweed, der zusammen mit techno-cotton so aussieht wie Raffia, und mit den Proportionen, mit hohen Schlitzen, kurzen Rocksäumen und weiten Lederwesten. Im kommenden Frühjahr werden die in den schönsten Läden hängen, etwa bei Bon Marché oder Opening Ceremony.

Die Kunden von Kaviar Gauche fragten indessen nach Blau. Blau, das gehörte bislang weder zu der Farbpalette aus Weiß- und Pudertönen, die das Berliner Label verwendet, um seine Spitzen- und Federkleider zu entwerfen, noch zu dem Schwarz, um eben jene Lieblichkeiten gelegentlich zu brechen. Jetzt zeigt Kaviar Gauche zum zweiten Mal in Paris. Und neben einem Update ihrer Brautkleider, neben den plissierten, bestickten und jetzt weniger süß anmutenden Stücken, ist da eine Serie blauer Kleider. Es geht weiter.