
Politiker haben die mutmaßliche Ermordung eines weiteren Reporters durch die Islamistengruppe IS verurteilt. Der britische Premier Cameron spricht von einem „barbarischen Mord“.
Das Weiße Haus hat am Mittwoch die Echtheit eines Videos der Dschihadistengruppe „Islamischer Staat“ (IS) bestätigt, auf dem die Hinrichtung des Journalisten Steven Sotloff zu sehen ist. Eine Analyse durch Geheimdienstexperten habe erbracht, dass das Video authentisch sei, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates, Caitlin Hayden.
Das am Dienstag verbreitete Video hatte weltweites Entsetzen ausgelöst. Der britische Premier David Cameron sprach von einem „verachtenswerten und barbarischen Mord“. Der französische Präsident François Hollande sagte, die Tat beweise den „schändlichen Charakter der Dschihadisten-Organisation, die die Freiheit infrage stellt und nur den Terror kennt“.
Auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zeigte sich angesichts der Tat schockiert. „Wir sind alle entsetzt über die Berichte aus dem Irak über die brutale Ermordung von Zivilisten durch den Islamischen Staat, einschließlich der gestern berichteten Enthauptung eines weiteren Journalisten“, sagte Ban. Er verurteile derartige „abscheuliche“ Verbrechen, fügte der UN-Generalsekretär hinzu.
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Der vor einem Jahr in Syrien entführte 31 Jahre alte Reporter Steven Sotloff soll aus Rache für die amerikanische Luftangriffe im Irak getötet worden sein, berichtete das Forschungsinstitut Site. Es beruft sich dabei auf ein Video, das die IS-Gruppierung online veröffentlicht habe. Das Institut verfolgt weltweit die Aktivitäten von Terrororganisationen.
Die IS-Miliz droht demnach, als nächstes eine britische Geisel umzubringen. Erst vor knapp zwei Wochen hatten die Extremisten, die weite Landstriche in Syrien und im Irak beherrschen, bereits den amerikanischen Journalisten James Foley enthauptet. Die internationale Journalistenorganisation Committee to Protect Journalists (CPJ) forderte eine Bestrafung der Täter. Die Ermordungen Foleys und Sotloff „waren Kriegsverbrechen, und diejenigen, die sie begangen haben, müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, teilte sie mit. Sie betonte, Sotloff und Foley „waren Zivilisten, keine Repräsentanten irgendeiner Regierung“.
Foley &- Sotloff came to tell the story of those yearning freedom but died by the hands of those who would destroy it. http://t.co/OzYGiAoONH
&mdash- CPJ (@pressfreedom) 3. September 2014
Unklar war zunächst, wie die Vereinigten Staaten und die internationale Gemeinschaft auf das mutmaßliche Verbrechen reagieren werden. Präsident Barack Obama gab zunächst keine Stellungnahme ab. In der Nacht wurde allerdings bekannt, dass die Amerikaner ihre Militärpräsenz im Irak zum Schutz von Botschaftsangehörigen erhöhen. Es wird erwartet, dass der Kampf gegen IS auch beim Nato-Gipfel in Wales zur Sprache kommen wird. Cameron kündigte für diesen Mittwoch Beratungen mit seinen Sicherheitsexperten an.
Der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, kündigte an, die amerikanische Regierung werde die Echtheit des IS-Videos prüfen
Das Institut Site veröffentlichte eine Mitschrift des Videos. Demnach richtete der mutmaßliche Täter mit gezücktem Messer eine Warnung direkt an Obama, die Militärangriffe im Irak gegen den IS zu unterlassen. Nach Angaben des Instituts ist derselbe schwarz vermummte IS-Kämpfer auf dem Video zu sehen, der auch bei Foleys Tod dabei war. Zugleich drohten die Milizen mit dem Tod einer britischen Geisel, die ebenfalls gezeigt wurde.
Sotloff, der seit Jahren für diverser amerikanische Medien an Krisenplätzen in Nahost arbeitete, wird seit August 2013 in Syrien vermisst. Er war auch kurz auf dem Video der Enthauptung Foleys zu sehen, das weltweit Entsetzen ausgelöst hatte. Damals hatte die Miliz bereits mit seinem Tod gedroht.
Obamas Sprecher Josh Earnest sagte, die Vereinigten Staaten hätten viel Zeit und Ressourcen aufgewendet, um Sotloff aus der Geiselhaft zu befreien. Eine Kommandoaktion in Syrien war aber gescheitert. Die Sprecherin des Außenministeriums, Jen Psaki, nannte die Berichte über Sotloffs Tod entsetzlich. „Wir wollen die IS natürlich vernichten“, sagte Psaki. „Aber dies ist keine Anstrengung, die über Nacht gelingt“, fügte sie hinzu. In Washington mehren sich unterdessen Forderungen, dass die amerikanischen Militärs ihre Luftschläge gegen IS-Stellungen auch nach Syrien ausweiten sollen. Doch darüber hat Obama noch nicht entschieden. Bisher flogen amerikanische Kampfjets über 100 Einsätze gegen IS-Stellungen im Irak.
Sotloffs Familie wollte sich nicht äußern. Ein Sprecher der Familie sagte laut amerikanischen Medien, die Familie sei über die „fürchterliche Tragödie“ informiert. Sie trauere in aller Stille. Noch vergangene Woche hatte Sotloffs Mutter eine emotionale Videobotschaft an dessen Entführer veröffentlicht und um Gnade für ihren Sohn gebeten.
