
Der neue Fujitsu Scanner Scan Snap SV 600 bedient sich einer außergewöhnlichen Technik. Der Overhead-Scanner sieht aus wie eine übergroße Schreibtischlampe und ermöglicht berührungsloses Scannen.
Wer alte Unterlagen digitalisieren will, verwendet einen Scanner, der die Vorlagen optisch erfasst, nachbearbeitet und ein kompaktes PDF daraus macht. Geht es um die Digitalisierung umfangreicher Bestände, ist der beliebte Flachbettscanner mit Auflagenglas zwar für Fotos, hauchdünne Pergamente oder Bücher gut geeignet. Viel zu langsam ist er jedoch für umfangreiche Bestände aus losen Blättern, wie sie typischerweise in Ordnern abgeheftet werden. Jede Seite erfordert einen Handgriff. Praktischer sind Dokumentenscanner mit automatischem Papiereinzug und Duplexbetrieb. In einem Rutsch werden beide Seiten der Vorlage erfasst.
Damit diese Geräte tatsächlich 20 oder gar 50 Seiten in der Minute verarbeiten können, muss das Papier eine gewisse Homogenität aufweisen. Dicke Prospektseiten oder dünne Frachtpapiere einer Spedition können Schwierigkeiten bereiten. Wer Unterlagen vor Jahren mit Heftklammern versehen hat, muss diese nicht nur vor dem Scannen wieder entfernen, sondern auch damit rechnen, dass die einzelnen Seiten so dicht aneinanderkleben, dass Doppeleinzug oder gar Papierstau drohen. Wertvolle Originale können dabei beschädigt werden.
Overhead-Scanner wie eine Schreibtischlampe konstruiert
Geht es nicht ums Tempo, sondern um die Qualität und den vorsichtigen Umgang mit dem Material, lohnt ein Blick auf außergewöhnliche Technik. Fujitsu hat einen Overhead-Scanner entwickelt, der ein berührungsloses Scannen von Zeitungen, gebundenen Dokumenten, Büchern und Zeitschriften erlaubt. Heft- und Büroklammern können am Objekt verbleiben, und man muss sich keine Gedanken machen, dass die Vorlage durch die Berührung mit dem Scanner beschädigt werden könnte. Der Trick besteht darin, dass der Scan Snap SV 600 wie eine übergroße Schreibtischlampe konstruiert ist und seinen Kopf mit dem Scanner-Lichtstrahl über jene Objekte bewegt, die unter ihm auf dem Tisch liegen. Zwei LED-Lampen im Kopf leuchten die Vorlage aus, den Scanvorgang übernimmt eine CCD-Kamera, die nicht fotografiert, sondern zeilenweise abtastet, um Verzerrungen und Unschärfen im Randbereich zu vermeiden.
Es geht nicht ums Tempo, sondern um die Qualität
Man hat also gleichsam den Flachbettscanner auf ein Türmchen gestellt, und auf diese Weise lassen sich Vorlagen von der Visitenkarte bis zum Format DIN A3 erfassen sowie dicke Bücher oder gar dreidimensionale Objekte. Man legt das Scangut auf den Tisch, startet mit einer Taste am Gerät oder der Software, und schon schwenkt sich der Lesekopf mit leisem Surren einmal vor und wieder zurück. Nach wenigen Sekunden ist der Vorgang abgeschlossen. Aber damit ist auch ein Nachteil der Technik sofort klar: Ein hohes Verarbeitungstempo ist auf diese Weise nicht zu erzielen, wenngleich ein „Umblättererkennungsmodus“ das Erfassen von Zeitschriften oder Büchern beschleunigt.
Für unterschiedliche Aufgaben jeweils eigene Profile
Die Software Scan Snap Manager ist für jedwede Feinarbeit nach dem Scanvorgang zuständig. Für unterschiedliche Aufgaben lassen sich jeweils eigene Profile anlegen, in denen zum Beispiel die Auflösung und die wichtigsten Schritte der Weiterbearbeitung angegeben werden. Das ist gut gemeint, aber das gesamte Bediensystem der App brauchte mehr Struktur und Klarheit. Anfangs ist man überfordert, zumal auch nicht auf einen Blick ersichtlich ist, was zum Beispiel der Unterschied zwischen „Scan to Mobile“ und einem halben Dutzend ähnlicher Profile wie „Scan to E-Mail“ oder „Scan to Dropbox“ sein soll. Die Profile gibt es dann zusätzlich auch noch mit Texterkennung (Abby Fine Reader), und wer es genau wissen will, kann sich stundenlang mit den Verästelungen des Programms auseinandersetzen.
Die Hardware benötigt übrigens ein eigenes Netzteil und nimmt über USB-2-Kabel den Kontakt mit dem PC auf. Sie wirkt robust, die Einfassung besteht aus Metall. Die Scanergebnisse sind im Allgemeinen und bei flachen Vorlagen gut, aber wenn es um die Spezialdisziplin des Erfassens von dicken Büchern oder Zeitschriften geht, arbeitet die eingebaute Verzerrungskorrektur für unseren Geschmack nicht präzise genug. Die wellenförmigen Artefakte inklusive der Vertiefung in der Buchmitte, die beim Scannen eines aufgeschlagenen Buches unweigerlich entstehen, könnten mit der Software besser herausgerechnet werden. Natürlich lässt sich manuell durch nachträgliches Setzen der Eckpunkte das Ergebnis verbessern, aber das kostet dann wieder viel Zeit. Wer mit dem Gerät Fotos erfassen will, erzielt nur eine optische Auflösung von 200 bis 300 dpi. Insgesamt bleibt der Scan Snap SV 600 zum Preis von rund 700 Euro ein interessantes Nischenprodukt für Dokumente, die aus dem Rahmen fallen.
