
George Soros ist immer noch ein Star der Hedgefonds-Branche. Obwohl er seit 22 Jahren kein Geld mehr verwaltet. Die neuen Manager sind weitgehend unbekannt.
Wenn über Hedgefonds gesprochen wird, fällt häufig der Name George Soros, verbunden mit dem Hinweis auf seine erfolgreiche Spekulation gegen das Pfund. Soros hatte mit seinem Hedgefonds im Herbst 1992 mit großen Summen auf eine Abwertung der britischen Währung spekuliert und sehr viel Geld gewonnen, als London schließlich kapitulierte, das Pfund aus dem damaligen Europäischen Währungssystem nahm und eine Abwertung akzeptierte.
Soros’ Quantum-Fonds gilt seitdem als ein erfolgreicher Vertreter einer Anlagestrategie, die in der Fachwelt „Global Macro“ genannt wird. Gemeint ist der Versuch von Hedgefonds, gesamtwirtschaftliche Entwicklungen vorauszuahnen und so Geld an den Finanzmärkten zu verdienen.
„Global Macro“ ist die wahrscheinlich bekannteste Anlagestrategie von Hedgefonds, aber keineswegs die verbreitetste. Aus Daten des amerikanischen Analysehauses Evestment, die von der Fachpublikation „Chief Investment Officer“ verbreitet wurden, geht hervor, dass „Global Macro“-Fonds nach Schätzungen 217 Milliarden Dollar verwalten. Das gesamte von Hedgefonds verwaltete Vermögen wird auf rund 2700 Milliarden Dollar geschätzt.
Bundesanleihen als Menetekel
„Global Macro“ ist aber nicht nur wenig populär bei Kapitalgebern. Die Strategie ist auch seit einiger Zeit nicht sehr erfolgreich. Im Durchschnitt haben „Global Macro“-Fonds im Jahre 2013 Geld verloren, und auch das Jahr 2014 hat nicht brillant begonnen. Viele Wetten haben in den vergangenen Jahren nicht funktioniert. So hatten Hedgefonds in den vergangenen Jahren mehrfach auf einen Kurseinbruch des Euro gegenüber dem Dollar am Devisenmarkt gesetzt.
Mindestens einmal hatten sich Fonds zusammengefunden, um auf deutliche Kursverluste für deutsche Bundesanleihen in der Euro-Krise zu spekulieren. Auch dies klappte nicht. In den vergangenen Wochen war aus den Vereinigten Staaten zu hören, Hedgefonds hätten begonnen, auf Kursverluste bei Staatsanleihen aus der Europeripherie zu spekulieren. Zumindest bisher ist auch diese Spekulation nicht aufgegangen, auch wenn sie sich vielleicht auf längere Sicht noch bewähren wird.
Die ernüchternden Ergebnisse vieler „Global Macro“-Fonds sind nicht erstaunlich. Die Konjunktur- und Börsenentwicklung der vergangenen Jahre war nicht leicht vorhersehbar. Viele Fonds interessieren sich nicht zuletzt für die Wirkungen der Geldpolitik, aber obgleich die Geldpolitik zum Beispiel in den Vereinigten Staaten seit langem expansiv erscheint, ist entgegen nicht weniger Prognosen die Inflationsrate in den Vereinigten Staaten nicht deutlich gestiegen, und auch das Wirtschaftswachstum hat bisher eher enttäuscht.
- Weniger Geld für Manager: Hedgefonds drehen den Geldhahn zu
- Vermögensverwaltung: Anleger gewöhnen sich an Niedrigzinsen
Folgerichtig verbinden sich in der Öffentlichkeit mit „Global Macro“-Fonds auch kaum Gesichter junger erfolgreicher Fondsmanager. Stattdessen wird immer wieder Soros erwähnt, obgleich er schon seit vielen Jahren nicht mehr aktiv für Kunden Geld verwaltet. Sogar die Spekulation gegen das Pfund vor 22 Jahren wurde seinerzeit stark von seinem damaligen Chef-Anlagestrategen Stanley Druckenmiller orchestriert.
Das Geld der Anleger fließt seit langem lieber in Hedgefonds, die andere Anlagestrategien verfolgen. So sollen nach Schätzungen Fonds, die eine Strategie namens „Event driven“ verfolgen, 578 Milliarden Dollar verwenden. Bei dieser Strategie suchen Fonds Sondersituationen an Kapitalmärkten zu nutzen, zum Beispiel in Gestalt von Fusionen und Übernahmen oder in Gestalt von Aktienrückkäufen. Angesichts der Welle von Fusionen und Übernahmen in den Vereinigten Staaten, aber auch in anderen Ländern ist diese Strategie derzeit bei Kapitalgebern sehr beliebt.
Spekulieren auf selbstgemachte Sondersituationen
Manche Fondsmanager warten nicht darauf, dass Unternehmen eine Übernahme oder eine Fusion planen, sondern sie suchen derartige Transaktionen anzustoßen. Im Einzelfall kann dies sehr lohnend sein. Einer der bekanntesten Vertreter einer solchen Anlagestrategie ist Bill Ackman von der Fondsgesellschaft Pershing Square Capital Management, der unter anderem in die Auseinandersetzungen um die Strategie des amerikanischen Unternehmens Herbalife verwickelt ist.
Hedgefonds sind eine sehr heterogene Anlageklasse mit sehr unterschiedlichen Anlagestrategien und Anlageergebnissen. In den vergangenen Jahren war es allerdings möglich, mit Anlagen in Aktienindizes wie dem amerikanischen S&-P-500 besser abzuschneiden als mit Anlagen in vielen Hedgefonds. Daher ist es kein Wunder, dass Druck auf die ehemals sehr stolzen Gebühren der Hedgefonds gekommen ist.
