
Valérie Trierweiler, die ehemalige Première Dame Frankreichs, rechnet ab. In ihrem Buch, als „Bombe“ angekündigt, steht aber auch, dass Hollande sie schon wieder umwirbt.
Sie hat alles wie eine große Geheimdienstoperation arrangiert. Gedruckt wurde heimlich in Deutschland. Die Neuerscheinung kündigte sich den Buchhändlern ohne Titel und Autorennennung an, Presseexemplare gab es keine. Im Pariser Verlag „Les Arènes“, der sich einst mit seriösen politischen Recherchen einen Namen gemacht hatte, herrschte ohnehin höchste Diskretion. Denn Valérie Trierweiler, die ehemalige Freundin des Präsidenten, wollte unbedingt noch einmal auf die politische Bühne zurückkehren, als „Bombe“, wie sie es ihrem Arbeitgeber, dem Klatschmagazin „Paris Match“, in die jüngste Ausgabe diktierte.
Nun, zumindest die Marketingstrategie der ehemaligen Première Dame Frankreichs scheint aufzugehen. Die französischen Medien interessierten sich am Mittwoch hauptsächlich für die auf 320 Seiten niedergeschriebenen „Enthüllungen“, die – so lassen die ersten freigegebenen Auszüge schließen – einer Herz-Schmerz-Story vor der Kulisse des Elysée-Palast ähneln. Die Autorin selbst steht für Interviews nicht zur Verfügung, auch das ist Teil des Plans, um die Spannung zu wahren. Sie habe sich für ein paar Tage auf Reisen begeben, hieß es. Madame hat schwache Nerven, das gibt sie in den wenigen Passagen zu, die sie „Paris Match“ weiterleitete. Dort wirkt noch immer ihr ehemaliger Mann Denis Trierweiler, den sie im Frühjahr 2005 mit den gemeinsamen drei kleinen Söhnen sitzen ließ, um sich ihrem Abenteuer mit François Hollande hinzugeben. „Ein elektromagnetisches Feld“ baue sich auf, wenn sie und François sich begegneten, schreibt sie. Sie spricht von ihrer „amour fou“ als überschäumendem Fluss, der alles mitgerissen habe.
Hollande kann trotzdem ruhig schlafen
Doch wer sich von dem Buch, das von diesem Donnerstag an in den französischen Buchhandlungen erhältlich sein wird, Einblicke in Staatsgeheimnisse versprochen hätte, wird enttäuscht. Selbst „Paris Match“, der Mitarbeiterin Trierweiler eher wohlgesonnen, stellte mit beleidigtem Unterton fest, François Hollande könne weiterhin ruhig schlafen. Der Elysée-Palast war von einer gewissen Panik erfasst worden, als am Vortag die ersten Twittermeldungen über Trierweilers „Danke für den Moment“-Buch („Merci pour ce moment“) erschienen. „Wir wissen von nichts“, teilte ein Sprecher Hollandes mit. Berater stöhnten, die Rachetour der „Ex“ sei das letzte, was der Präsident derzeit brauche. Hollande dümpelt in Beliebtheitsumfragen bei 19 Prozent und ist damit der unbeliebteste Präsident seit Bestehen der V. Republik. Seine Wirtschaftspolitik ist gescheitert, und den Franzosen dämmert nur noch schwach, dass zu den vielen gebrochenen Versprechen sich auch jenes gesellt, sie nicht mit seinem Privatleben zu belästigen. Denn wie hatte sich François Hollande nicht über den unglücklichen Nicolas Sarkozy empört, der die Franzosen an seiner (letztlich erfolglosen) Ehe-Rettungs-Therapie mit Cécilia hatte teilhaben lassen. Im Vergleich wirkt Cécilias Flucht aus dem Elysée-Palast geradezu vornehm. Sie verschwand still und leise und wartete mit ihren Enthüllungen, bis sich Nicolas Sarkozy aus dem Elysée-Palast verabschiedet hatte.
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Valérie Trierweiler aber hat es offensichtlich nicht ertragen, wie einst die Maitresse der französischen Könige verstoßen und durch eine neue ersetzt zu werden. „Alles, was ich schreibe, ist wahr“, schwört sie schon auf der Titelseite. Sie beschreibt sich als eifersüchtige Lebensgefährtin, die sich nicht mehr unter Kontrolle hat, wenn Hollande auf die Mutter seiner vier Kinder trifft, auf Ségolène Royal. Sie habe Hollande schwören lassen, im Präsidentenwahlkampf „nie“ an der Seite Royals aufzutreten – einen Schwur, den der Kandidat brach. Sie sei am Boden zerstört gewesen, schreibt sie, als habe ihre krankhafte Eifersucht etwas Nobles. Einziger Trost: Auch Michelle Obama sei eifersüchtig.
Das zumindest behauptet Trierweiler, die während der Trauerfeierlichkeiten für Nelson Mandela eine Eifersuchtsszene beim amerikanischen Präsidentenehepaar ausgemacht haben will. Der „Selfie“ Obamas mit der blonden dänischen Ministerpräsidentin habe Michelle zutiefst missfallen. „Ich freue mich, dass ich nicht allein eifersüchtig bin“, schreibt Trierweiler. So geht es munter weiter, als wolle sie sich als Autorin für Soap Operas bewerben. Sie beharrt darauf, von Hollandes Affäre mit der Schauspielerin Julie Gayet erst durch die Fotos in „Closer“ erfahren zu haben. Auf dem Präsidentendoppelbett im Elysée-Palast sitzend will sie den untreuen Gefährten zur Rede gestellt haben: „Also ist es wahr?“ Hollande soll ihrem Blick ausgewichen sein, dann wird es dramatisch. „Ich breche zusammen, ich kann es nicht hören, ich eile ins Badezimmer. Ich greife die kleine Plastiktüte mit Schlafmitteln“, schreibt sie. „François ist mir gefolgt, er will mir die Tüte entreißen. Ich renne ins Zimmer. Er packt die Tüte, die zerreißt. Tabletten fallen aufs Bett und den Boden. Ich schlucke herunter, was ich kann. Ich will schlafen, ich will die kommenden Stunden nicht erleben“, schildert sie ihren Nervenzusammenbruch. Sie habe das Bewusstsein verloren. Hollande ließ sie ins Krankenhaus bringen. Einige Tage später kündigte er über eine nüchterne AFP-Meldung das Ende der Beziehung an.
Aber hurra, es ist nicht vorbei. Valérie Trierweiler zumindest behauptet, Hollande umwerbe sie seit ihrer Trennung, täglich bekomme sie SMS-Mitteilungen, „29 an einem Tag“. „Seine Mitteilungen sprechen von Liebe“, schreibt sie. „Er sagt, er werde mich wiedergewinnen, als sei ich eine Wahl.“ François Hollande kann sich sicher sein, dass es bei seiner nächsten Pressekonferenz am 18.September im Elysée-Palast wieder Fragen zu seinem Privatleben geben wird.
