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Gefragtes Investment: Ackerbau und Viehzucht

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Ackerland stößt auf Geldanlage auf Interesse. Erstens spricht die wachsende Weltbevölkerung dafür und zweitens die geringe Korrelation mit dem Rest des Kapitalmarktes. Doch es gibt einiges zu beachten.

Zu den erfolgreichsten Anlageformen der vergangenen zwei Jahrzehnte gehört eine Kategorie, die nicht viele Vermögensverwalter und Anleger auf dem Radar haben: Farmland, wie es die Amerikaner nennen- also Land für Ackerbau oder Viehzucht.

Farmland ist sicherlich nicht für jeden Anleger geeignet. Man muss Geld mitbringen, Geduld haben und akzeptieren, dass Farmland eine wenig liquide Anlageform darstellt, die nicht täglich an der Börse verkauft werden kann. Gleichwohl hat auch in Europa das Interesse an Boden zugenommen, begünstigt durch die Euro-Krise und niedrige Renditen für Anleihen. Allerdings standen für viele Anleger nicht Ackerbau und Viehzucht im Mittelpunkt des Interesses, sondern der Erwerb von Wäldern. Für Farmland interessierten sich in der Vergangenheit am ehesten große Versicherungen und Pensionskassen.

Pachterträge: konstant, aber niedrig

Die amerikanische Fondsgesellschaft GMO, die 124 Milliarden Dollar Kundenvermögen verwaltet, hat eine kurze Studie veröffentlicht, die grundlegende Fragen zu Anlagen in Farmland aufgreift. Ein Investor muss mehrere Entscheidungen treffen. Eine Frage betrifft die Nutzung des Farmlandes. Hier werden aus der Sicht der Kapitalanlage drei grundlegende Nutzungsformen unterschieden: Zum Ersten gibt es meist im Jahresrhythmus angebaute Produkte wie Getreide, Sojabohnen oder Reis, bei denen es wichtig ist, durch große Produktionsmengen kostengünstig zu produzieren. Bei der zweiten Kategorie handelt es sich um langlebige Pflanzen, deren Produkte oft lange gelagert werden können. Das gilt zum Beispiel für Nussbäume oder Weinreben. Sie versprechen über viele Jahre Ernten, allerdings müssen junge Obstbäume meist mehrere Jahre wachsen, ehe sie überhaupt tragen. Die dritte Nutzungsform ist Vieh wie zum Beispiel Rinder.

Danach ist die wichtige Entscheidung zu treffen, ob ein Investor als Betreiber alle Chancen und Risiken seiner Kapitalanlage tragen oder ob er lieber als Pächter agieren will. Die Studie zeigt den Unterschied drastisch auf. Demnach lässt in den Vereinigten Staaten die Verpachtung von Farmland für den Anbau von Getreide relativ konstante jährliche Renditen von 3 bis 5 Prozent erwarten. Der weitgehend konstante Zahlungsstrom erinnert an die Rolle eines Fremdkapitalgebers, zum Beispiel eines Käufers von Anleihen. Wer hingegen als Betreiber alle Chancen und Risiken trägt, befindet sich eher in der Rolle eines Aktionärs. Hier nun lässt sich in guten Jahren in den Vereinigten Staaten im Anbau von Getreide eine zweistellige Rendite erzielen. Allerdings sind diese Erträge nicht konstant, und der Investor trägt auch das Risiko von Missernten mit sehr schlechten Erträgen.

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Ob Betreiber oder Pächter – nur die wenigsten Kapitalanleger werden Farmland, das nicht selten viele tausend Kilometer entfernt liegt, direkt kaufen. Abgesehen von der Frage nach der optimalen Verwaltung des Landes stellt sich auch die Frage, ob ein deutscher Anleger aus der Ferne attraktive Investitionsmöglichkeiten klar definieren kann. Denn wer sich für Anlagen in Getreide interessiert, wird auch Objekte in den Vereinigten Staaten ins Auge fassen müssen. Wem mehr an der Viehzucht gelegen ist, wird attraktive Anlagen eventuell in Australien und Neuseeland suchen müssen. Der Investor muss nicht alles selbst machen: Es gibt unterschiedliche Investmentvehikel, darunter Fonds, die in Farmland anlegen. Sie nehmen Arbeit ab, kosten aber auch Geld.

Wie sieht das langfristige Kalkül eines Anlegers in Farmland aus? Das wichtigste Argument ist die weitere Zunahme der Weltbevölkerung und die Annahme eines langfristigen Wirtschaftswachstums in der Welt, das die verfügbaren Einkommen und damit auch die Nachfrage nach Nahrungsmitteln steigen lassen dürfte. Aus einer kapitalmarktorientierten Warte kommt als Argument hinzu, dass Erträge aus Farmland in der Vergangenheit kaum mit Erträgen aus Wertpapieren korreliert waren. Farmland kann sich daher als Bestandteil eines breitgestreuten Vermögens durchaus eignen.

Aber der Anleger darf auch nicht blauäugig sein. Schon in der Bibel ist von sieben fetten und sieben mageren Jahren die Rede – Farmland wirft unterschiedlich hohe Renditen ab. Auch in der Landwirtschaft gibt es technischen Fortschritt, der sich auf die Rendite einzelner Fruchtsorten auswirken kann. Schließlich kann es auf dem Markt für Land zu spekulativen Preisblasen kommen, auch wenn die Preise nicht börsentäglich, sondern nur einmal im Jahr festgestellt werden. Wie auf anderen Anlagemärkten lassen sich auch auf dem Markt für Farmland früher erzielte Renditen nicht einfach in die Zukunft projizieren.