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„Dyson 360 Eye“: Ein Computer saugt das Wohnzimmer

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Dyson präsentiert auf der IFA seinen ersten Saugroboter, den „Dyson 360 Eye“. Er verfügt über ähnliche Technik wie ein selbstfahrendes Automobil – und besitzt angeblich mehr Saugkraft als jeder andere Roboterstaubsauger.

Auf dem IFA-Messestand des britischen Staubsaugerherstellers Dyson präsentiert Vorstandschef Max Conze einen Saugroboter aus dem Jahr 2001. Es ist ein voluminöses Gerät, das mit seiner gelben Farbe ein wenig an Spielzeug erinnert. In Serie ging der Prototyp nie. Er hat nicht so gut funktioniert und perfekt gereinigt, wie man sich das bei Dyson vorstellte. Erst gut ein Jahrzehnt später schickt das Unternehmen nun tatsächlich einen Saugroboter an den Marktstart: Der in Berlin vorgestellte „Dyson 360 Eye“ ist deutlich kleiner als sein Vorgänger, und man fragt sich unwillkürlich, wie so ein kleines Gerät eine Wohnung saugen soll.

Aber Dyson wäre nicht Dyson, würden die Verantwortlichen nicht mit dem üblichen üppigen Selbstbewusstsein auftreten: Das eigene Gerät verfüge über „mehr Saugkraft als jeder andere Roboterstaubsauger“, wird versprochen. Und man habe wirklich alle unter die Lupe genommen, sagt Conze. Die Briten unter Führung ihres deutschen Chefs Conze werden immer wieder gern als „Apple der Hausgeräteindustrie“ dargestellt. Völlig an den Haaren herbeigezogen ist dieser Vergleich nicht. Dyson sieht sich als Technologie- und Erfinderunternehmen, das schon mal länger tüftelt, bis ein Produkt „perfekt“ erscheint.

Mit Luftwirbel, ohne Beutel

Hinter dem Unternehmen steht der Erfinder James Dyson, dessen Lebenslauf durchaus Ähnlichkeiten mit dem eines Steve Jobs aufweist: Er gilt als Perfektionist. Und seinen ersten Staubsauger hat er vor zwei Jahrzehnten zwar nicht in einer Garage entwickelt, aber in einer vergleichbaren Unterkunft: in einem Gartenschuppen. Erstaunlich daran: Dyson war ausgerechnet mit einem Produkt erfolgreich, das große Konkurrenten schon seit mehr als 100 Jahren produzieren. Die Staubsaugertechnologie existiert in praktisch unveränderter Form seit 1901. Dyson freilich nimmt für sich in Anspruch, diese Technologie revolutioniert zu haben. Seine Geräte arbeiten mit Luftwirbeln und ohne Beutel- dass sie funktionieren, zeigt schon die Tatsache, dass auch Konkurrenten sich inzwischen dieser Technologie angenommen haben.

Auch wenn das Staubsaugergeschäft noch die Grundlage des Unternehmens darstellt: Dyson ist längst darüber hinausgewachsen. Mit einem Produkt wie dem Airblade-Trockner, der in manchen Autobahnraststätten zu finden ist und der nasse Hände mit Kaltluft doppelt so schnell trocknet wie herkömmliche Händetrockner mit Heißluft. Mit einem Produkt wie dem „Air-Multiplier“, einem Ventilator, der ohne Rotorflügel funktioniert und einen gleichmäßigen Luftstrom erzeugt. Mit dem neuen Saugroboter bleibt Dyson zwar dem traditionellen Geschäftszweig treu, doch ist das Modell „360 Eye“ mehr Computer als Staubsauger.

Es verfügt über eine ähnliche Technik wie ein selbstfahrendes Automobil. Der Staubsauger erkennt seine Umgebung mit Hilfe einer 360-Grad-Panoramakamera, entwirft einen detaillierten Grundrissplan zur Navigation und protokolliert seine Position. „Wir haben ein einzigartiges System entwickelt, mit dessen Hilfe unser Roboter erkennt, wo er ist, wo er war und wo er noch reinigen muss“, sagt Conze. Kann das die Konkurrenz nicht auch? Ach wo: „Die meisten Roboterstaubsauger erkennen die Umgebung nicht, haben wenig Saugkraft und reinigen nicht richtig. Es sind Spielereien“, so das vernichtende Fazit von Gründer James Dyson.

Der Mann kann sich solche Urteile leisten, zumal Dyson viel Geld in seine Forschung und Entwicklung steckt. Jetzt beginnt die erste Phase einer rund 310 Millionen Euro teuren Erweiterung der Dyson-Forschungs- und Entwicklungslabore im britischen Wiltshire. Die ersten Gebäude sollen im Frühjahr 2016 fertiggestellt sein. Die Expansion werde es Dyson ermöglichen, seine Partnerschaft mit führenden britischen Universitäten zu vertiefen und weitere 3000 Arbeitsplätze für Wissenschaftler und Ingenieure in Großbritannien zu schaffen, heißt es. Im erweiterten Entwicklungszentrum will das Unternehmen Projekte aus den Bereichen Materialwissenschaften, Motortechnologie und Akustikoptimierung vorantreiben.

Außerdem wird es Labore für Robotikprojekte und die Entwicklung optischer Systeme geben. Dyson plant den Angaben zufolge mehr als 5 Millionen Euro im Jahr in die Archivierung und Sicherung von Patenten zu investieren. „Wir sind ambitioniert. Wir suchen 3000 Ingenieure, die die Dyson-Technologie-Pipeline füllen können, aber wir benötigen jetzt schon 400 der schlauesten britischen Köpfe. Unsere Ideen können einfach nicht warten.“ Dyson beschäftigt insgesamt mehr als 4400 Mitarbeiter, davon mehr als ein Drittel Ingenieure und Techniker. 2012 lag der Umsatz bei 1,5 Milliarden Euro, der Gewinn bei 455 Millionen Euro. In Deutschland ist Dyson, bezogen auf den Wert, der zweitgrößte Hersteller von Bodenstaubsaugern.

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