Sarkozy kehrt in die Politik zurück: „Ich bin ohne Rachegeist“

Published 22/09/2014 in Ausland, Europa, Politik

Sarkozy kehrt in die Politik zurück: „Ich bin ohne Rachegeist“

Nicolas Sarkozy plant eine große Reform der konservativen Partei, inklusive eines neuen Namens. Im Fernsehen teilte er außerdem gegen seine innerparteilichen Rivalen aus.

Mit neuen Parteikadern, einer neuen Organisationsform und einem neuen Parteinamen will Nicolas Sarkozy die Krise der französischen Oppositionspartei UMP beenden. Das hat der frühere Präsident am Sonntag in einem Gespräch mit der Zeitung „Le Journal du Dimanche“ angekündigt. Der 59 Jahre alte Politiker hatte am Freitag auf seiner Facebook-Seite seine Rückkehr auf die politische Bühne bekanntgegeben. Er kandidiert für den UMP-Vorsitz. Weitere Kandidaten sind Sarkozys früherer Europa- und Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire und der Abgeordnete Hervé Mariton. Am 29. November bestimmen die UMP-Mitglieder einen neuen Parteivorsitzenden.

Sarkozy begründete seine Rückkehr mit dem Erstarken der rechtsextremen Partei Front National (FN), dem Versagen der sozialistischen Staatsführung und den Dauerquerelen in der UMP. „Es ist nicht mein Fehler, dass François Fillon das Vakuum nach meinem Rückzug nicht hat ausfüllen können“, sagte Sarkozy. Er hielt seinem früheren Premierminister einen Mangel an Führungsqualitäten vor. Zugleich ließ Sarkozy durchblicken, dass er den Wettstreit mit Fillon und seinem früheren Außen- und Verteidigungsminister Alain Juppé mit Blick auf die Präsidentenwahl 2017 nicht fürchtet. Wenn es ihm gelänge, eine moderne Volkspartei für die Wähler der bürgerlichen Mitte zu begründen, sei es nicht möglich, ihn im Präsidentenrennen einzuholen. Die Zahl seiner Facebook-Freunde (knapp eine Million) sei schon doppelt so hoch wie die der „Freunde“ Juppés und Fillons zusammengenommen, merkte Sarkozy an.

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Sarkozy will zurück in die Politik

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Noch sei es allerdings nicht an der Zeit, seine Kandidatur für die Präsidentenwahl anzukündigen. „Ein langer Marsch hat begonnen“, sagte Sarkozy. Die erste Etappe sei es, seine „politische Familie“ wieder zu sammeln und „zurück an die Arbeit“ zu führen. Er habe die Lehren aus seiner ersten Amtszeit gezogen. „Ich bin ohne Arroganz und Rachegeist“, sagte Sarkozy. Im staatlichen Fernsehsender France 2 sagte Sarkozy am Sonntagabend, er verstehe sich nicht „als Retter“. Aber er schäme sich, weil Frankreich sich in Europa wie ein schlechter Schüler aufführe „der den Klassenbesten bitten muss, weniger zu lernen“, um mithalten zu können. Im Verhältnis zu Deutschland habe Frankreich „keine Wahl und keine Alternative“. „Wir müssen gemeinsam vorangehen“, sagte Sarkozy. Am Donnerstag will er in Lambersart nahe Lille bei einer UMP-Parteiversammlung auftreten.

Von Affären geschüttelte Partei

Der vor zweieinhalb Jahren aus dem Amt gewählte Sarkozy trifft auf seinem Weg zurück mehrere gewichtige Konkurrenten in der Partei. Der populäre Bürgermeister von Bordeaux und Ex-Regierungschef Alain Juppé kommentierte Sarkozys Rückkehr am Wochenende bereits mit den Worten, das Rennen für 2017 habe begonnen: „Ich werde bis zum Ende gehen.“ Er bekräftigte, nur eine fünfjährige Amtszeit als Präsident anzustreben.

- Innerparteilicher Rivale: Alain Juppé, der Bürgermeister von Bordeaux

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Die bereits früher von Sarkozy geleitete UMP ist derzeit in der Opposition und von Affären geschüttelt. Die gut 260.000 Mitglieder der Partei stimmen am 29. November im Internet über einen neuen Chef ab. Umfragen zeigen, dass mehr als 60 Prozent der Franzosen Sarkozys Rückkehr in die Politik nicht gut finden und ihn auch nicht erneut als Kandidaten für das Präsidentenamt sehen wollen. Eine übergroße Mehrheit der UMP-Anhänger begrüßte hingegen Sarkozys Rückkehr.

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